„Können Sie mir zeigen, wer dieser Mann war?“, fragte Victor schnell.

Sofia blickte die Leibwächter an, die in der Nähe der Tür standen, und zeigte plötzlich mit dem Finger auf Mark.

„Er war es. Aber er trug damals eine andere Jacke.“

Das Gesicht des Leibwächters wurde augenblicklich kreidebleich.

„Chef, das muss ein Irrtum sein! Sie glauben doch nicht etwa einem kleinen Kind?!“

Victor hatte jedoch bereits bemerkt, wie stark die Hände seines Assistenten zitterten.

Er befahl dem zweiten Leibwächter, die Aufnahmen der Überwachungskameras in der Nähe der Umkleidekabine zu überprüfen.

Zehn Minuten später bestätigten sich ihre Befürchtungen.

 

Die Aufnahmen zeigten deutlich, wie Mark das Zimmer seines Chefs betrat, einen kleinen Gegenstand aus seiner Tasche nahm und ihn in seiner Krawatte versteckte.

Angesichts der erdrückenden Beweislage gestand der Mann, dass er mehrere Monate lang heimlich für Victors Feinde gearbeitet hatte.

Seine Mission war es, ein für den Abend geplantes Gespräch mit einflussreichen Geschäftspartnern aufzuzeichnen und die Aufnahme Victors Rivalen zukommen zu lassen. Diese planten, die Informationen zu nutzen, um einen Hinterhalt zu organisieren und Morettis gesamte Organisation zu zerstören.

Victor schwieg lange und starrte den Mann an, dem er sein eigenes Leben anvertraut hatte.

Dann befahl er seinen Männern, den Verräter festzunehmen und seinen Anwalt anzurufen.

Nachdem Mark abgeführt worden war, wandte sich Victor an Sofia.

„Ist dir eigentlich klar, dass du mir heute das Leben gerettet hast?“

Das kleine Mädchen zuckte schüchtern mit den Schultern.

„Ich wollte einfach nicht, dass dieser böse Mann dich hereinlegt.“

Victor lächelte zum ersten Mal seit vielen Jahren. Dann holte er ein Scheckheft aus der Tasche und reichte es der Mutter des Mädchens.

„Claire, von heute an brauchst du dir nie wieder Sorgen um Geld zu machen. Ich werde die Ausbildung deiner Tochter bezahlen, egal wie teuer sie ist.“

Die Frau brach in Tränen aus, unfähig zu glauben, was sie soeben gehört hatte.

Victor betrachtete die zerschnittene Krawatte und sagte leise:

„Mein ganzes Leben lang wurde ich von bewaffneten Männern beschützt, denen ich Unsummen an Geld bezahlt habe. Doch im gefährlichsten Moment wurde mein Leben von einem sechsjährigen Mädchen gerettet, dem ich nicht einmal erlaubt hätte, diesen Raum zu betreten.“

# 😱 TEIL 2: „DER MAFIA-BOSS WOLLTE DAS KLEINE MÄDCHEN FÜR IHREN MUT BEL0HNEN – DOCH ALS EIN UNBEKANNTER MANN AM NÄCHSTEN MORGEN VOR IHRER TÜR STAND UND NACH SOFIA FRAGTE, ERKANNTE VICTOR, DASS DER VERRAT VIEL WEITER REICHTE, ALS ER GEDACHT HATTE!“

Victor hatte Claire und Sofia versprochen, sich um ihre Zukunft zu kümmern. Doch Claire nahm den Scheck nicht sofort an.

„Herr Moretti, ich danke Ihnen von ganzem Herzen. Aber ich möchte nicht, dass meine Tochter wegen dieser Sache in Schwierigkeiten gerät.“

Victor betrachtete sie einen Augenblick.

„Das wird sie nicht. Sofia hat nichts falsch gemacht. Und ich werde dafür sorgen, dass sie nie wieder in eine solche Situation gerät.“

Dann kniete er sich vor das kleine Mädchen.

„Sofia, du hast heute etwas sehr Mutiges getan. Aber versprich mir eines: Wenn du jemals wieder etwas Verdächtiges bemerkst, gehst du sofort zu deiner Mutter oder einem anderen Erwachsenen. Du versuchst nicht, selbst einzugreifen. Verstanden?“

Sofia nickte ernst.

„Versprochen.“

Victor lächelte kurz.

Anschließend ließ er Claire und Sofia von einem Fahrer nach Hause bringen. Die Besprechung für diesen Abend wurde abgesagt. Stattdessen sollte sein Anwalt die Angelegenheit gemeinsam mit den zuständigen Behörden untersuchen.

Doch Victor konnte die Ereignisse nicht vergessen.

Mark war nicht irgendein Angestellter gewesen. Er hatte jahrelang an seiner Seite gearbeitet. Wenn ausgerechnet dieser Mann ihn verraten hatte, wem konnte Victor dann überhaupt noch vertrauen?

***

Am nächsten Morgen klingelte es bei Claire.

Sie öffnete die Tür und sah einen elegant gekleideten Mann vor sich. Er hielt einen braunen Umschlag in der Hand.

„Guten Morgen. Ich suche Claire.“

„Das bin ich. Wer sind Sie?“

„Mein Name ist Thomas. Ich muss mit Ihnen über Sofia sprechen.“

Claire wurde sofort misstrauisch.

„Was wollen Sie von meiner Tochter?“

Der Mann hob beruhigend die Hände.

„Keine Sorge. Ich möchte ihr nichts Böses. Es geht um eine Frau, die ich vor vielen Jahren gekannt habe.“

In diesem Moment kam Sofia aus dem Wohnzimmer.

„Mama, wer ist das?“

Thomas sah das Kind an und schien für einen Augenblick seine Worte zu verlieren.

„Du bist also Sofia.“

Claire stellte sich schützend vor ihre Tochter.

„Bitte erklären Sie endlich, worum es geht.“

Thomas öffnete den Umschlag und zog ein altes Foto heraus.

Darauf waren zwei Frauen vor einem großen Haus zu sehen. Eine von ihnen war Claire sofort vertraut.

„Das ist meine Mutter“, flüsterte sie.

„Ja“, antwortete Thomas. „Und die Frau neben ihr ist Elena Moretti.“

Claire starrte auf das Bild.

Elena war Victors jüngere Schwester gewesen. Vor zwölf Jahren war sie plötzlich aus dem Leben ihrer Familie verschwunden. Niemand in der Villa sprach gern über sie.

„Warum zeigen Sie mir dieses Foto?“, fragte Claire.

Thomas atmete tief durch.