Er kam in jener Nacht nicht nur zum Stehlen.
Er wartete auf den richtigen Moment, um hinunterzuspringen.
Rick hatte den Mann seit der ersten Nacht über uns gehört.
Alle sagten, mein Hund sei verwirrt, gestresst oder verliere den Verstand.
Doch Rick erkannte die Gefahr lange vor mir.
Nachdem die Polizei gegangen war, setzte ich mich auf den Küchenboden und schlang meine Arme um ihn. Sein Körper entspannte sich endlich, und er legte seinen Kopf an meine Brust.
„Es tut mir leid, dass ich dir nicht geglaubt habe“, flüsterte ich.
Rick leckte mir einmal übers Gesicht und schloss die Augen.
Der Gebäudebesitzer versiegelte den Schacht dauerhaft und installierte neue Schlösser am Dachzugang. Der Einbrecher wurde später mit mehreren Diebstählen in nahegelegenen Gebäuden in Verbindung gebracht und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.
Ich habe mir ein neues Armband als Ersatz für das gestohlene gekauft und alle Schlösser in der Wohnung ausgetauscht, aber den schiefen Lüftungsschacht habe ich immer noch nicht beseitigt.
Ich habe es als Souvenir in einer Schachtel versteckt.
Nicht der Mann, der sich über mir versteckte – sondern der treue Hund, der Nacht für Nacht so hoch wie möglich kletterte und verzweifelt versuchte, mich zu warnen, dass die Gefahr bereits in meinem Haus lauerte.
# Drei Wochen lang warnte mein Hund Rick mich vor etwas, das sich über meiner Küche versteckte – die Polizei fand schließlich einen Eindringling im Lüftungsschacht, doch als die Ermittler sein Notizbuch öffneten, entdeckten sie, dass meine Wohnung nicht sein einziges Ziel gewesen war …
## Teil 2 – Rick hatte mich gerettet, aber das Geheimnis im Notizbuch war noch lange nicht gelöst
Ich dachte, mit der Festnahme des Mannes wäre alles vorbei.
Ich dachte, ich könnte endlich wieder ruhig schlafen, ohne bei jedem Knacken der Heizung zusammenzuzucken oder bei jedem Geräusch aus der Küche nach oben zu starren.
Doch ich hatte mich geirrt.
Denn drei Tage nach dem Polizeieinsatz erhielt ich einen Anruf, der alles veränderte.
Es war kurz nach neun Uhr morgens. Rick lag auf seinem Lieblingsplatz neben dem Fenster, als mein Telefon klingelte.
Eine unbekannte Nummer.
Normalerweise hätte ich nicht abgenommen. Doch irgendetwas sagte mir, dass ich es tun sollte.
„Guten Morgen, spreche ich mit der Bewohnerin aus Wohnung 4B?“
„Ja. Wer ist da?“
„Hier ist Detective Harris. Wir haben uns vor einigen Tagen bei Ihnen in der Wohnung getroffen.“
Ich setzte mich sofort auf.
„Ist etwas passiert?“
Am anderen Ende herrschte eine kurze Pause.
„Wir haben bei der Auswertung der Gegenstände des Verdächtigen etwas gefunden, das Sie wissen sollten.“
Mein Blick wanderte automatisch zur Küchendecke.
„Was denn?“
„Es geht um sein Notizbuch. Darin befinden sich Aufzeichnungen über mehrere Wohnungen in Ihrem Gebäude. Ihre Wohnung war offenbar nicht sein einziges Ziel.“
Ich spürte, wie mir kalt wurde.
„Wie viele Wohnungen?“
„Mindestens sechs. Wir überprüfen gerade die Einträge.“
Ich blickte zu Rick.
Er hatte den Kopf gehoben und beobachtete mich.
„Was bedeutet das?“, fragte ich.
„Wir glauben, dass der Mann schon länger Zugang zu verschiedenen Bereichen des Gebäudes hatte. Außerdem fanden wir Hinweise darauf, dass er möglicherweise nicht allein gearbeitet hat.“
Ich schwieg.
Dann fragte ich:
„Gibt es noch jemanden im Haus?“
„Das können wir derzeit nicht bestätigen. Wir möchten Sie aber bitten, vorerst besonders vorsichtig zu sein und uns zu informieren, falls Ihnen etwas Ungewöhnliches auffällt.“
Als das Gespräch endete, blieb ich lange mit dem Telefon in der Hand sitzen.
Rick kam zu mir und legte seinen Kopf auf mein Knie.
„Du hast es wieder gewusst, nicht wahr?“, flüsterte ich.
### Die Nachbarin aus Wohnung 3A
Am Nachmittag klopfte es an meiner Tür.
Es war Helen, meine Nachbarin aus Wohnung 3A.
Sie war Anfang sechzig, lebte allein und brachte mir manchmal selbst gebackene Kekse vorbei. Wir kannten uns seit fast vier Jahren.
Doch an diesem Tag sah sie völlig anders aus.
Ihr Gesicht war blass, und sie hielt ihre Handtasche so fest, als hätte sie Angst, jemand könnte sie ihr wegnehmen.
„Hast du einen Moment?“, fragte sie.
„Natürlich. Komm rein.“
Sie blieb zunächst im Eingangsbereich stehen und blickte zu Rick.
Der Hund erhob sich langsam.
„Ist er gefährlich?“, fragte sie unsicher.
„Nein. Er ist normalerweise sehr freundlich.“
Helen sah ihn lange an.
„Dann hat er wahrscheinlich mehr bemerkt als wir alle.“
Ich führte sie in die Küche.
Als sie sich setzte, bemerkte ich, dass ihre Hände zitterten.
„Was ist los?“
Sie atmete tief durch.
„Die Polizei hat mich heute Morgen angerufen. Sie wollten wissen, ob mir in den vergangenen Wochen etwas aufgefallen ist.“
„Und?“
Helen blickte auf ihre Handtasche.
„Ich habe ihnen erzählt, dass mein Ersatzschlüssel verschwunden ist.“
Mein Herz begann schneller zu schlagen.
„Wann?“
„Vor ungefähr zwei Wochen. Ich dachte, ich hätte ihn verlegt. Aber gestern habe ich etwas entdeckt.“
Sie öffnete ihre Tasche und zog einen kleinen Umschlag heraus.
Darin lag ein Foto.
Es zeigte ihre Wohnungstür.
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