Sie sprang aus dem Bett, strich die Decke glatt und kontrollierte hastig, ob sie etwas beschädigt oder verschoben hatte. Anschließend nahm sie ihre Schuhe und wollte gerade das Zimmer verlassen.
In diesem Augenblick öffnete sich die Tür.
Lord Rashid stand davor.
Neben ihm befanden sich der Haushaltsleiter und zwei weitere Angestellte.
Amina erstarrte. Ihre Hände begannen zu zittern.
„Guten Morgen, Sir“, brachte sie kaum hörbar hervor.
Rashid antwortete zunächst nicht.
„Es tut mir schrecklich leid“, fuhr sie hastig fort. „Ich wollte Sie keinesfalls respektlos behandeln. Ich war gestern Abend mit der Reinigung fertig und wollte mich wirklich nur für einen Moment hinsetzen. Ich weiß, dass ich das nicht hätte tun dürfen. Bitte, Sir, geben Sie mir eine Chance. Ich werde so etwas niemals wieder tun.“
Sie senkte den Kopf.
In Gedanken sah sie bereits ihre Entlassung vor sich. Sie dachte an ihre Mutter, an die Medikamente, die jeden Monat bezahlt werden mussten, und an ihren kleinen Bruder, dessen Schulgeld sie unterstützte.
Sie durfte diese Arbeit nicht verlieren.
Doch Rashid stellte eine Frage, mit der sie überhaupt nicht gerechnet hatte.
„Haben Sie gut geschlafen, Amina?“
Sie hob langsam den Kopf.
„Wie bitte, Sir?“
„Ich habe gefragt, ob Sie gut geschlafen haben.“
Amina wusste nicht, was sie antworten sollte.
„Ja, Sir. Aber das ist nicht wichtig. Ich hätte mich niemals in Ihr Bett legen dürfen.“
Rashid verschränkte die Arme und betrachtete sie nachdenklich.
„Wissen Sie, was mich heute Morgen wirklich beschäftigt?“
Amina schüttelte nervös den Kopf.
„Nicht die Tatsache, dass Sie in meinem Bett eingeschlafen sind. Sondern die Frage, warum eine junge Frau, die den ganzen Tag dafür arbeitet, dass andere Menschen es bequem haben, so erschöpft sein muss, dass sie mitten in der Nacht an einem fremden Ort einschläft.“
Niemand im Raum sagte ein Wort.
Der Haushaltsleiter räusperte sich schließlich.
„Sir, wenn Sie möchten, können wir den Vorfall selbstverständlich als Verstoß gegen die Hausordnung dokumentieren. Ein Mitarbeiter darf sich nicht einfach in Ihren privaten Räumen aufhalten.“
Rashid drehte langsam den Kopf zu ihm.
„Das ist also Ihre größte Sorge? Die Hausordnung?“
„Natürlich nicht, Sir. Ich wollte lediglich darauf hinweisen, dass …“
„Dann erklären Sie mir bitte, warum eine Mitarbeiterin so lange arbeiten musste, dass sie vor Erschöpfung kaum noch die Augen offen halten konnte.“
Der Haushaltsleiter wurde sichtlich nervös.
„Sie hat sich lediglich kurz hingelegt, Sir. Sie ist nicht zusammengebrochen.“
„Und Sie finden das normal?“
Wieder herrschte Schweigen.
Rashid wandte sich an Amina.
„Bitte setzen Sie sich.“
„Sir, ich muss meine Aufgaben erledigen.“
„Heute nicht. Sie werden jetzt frühstücken und sich ausruhen.“
„Aber die Küche muss vorbereitet werden, und die Gästezimmer …“
„Amina.“
Sie verstummte.
„Das Haus wird auch ohne Sie für einige Stunden sauber bleiben.“
Zum ersten Mal seit langer Zeit wusste Amina nicht, was sie sagen sollte.
—
## Die Unterlagen, die Rashid wütend machten
Nach dem Frühstück ließ Rashid den Haushaltsleiter in sein Arbeitszimmer kommen.
Auf dem großen Schreibtisch lagen bereits mehrere Ordner. Darin befanden sich die Dienstpläne, Arbeitszeitlisten und Berichte des Personals aus den vergangenen drei Monaten.
Rashid begann, die Unterlagen sorgfältig durchzusehen.
Zunächst schien alles in Ordnung zu sein. Doch je länger er las, desto deutlicher wurden die Unregelmäßigkeiten.
Amina hatte an mehreren Tagen deutlich länger gearbeitet als vereinbart. Auch andere Mitarbeiter hatten regelmäßig zusätzliche Aufgaben übernommen. In einigen Fällen waren ihre Pausenzeiten nicht dokumentiert worden. Andere hatten kurzfristig freie Tage abgesagt, weil angeblich zu wenig Personal zur Verfügung stand.
Besonders auffällig war, dass mehrere Beschwerden zwar schriftlich eingereicht, aber offenbar nie an Rashid weitergeleitet worden waren.
Er legte einen Ordner zur Seite.
„Warum habe ich davon nichts erfahren?“
Der Haushaltsleiter stand vor seinem Schreibtisch und rang nach einer Erklärung.
„Sir, ich wollte Sie nicht mit alltäglichen Personalangelegenheiten belasten. Sie führen große Geschäfte und besitzen mehrere Anwesen. Ich dachte, es sei besser, wenn ich solche Dinge selbst regle.“
„Sie regeln sie also, indem Sie die Mitarbeiter immer länger arbeiten lassen?“
„So war das nicht gemeint.“
Rashid schob ihm eine Liste über den Tisch.
„Hier steht, dass Amina an einem einzigen Tag mehrere zusätzliche Bereiche reinigen musste. Und hier steht, dass zwei andere Angestellte ihre Pause nicht nehmen konnten. Warum?“
Der Mann schwieg.
Rashid lehnte sich zurück.
„Menschen, die für mich arbeiten, sind keine Gegenstände. Sie sind keine Maschinen, die man einfach weiterlaufen lässt, bis sie nicht mehr funktionieren.“
Seine Stimme wurde etwas lauter.
„Ich bezahle Sie dafür, dass Sie dieses Anwesen ordentlich führen. Dazu gehört auch, dass die Menschen, die hier arbeiten, mit Respekt behandelt werden.“
Der Haushaltsleiter senkte den Kopf.
„Ich verstehe, Sir.“
„Das hoffe ich. Ab heute werden alle Dienstpläne überprüft. Überstunden müssen korrekt erfasst und ausgeglichen werden. Jeder Mitarbeiter bekommt seine vorgeschriebenen Pausen. Und wenn jemand krank ist, wird eine vernünftige Vertretung organisiert.“
„Selbstverständlich, Sir.“
„Außerdem möchte ich mit einigen Mitarbeitern persönlich sprechen. Nicht nur mit Ihnen.“
Der Haushaltsleiter nickte langsam.
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