Teil 2 –
Der bullige Kämpfer blieb mitten im Ring stehen und betrachtete die junge Kellnerin mit einem überheblichen Grinsen.
Er war fast doppelt so breit wie sie. Seine Arme waren muskulös, seine Schultern gewaltig. Die Zuschauer hatten bereits begonnen, Wetten abzuschließen. Einige lachten, andere hielten ihre Telefone hoch, um den vermeintlich kurzen Kampf aufzunehmen.
Der Mafia-Boss lehnte sich entspannt in seinem Sessel zurück.
„Na los!“, rief er. „Zeig uns, ob du außer Tabletts tragen auch noch etwas anderes kannst!“
Die junge Frau antwortete nicht.
Sie stand mit gesenktem Kopf da. Ihre Hände zitterten noch immer, und eine Haarsträhne war ihr ins Gesicht gefallen.
Der Kämpfer kam näher.
„Du solltest lieber gleich aufgeben“, sagte er höhnisch. „Dann ist es vielleicht schneller vorbei.“
Doch plötzlich hob die Kellnerin den Blick.
„Wie heißen Sie?“, fragte sie ruhig.
Der Mann runzelte die Stirn.
„Was?“
„Ich habe gefragt, wie Sie heißen.“
Einige Gäste lachten.
„Er heißt Viktor!“, rief jemand aus dem Publikum. „Und er wird dich gleich auf den Boden schicken!“
Die junge Frau nickte langsam.
„Viktor. Gut.“
Dann sah sie zum Mafia-Boss.
„Und Sie? Haben Sie eigentlich schon einmal darüber nachgedacht, was passiert, wenn jemand Ihre Befehle nicht mehr aus Angst befolgt?“
Das Lachen verstummte.
Der Mafia-Boss stellte sein Glas ab.
„Du hast offenbar immer noch nicht verstanden, in welcher Lage du dich befindest.“
„Doch“, erwiderte sie. „Ich verstehe sie besser, als Sie glauben.“
### Das Geheimnis hinter ihrem ruhigen Blick
Der Kämpfer streckte die Hand aus und wollte sie einschüchtern.
Doch bevor er sie berühren konnte, wich die junge Frau einen Schritt zurück.
Sie betrachtete ihn aufmerksam.
Dann fiel ihr Blick auf seine rechte Schulter.
„Sie haben Schmerzen“, sagte sie.
Viktor verzog das Gesicht.
„Was soll das heißen?“
„Sie bewegen Ihren rechten Arm anders als den linken. Und Sie versuchen, es zu verbergen.“
Der Mann lachte verächtlich.
„Du bist Kellnerin. Keine Ärztin.“
„Das stimmt“, antwortete sie. „Aber ich habe lange genug mit Menschen gearbeitet, die Schmerzen verbergen, um zu erkennen, wenn jemand nicht ganz fit ist.“
Der Mafia-Boss erhob sich.
„Genug geredet! Viktor, bring das zu Ende!“
Doch Viktor zögerte.
Zum ersten Mal an diesem Abend sah er nicht mehr ganz so selbstsicher aus.
Die Kellnerin bemerkte es.
„Sie müssen niemandem etwas beweisen“, sagte sie leise.
„Halt den Mund!“, knurrte er.
In diesem Moment ertönte ein schrilles Signal.
Die Tür des Clubs öffnete sich.
Ein älterer Mann in einem dunklen Anzug trat ein. Zwei Sicherheitsleute folgten ihm. Als er den Ring sah, blieb er abrupt stehen.
Sein Blick wanderte zur jungen Frau.
Dann wurde sein Gesicht kreidebleich.
„Nein …“, flüsterte er.
Der Mafia-Boss drehte sich genervt um.
„Was ist denn jetzt schon wieder?“
Der Neuankömmling ging langsam näher.
„Nehmen Sie sie sofort aus dem Ring.“
Der Boss lachte ungläubig.
„Du willst mir erklären, was ich in meinem eigenen Club zu tun habe?“
Der Mann antwortete nicht. Er sah nur die Kellnerin an.
„Wie ist Ihr Name?“, fragte er.
„Mia.“
„Mia … wie?“
Sie zögerte.
„Mia Hartmann.“
Der ältere Mann schloss kurz die Augen.
„Das kann nicht sein.“
### Ein Name, den niemand vergessen hatte
Der Mafia-Boss ging auf den Neuankömmling zu.
„Erklär mir sofort, was hier los ist.“
Der Mann schluckte.
„Diese junge Frau ist nicht diejenige, für die Sie sie halten.“
„Sie ist eine Kellnerin, die meine Jacke ruiniert hat.“
„Nein“, sagte der Mann. „Sie ist die Tochter von Daniel Hartmann.“
Bei diesem Namen veränderte sich die Atmosphäre im Raum.
Einige der älteren Gäste tauschten erschrockene Blicke aus.
Der Mafia-Boss wurde still.
Daniel Hartmann war vor vielen Jahren ein angesehener Mann gewesen. Er hatte zahlreiche Geschäfte geführt und war für seine Verbindungen zu verschiedenen einflussreichen Persönlichkeiten bekannt gewesen.
Doch eines Tages war er plötzlich verschwunden.
Seine Unternehmen wurden verkauft, seine Konten eingefroren, und seine Familie zog sich vollständig aus der Öffentlichkeit zurück.
Der Mafia-Boss kannte diesen Namen.
Mehr noch: Er hatte jahrelang versucht, herauszufinden, was damals wirklich geschehen war.
„Du willst mir erzählen, dass diese Kellnerin seine Tochter ist?“, fragte er schließlich.
Der ältere Mann nickte.
„Ich habe sie vor vielen Jahren gesehen. Sie hat dieselben Augen wie ihr Vater.“
Mia atmete tief durch.
„Ich wollte nicht, dass jemand meinen Namen kennt.“
Der Boss lächelte kalt.
„Dann hättest du dir vielleicht einen anderen Arbeitsplatz suchen sollen.“
Mia sah ihn direkt an.
„Ich habe mich hier beworben, weil ich arbeiten muss. Nicht, weil ich jemanden beeindrucken oder mich in Ihre Angelegenheiten einmischen möchte.“
„Und trotzdem stehst du jetzt mitten in meinem Ring.“
„Weil Sie es so befohlen haben.“
Diese Antwort brachte einige Zuschauer zum Schweigen.
### Der Kämpfer trifft eine unerwartete Entscheidung
Viktor stand noch immer auf der anderen Seite des Rings.
Er hatte die ganze Unterhaltung verfolgt.
Schließlich hob er eine Hand.
„Ich kämpfe nicht gegen sie.“
Der Mafia-Boss fuhr herum.
„Was hast du gerade gesagt?“
„Ich habe gesagt, dass ich nicht gegen sie kämpfe.“
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