Er hatte geglaubt, die Probleme mit seiner Frau hätten erst vor wenigen Monaten begonnen. Doch dieses Bild deutete darauf hin, dass die beiden sich schon viel länger kannten.
Er rief sofort seinen Anwalt an und übergab ihm die gefundenen Gegenstände, damit sie ordnungsgemäß an die Ermittler weitergeleitet werden konnten.
***
Am nächsten Tag erhielt Daniel eine weitere Nachricht von der Polizei.
Martin war zu einer Befragung erschienen.
Zunächst hatte er behauptet, Emma nur geschäftlich gekannt zu haben. Doch die Überweisungen und Nachrichten passten nicht zu seiner Aussage.
Schließlich räumte er ein, dass Emma ihn um Geld gebeten hatte. Er habe ihr geholfen, ihre Schulden zu begleichen, und dafür eine Beteiligung an einem angeblichen Geschäft erwartet.
Von einem Plan, Daniel zu schaden, wollte er nichts gewusst haben.
Die Ermittlungen waren noch nicht abgeschlossen.
Daniel wusste, dass er nicht vorschnell urteilen durfte. Doch eine Frage ließ ihn nicht los:
Warum hatte Emma ihm so lange etwas vorgespielt?
***
Eine Woche später erhielt Daniel die Erlaubnis, seiner Frau eine Nachricht über ihren Anwalt zukommen zu lassen.
Er schrieb nur einen Satz:
**„Warum hast du Max die Schuld gegeben, obwohl du wusstest, dass er nur auf dich reagierte?“**
Zwei Tage später kam die Antwort.
Emma schrieb, sie habe gehofft, Daniel würde den Hund aus dem Haus bringen. Dann hätte niemand mehr ihre Handlungen beobachtet oder hinterfragt.
Daniel las den Satz mehrmals.
Plötzlich verstand er, dass Max nicht nur ein zufälliger Zeuge gewesen war. Seine Reaktionen hatten Emma offenbar gestört, weil sie nicht kontrollieren konnte, wie der Hund auf sie reagierte.
Daniel legte das Handy weg.
Er wollte keine weiteren Erklärungen von ihr hören. Die rechtlichen Fragen sollten die Behörden klären.
***
Einige Wochen später saß Daniel mit Max beim Tierarzt.
Der Arzt hatte den Hund noch einmal gründlich untersucht und bestätigte, dass er körperlich gesund war. Außerdem empfahl er Daniel, Max nach den belastenden Ereignissen langsam wieder an seinen gewohnten Alltag zu gewöhnen.
„Tiere können auf Veränderungen und belastende Erfahrungen sehr unterschiedlich reagieren“, erklärte der Tierarzt. „Geben Sie ihm Zeit und bestrafen Sie ihn nicht für seine Reaktionen.“
Daniel nickte.
„Das werde ich nicht.“
Auf dem Rückweg hielt er an einem Park an. Max lief fröhlich über die Wiese und holte seinen Ball zurück.
Daniel sah ihm eine Weile zu.
Dann sagte er leise:
„Du musst mich nicht mehr warnen, mein Freund. Ich werde jetzt besser aufpassen.“
Doch als er später nach Hause kam, lag ein Brief im Briefkasten.
Kein Absender.
Nur sein Name.
Daniel öffnete den Umschlag und fand darin ein einzelnes Blatt Papier.
Darauf stand:
**„Emma war nicht die Einzige, die wusste, was in deinen Getränken war. Frag deinen Bruder, warum er dich in den letzten Monaten so oft zum Arzt gebracht hat.“**
Daniel erstarrte.
Sein Bruder Paul hatte ihn tatsächlich mehrfach zu Arztterminen begleitet. Damals hatte Daniel geglaubt, Paul wolle ihm einfach helfen.
Er nahm sofort sein Handy und rief ihn an.
„Paul, ich muss dich etwas fragen. Hast du in letzter Zeit irgendetwas über Emma gewusst?“
Am anderen Ende blieb es lange still.
Dann hörte Daniel seinen Bruder tief seufzen.
„Daniel … ich wollte dir das schon vor Wochen sagen.“
Daniel richtete sich auf.
„Was wolltest du mir sagen?“
Paul antwortete mit zitternder Stimme:
„Ich habe Emma einmal mit einem Mann gesehen. Aber das Schlimmste ist nicht, dass sie mit ihm zusammen war.“
„Was dann?“
„Der Mann war nicht Martin. Es war jemand, den du jeden Tag gesehen hast. Jemand, dem du vollkommen vertraut hast.“
Daniel blickte langsam zu Max, der neben ihm auf dem Teppich lag.
Dann fiel ihm ein Name ein.
Und plötzlich verstand er, warum der anonyme Brief ausgerechnet jetzt gekommen war.
**Denn der Mann, den Paul meinte, war Daniels langjähriger Hausarzt – derselbe Arzt, der damals behauptet hatte, seine Beschwerden seien nur auf Stress zurückzuführen.**
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