„Du wirst dafür bezahlt, zu tun, was ich dir sage!“

Viktor blickte kurz zu Mia.

„Sie hat mich nicht provoziert. Sie hat mich nicht angegriffen. Und sie hat nicht einmal versucht, sich zu wehren.“

Der Boss lachte verächtlich.

„Seit wann entscheidest du, gegen wen du antrittst?“

„Seit ich verstanden habe, dass hier jemand seine Macht missbraucht.“

Ein Raunen ging durch den Raum.

Der Mafia-Boss zeigte auf die Leibwächter.

„Holt ihn aus dem Ring! Und diese Frau bleibt hier, bis ich entschieden habe, was mit ihr passiert.“

Doch niemand bewegte sich sofort.

Denn plötzlich erklang eine Stimme aus der hinteren Ecke des Clubs.

„Wenn Sie das tun, wird die Polizei nicht Ihre einzige Sorge sein.“

Alle drehten sich um.

Eine junge Frau in einem dunklen Mantel stand neben dem Eingang. In ihrer Hand hielt sie einen kleinen Ausweis.

Mia erkannte sie sofort.

Es war Clara, ihre ältere Schwester.

### Die Frau, die der Boss nicht erwartet hatte

Clara ging langsam durch den Raum.

„Mia, bist du verletzt?“

Mia schüttelte den Kopf.

„Nein. Aber ich möchte hier weg.“

Clara nickte und wandte sich an den Mafia-Boss.

„Mein Name ist Clara Hartmann. Und ich bin nicht zufällig hier.“

Der Boss musterte sie.

„Noch eine Hartmann? Was für ein interessanter Abend.“

Clara zeigte ihm ihren Ausweis.

„Ich arbeite mit einer Ermittlungsgruppe zusammen, die sich seit Monaten mit den illegalen Aktivitäten dieses Clubs beschäftigt.“

Die Gäste begannen unruhig zu werden.

Einige standen auf. Andere griffen nach ihren Mänteln.

Der Boss blieb jedoch sitzen.

„Sie glauben, ein Ausweis reicht aus, um mich einzuschüchtern?“

„Nein“, antwortete Clara. „Aber vielleicht interessiert Sie, dass wir nicht erst seit heute wissen, was hier geschieht.“

Sie legte eine Mappe auf einen nahe gelegenen Tisch.

Darin befanden sich Unterlagen, Fotos und Aufzeichnungen über die Geschäfte des Clubs.

Der Boss sah die Mappe an.

Dann blickte er zu Mia.

„Du hast das alles geplant.“

Mia schüttelte den Kopf.

„Nein. Ich wusste nicht einmal, dass meine Schwester heute hier sein würde.“

Clara erklärte, dass Mia tatsächlich nur als Kellnerin gearbeitet hatte. Sie selbst hatte jedoch bereits seit längerer Zeit Hinweise auf die Vorgänge im Club gesammelt.

Dass Mia ausgerechnet an diesem Abend in den Ring gezwungen worden war, hatte niemand vorhersehen können.

Doch der Boss hatte einen entscheidenden Fehler gemacht.

Er hatte vor zahlreichen Zeugen eine junge Angestellte bedroht und seinen Kämpfer angewiesen, sie einzuschüchtern.

Und jetzt gab es Menschen im Raum, die bereit waren, darüber auszusagen.

### Die letzte Karte des Mafia-Bosses

Der Boss erhob sich langsam.

Sein Gesicht war rot vor Wut.

„Ihr glaubt wirklich, dass ihr mich mit ein paar Papieren zu Fall bringen könnt?“

Clara antwortete nicht.

Stattdessen nahm sie ihr Telefon heraus.

„Die zuständigen Behörden sind bereits informiert.“

Der Boss lachte.

Doch sein Lachen klang diesmal gezwungen.

„Ihr wisst nicht, mit wem ihr euch anlegt.“

Da trat der ältere Mann wieder nach vorne.

„Doch. Wir wissen es.“

Der Boss sah ihn überrascht an.

„Du?“

Der Mann nickte.

„Ich habe lange genug geschwiegen.“

Er stellte sich neben Clara und öffnete eine zweite Mappe.

Darin befanden sich alte Dokumente, die mit Daniel Hartmann verbunden waren.

Mia erkannte sofort die Handschrift ihres Vaters.

„Woher haben Sie das?“, fragte sie mit zitternder Stimme.

Der Mann sah sie traurig an.

„Dein Vater hat mir diese Unterlagen vor seinem Verschwinden anvertraut. Er wollte, dass sie eines Tages an dich gelangen.“

Mia nahm das erste Blatt.

Darauf stand ein Satz, den sie seit ihrer Kindheit nicht mehr gehört hatte:

**„Wenn du diese Zeilen liest, bedeutet das, dass die Wahrheit endlich ans Licht kommen kann.“**

Sie las weiter.

Ihr Vater hatte offenbar Beweise gesammelt, die eine Verbindung zwischen mehreren Unternehmen und dem geheimen Club belegten.

Doch es gab noch etwas.

Auf der letzten Seite stand der Name einer Person, die Mia niemals dort erwartet hätte.

**Der Name ihrer Mutter.**

### Eine Wahrheit, die alles verändert

Mia sah Clara an.

„Warum steht Mama auf diesem Dokument?“

Clara wurde blass.

„Ich wollte dir das eigentlich später erklären.“

„Später? Du wusstest davon?“

Ihre Schwester senkte den Blick.

„Ich wusste nur, dass sie damals Kontakt zu deinem Vater hatte. Ich wusste nicht, welche Rolle sie wirklich gespielt hat.“

Der Mafia-Boss begann plötzlich zu lächeln.

„Jetzt verstehst du vielleicht, warum du nicht einfach gehen solltest, Mia.“

Clara stellte sich sofort vor ihre Schwester.

„Sagen Sie kein Wort mehr.“

Doch der Boss deutete auf das Dokument.

„Dein Vater hat nicht alles erzählt. Deine Mutter war nicht nur eine Zeugin. Sie war diejenige, die damals die Unterlagen verschwinden ließ.“

Mia schüttelte den Kopf.

„Das glaube ich nicht.“

Der ältere Mann öffnete den Mund, sagte aber zunächst nichts.

Dann blickte er Mia direkt an.

„Es gibt noch einen Brief. Einen Brief, den dein Vater kurz vor seinem Verschwinden geschrieben hat.“

„Wo ist er?“, fragte Mia.

Der Mann antwortete:

„Bei deiner Mutter.“

In diesem Augenblick vibrierte Mias Telefon.