Doch bevor er antworten konnte, stand Andrei auf.

„Nein. Niemand wird heute wegen eines Hinweises entlassen, den wir ernst nehmen müssen.“

Er sah Anna an.

„Zunächst möchte ich mich bei Ihnen entschuldigen. Was Ihnen passiert ist, war inakzeptabel.“

Dann wandte er sich an Liang.

„Und ich möchte wissen, ob Sie tatsächlich absichtlich das Glas umgestoßen haben.“

Liang schwieg.

### Die Aufnahme der Sicherheitskameras

Der Restaurantleiter rief den Sicherheitschef.

Da der Raum wegen des wichtigen Treffens besonders geschützt war, gab es eine Videoaufzeichnung des gesamten Bereichs.

Der Sicherheitschef bestätigte, dass die Aufnahme gesichert werden könne.

„Wir sollten sie gemeinsam mit den Verantwortlichen ansehen“, sagte Andrei.

Liang stand abrupt auf.

„Das ist lächerlich. Ich habe einen wichtigen Termin. Ich lasse mich nicht von einer Kellnerin und einem Hotelbesitzer kontrollieren.“

Doch keiner am Tisch lachte mehr.

Der Sicherheitschef erklärte ruhig, dass der Vorfall dokumentiert werde und Anna entscheiden könne, ob sie ihn offiziell melden wolle.

Anna nickte.

„Das möchte ich.“

Sie wollte weder Geld noch eine öffentliche Entschuldigung erzwingen. Sie wollte, dass festgehalten wurde, was geschehen war.

### Ein Angebot, mit dem sie nicht gerechnet hatte

Als die Gäste den Raum verließen, kam der chinesische Anwalt noch einmal auf Anna zu.

„Darf ich Sie etwas fragen?“

„Natürlich.“

„Haben Sie tatsächlich einen Abschluss in internationaler Wirtschaft?“

Anna nickte.

„Ja.“

„Und sprechen Sie neben Mandarin noch andere Sprachen?“

„Englisch und Deutsch.“

Der Anwalt tauschte einen Blick mit Andrei.

„Wir suchen seit einiger Zeit Unterstützung für unsere internationalen Geschäftsbeziehungen. Natürlich müsste man Ihre Qualifikationen prüfen. Aber hätten Sie grundsätzlich Interesse an einem Gespräch?“

Anna war sprachlos.

Zwei Jahre lang hatte sie geglaubt, ihr Studium sei nur noch eine Erinnerung an ein Leben, das sie hatte aufgeben müssen.

„Ich müsste zuerst mit meiner Mutter sprechen“, sagte sie schließlich. „Ihre Behandlung hat für mich weiterhin Priorität.“

Andrei lächelte.

„Das ist verständlich. Und falls Sie möchten, können wir auch über flexible Arbeitszeiten sprechen.“

Anna bedankte sich, ohne sofort etwas zu versprechen.

### Doch dann kam Liang zurück

Anna wollte gerade in den Personalraum gehen, um ihre Uniform zu wechseln, als sie Schritte hinter sich hörte.

Liang stand im Flur.

Sein Gesicht war angespannt.

„Sie glauben also, Sie haben gewonnen?“

Anna drehte sich um.

„Ich habe keinen Wettbewerb begonnen.“

„Wegen Ihnen steht ein Geschäft über 620 Millionen Euro auf der Kippe.“

„Nein“, antwortete Anna. „Wenn der Vertrag korrekt ist, wird er die Prüfung bestehen. Wenn nicht, dann war es richtig, dass niemand ihn heute unterschrieben hat.“

Liang trat einen Schritt zurück.

Zum ersten Mal an diesem Abend fand er keine passende Antwort.

Anna nahm ihre Tasche.

„Guten Abend, Herr Liang.“

Dann ging sie.

Doch als sie am nächsten Morgen ihr Handy einschaltete, wartete eine Nachricht auf sie.

Sie kam von einer unbekannten Nummer.

**„Frau Anna, hier ist der Anwalt von Herrn Liang. Wir müssen dringend mit Ihnen sprechen. Bei der Überprüfung der Dokumente ist etwas aufgetaucht, das weit über einen einfachen Übersetzungsfehler hinausgeht.“**

Anna las die Nachricht zweimal.

Darunter stand ein zweiter Satz:

**„Und Herr Liang weiß offenbar, dass Sie etwas bemerkt haben, das niemals ans Licht kommen sollte.“** 😳

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