Und direkt daneben war mit einem schwarzen Stift eine kleine Markierung angebracht.
„Ich weiß nicht, wer das gemacht hat“, sagte sie. „Aber ich habe diese Markierung vorher noch nie gesehen.“
Ich betrachtete das Bild.
„Hast du die Polizei informiert?“
Sie nickte.
„Ja. Sie haben gesagt, ich soll nichts verändern und auf weitere Anweisungen warten.“
Rick stand plötzlich auf.
Seine Ohren richteten sich auf.
Er ging zur Küchentür und starrte in den Flur.
Helen verstummte.
„Was ist mit ihm?“
Ich hörte ebenfalls hin.
Zunächst war nichts zu hören.
Dann ertönte ein leises Geräusch.
Ein kurzes Klacken.
Es kam aus Richtung des Treppenhauses.
Rick gab ein tiefes Knurren von sich.
Ich nahm mein Telefon und rief die Polizei an.
Diesmal würde ich nicht warten, bis ich selbst etwas sah.
### Der zweite Fund
Zwei Beamte trafen wenige Minuten später ein.
Sie untersuchten den Flur und die Türen der Wohnungen, die im Notizbuch erwähnt worden waren.
Einer von ihnen bat Helen, ihre Wohnung vorerst nicht allein zu betreten.
Der andere ging mit mir zur Küche.
„Wir möchten uns noch einmal den Lüftungsschacht ansehen“, erklärte er. „Nicht, weil wir glauben, dass sich dort jemand befindet. Wir wollen sicherstellen, dass wirklich alle Zugänge verschlossen sind.“
Ich zeigte ihm die Stelle.
Das Metallgitter war inzwischen entfernt und durch eine provisorische Abdeckung ersetzt worden.
Der Beamte leuchtete mit seiner Taschenlampe in die Öffnung.
Dann hielt er plötzlich inne.
„Moment.“
Er winkte seinen Kollegen heran.
Beide betrachteten etwas im Inneren.
„Was ist dort?“, fragte ich.
„Ein Gegenstand.“
Einer der Beamten holte vorsichtig einen kleinen Stoffbeutel aus dem Schacht.
Darin befanden sich mehrere Schlüssel.
Einige waren alt und verrostet. Andere sahen neu aus.
Auf einem kleinen Anhänger stand die Nummer 3A.
Helen, die inzwischen in der Küche stand, presste eine Hand vor den Mund.
„Das ist meiner“, flüsterte sie.
Der Beamte nickte.
„Wir nehmen das mit und überprüfen es.“
Dann entdeckten sie noch etwas.
Eine kleine Karte mit mehreren handschriftlichen Notizen.
Auf ihr standen Wohnungsnummern, Namen und Uhrzeiten.
Der Beamte faltete das Papier zusammen.
„Wir müssen das mit dem Ermittlerteam besprechen.“
Ich sah zu Rick.
Er saß ruhig neben meinem Stuhl.
Zum ersten Mal seit Wochen knurrte er nicht.
Doch ich wusste inzwischen, dass seine Ruhe nicht bedeutete, dass ich unaufmerksam sein durfte.
### Ein Name, den niemand erwartet hatte
Am nächsten Morgen rief Detective Harris erneut an.
Diesmal bat er mich, gemeinsam mit Helen zur Polizeistation zu kommen.
Wir sollten einige Fragen beantworten und möglicherweise Dokumente identifizieren.
Im Besprechungsraum lagen mehrere Fotos auf dem Tisch.
Der Detective erklärte, dass der Mann aus dem Lüftungsschacht bereits mit mehreren Einbrüchen in anderen Wohngebäuden in Verbindung gebracht worden war.
Doch dann zeigte er uns ein Bild.
Es war ein Foto aus dem Eingangsbereich unseres Gebäudes.
Darauf war ein Mann zu sehen, der eine dunkle Jacke trug und einen Werkzeugkoffer in der Hand hielt.
Helen beugte sich vor.
„Den kenne ich.“
Detective Harris nickte.
„Wissen Sie, wer das ist?“
Sie zögerte.
„Das ist Martin. Er hat früher gelegentlich kleinere Reparaturen im Gebäude erledigt.“
Ich sah den Detective an.
„Martin? Der Hausmeister?“
„Er war nicht offiziell als Hausmeister angestellt“, erklärte Harris. „Aber der Eigentümer hatte ihm gelegentlich Zugang zu den Technikräumen gegeben.“
Helen wurde noch blasser.
„Er war vor zwei Wochen bei mir. Er sagte, er müsse etwas an der Heizung überprüfen.“
Der Detective machte sich eine Notiz.
„Haben Sie ihn hereingelassen?“
„Ja. Ich dachte, er wäre geschickt worden.“
Ich spürte, wie sich mein Magen zusammenzog.
Der Mann, der sich in meinem Lüftungsschacht versteckt hatte, hatte offenbar nicht nur zufällig Zugang zum Gebäude gefunden.
Jemand hatte ihm möglicherweise Türen geöffnet.
Und dieser jemand könnte ein Gesicht sein, das wir alle kannten.
### Die Aufnahme aus dem Treppenhaus
Die Polizei forderte die Aufnahmen der Überwachungskameras an.
Zunächst schien alles normal.
Doch auf einer Aufnahme vom frühen Morgen war Martin zu sehen.
Er betrat das Gebäude mit einem Werkzeugkoffer.
Etwa zwanzig Minuten später verließ er es wieder.
Am selben Abend kehrte er zurück.
Diesmal trug er keinen Werkzeugkoffer.
Er ging direkt in Richtung des Treppenhauses.
Die Aufnahme zeigte nicht, was anschließend geschah.
Doch die Uhrzeit stimmte mit den Notizen im gefundenen Buch überein.
Detective Harris erklärte, dass Martin nun ebenfalls befragt werde.
Ich fragte:
„Glauben Sie, dass er dem anderen Mann geholfen hat?“
„Wir prüfen diese Möglichkeit. Aber wir werden keine voreiligen Schlüsse ziehen.“
Ich nickte.
Zum ersten Mal seit dem Beginn dieser Geschichte hatte ich das Gefühl, dass jemand die Dinge ernst nahm, die Rick und ich beobachtet hatten.
### Rick bekommt seine Ruhe zurück
In den folgenden Tagen wurde das Gebäude gründlich überprüft.
Der Eigentümer ließ sämtliche Zugänge zu den Versorgungsschächten sichern. Die Schlösser wurden ausgetauscht, und ein Fachunternehmen untersuchte die Hohlräume hinter den Küchenwänden.
Die Polizei bestätigte später, dass es keine Hinweise auf einen weiteren Eindringling in meiner Wohnung gab.
Popular Posts
→- 1
- 2
- 3
- 4
Recently Viewed
Stories you read recently will appear here.



