Und jedes Mal, wenn Adrian die Bank unter dem Ahornbaum ansah, erinnerte er sich an den Moment, als er beinahe alles verloren hätte, was ihm wirklich wichtig war – und an den Moment, als ihm die Liebe eine letzte Chance gab.

# Kapitel 2: Das Geheimnis, das Adrians Vater um jeden Preis verbergen wollte

Drei Monate lang schien das Leben für Nora endlich wieder lebenswert zu werden.

Leo und Emma schliefen inzwischen in ihren eigenen kleinen Betten. Nora hatte ein gemütliches Zimmer im Haus der Coles, und Adrian versuchte jeden Tag, die verlorene Zeit mit seinen Kindern nachzuholen. Er lernte, wie man Fläschchen zubereitete, Windeln wechselte und nachts aufstand, wenn eines der Babys weinte.

Doch obwohl das Haus voller Leben war, lag etwas Schweres in der Luft.

Nora hatte Adrian verziehen, dass er ihr damals nicht geglaubt hatte. Aber Vertrauen ließ sich nicht einfach zurückholen. Manchmal, wenn sein Telefon während des Abendessens klingelte oder er sich wegen einer dringenden Besprechung verspätete, wurde Nora still.

Adrian bemerkte es jedes Mal.

„Ich weiß, dass ich dir viel versprochen habe“, sagte er eines Abends, als sie gemeinsam am Fenster standen und Leo in seinem Bettchen schlief. „Aber ich will nicht, dass du mir nur glaubst, weil ich es sage. Ich will, dass du es jeden Tag sehen kannst.“

Nora antwortete nicht sofort.

Dann nahm sie seine Hand.

„Dann bleib, wenn es schwierig wird. Nicht nur, wenn alles gut läuft.“

Adrian drückte ihre Hand.

„Das werde ich.“

Er ahnte nicht, wie bald er dieses Versprechen würde beweisen müssen.

## Der Umschlag ohne Absender

An einem regnerischen Montagmorgen betrat Adrians Assistentin sein Büro. In der Hand hielt sie einen cremefarbenen Umschlag.

„Er wurde heute früh am Empfang abgegeben. Der Absender wollte keinen Namen hinterlassen.“

Adrian öffnete ihn.

Darin lag ein einzelnes Foto.

Es zeigte Nora vor sieben Jahren, kurz nach ihrer Hochzeit. Sie stand vor einem kleinen Café und hielt eine Mappe an ihre Brust gedrückt. Neben ihr stand ein Mann, den Adrian sofort erkannte.

Sein Vater.

Auf der Rückseite befand sich eine handschriftliche Nachricht:

**„Wenn du wissen willst, warum Nora damals wirklich verschwinden musste, frage deinen Vater nach dem Vertrag vom 17. März.“**

Adrian las die Zeilen dreimal.

Dann griff er nach seinem Telefon und rief seine Mutter an.

„Mama, weißt du etwas über einen Vertrag vom 17. März? Irgendetwas, das mit Nora zu tun haben könnte?“

Am anderen Ende blieb es lange still.

„Adrian“, sagte Margaret schließlich, „woher hast du diesen Namen?“

„Das ist keine Antwort.“

„Dein Vater hat damals viele Unterlagen unterschrieben. Einige davon betrafen die Firma, andere die Familie. Ich weiß nicht, was du gefunden hast, aber bitte handle nicht vorschnell.“

„Du weißt mehr, als du mir sagst.“

Margaret atmete hörbar aus.

„Ich habe versprochen, eine Sache für mich zu behalten. Aber vielleicht ist es an der Zeit, dass du die Wahrheit erfährst.“

## Die Akte im alten Arbeitszimmer

Noch am selben Abend fuhr Adrian zum Anwesen seines Vaters.

Richard Cole lebte seit seinem Rückzug aus dem Vorstand zurückgezogen in einer großen Villa am Stadtrand. Als Adrian eintraf, saß er in seinem Arbeitszimmer und las die Zeitung.

„Du hättest anrufen können“, sagte Richard, ohne aufzusehen.

Adrian legte das Foto auf den Schreibtisch.

„Was geschah am 17. März?“

Richard betrachtete das Bild. Für einen winzigen Moment verschwand die Überheblichkeit aus seinem Gesicht.

Dann legte er die Zeitung beiseite.

„Wer hat dir das gegeben?“

„Das ist meine Frage.“

„Es gibt Dinge, die du nicht verstehst.“

„Dann erklär sie mir.“

Richard stand auf und ging zum Fenster.

„Nora war damals bei mir. Sie wollte, dass ich dir etwas ausrichte.“

Adrian spürte, wie sich sein Magen zusammenzog.

„Was?“

„Sie wollte, dass du deine Beteiligung an einem neuen Projekt aufgibst. Sie behauptete, sie hätte Beweise dafür, dass einer unserer Geschäftspartner Geld veruntreute.“

Adrian runzelte die Stirn.

„Nora hatte damals überhaupt keinen Zugang zu unseren Geschäftsdokumenten.“

„Sie hatte eine Mappe dabei“, entgegnete Richard. „Sie sagte, sie würde damit an die Öffentlichkeit gehen, wenn wir das Projekt nicht stoppten.“

„Und du hast ihr gedroht?“

„Ich habe versucht, eine Katastrophe zu verhindern.“

Adrian schlug mit der flachen Hand auf den Tisch.

„Du hast ihr eingeredet, ich wollte sie nicht mehr sehen! Du hast sie mit Geld fortgeschickt, während sie mit meinen Kindern schwanger war!“

Richard schwieg.

Dieses Schweigen war schlimmer als jedes Geständnis.

„Wo ist der Vertrag?“, fragte Adrian.

„Es gibt keinen Vertrag, den du sehen müsstest.“

Adrian wandte sich zur Tür.

„Dann werde ich selbst danach suchen.“

„Adrian!“ Richard erhob die Stimme. „Wenn du diese Sache wieder aufrollst, gefährdest du nicht nur mich. Du gefährdest den Namen Cole.“

Adrian blieb stehen, ohne sich umzudrehen.

„Der Name Cole hat meine Familie bereits gefährdet.“

Dann ging er.

## Noras vergessene Mappe

Als Adrian nach Hause zurückkehrte, saß Nora im Wohnzimmer und faltete kleine Kleidungsstücke für die Zwillinge. Er erzählte ihr alles.