„Das ist möglich. Aber wir haben keine bestätigten Ergebnisse, die einen Zusammenhang belegen. Ich lasse die Einsatzberichte und die gesicherten Proben überprüfen.“

Alex sah durch das Fenster auf den grauen Himmel.

„Bitte tun Sie das. Wenn es eine Verbindung gibt, müssen wir herausfinden, was passiert ist.“

„Das werden wir. Und Alex?“

„Ja?“

„Mach dir keine Vorwürfe, bevor wir die Fakten kennen. Du hast mit Rex nach den geltenden Verfahren gearbeitet.“

Alex bedankte sich und legte auf.

Er wollte ihm glauben.

Aber in seinem Kopf tauchten immer wieder Bilder aus der Lagerhalle auf: die staubigen Böden, die beschädigten Kisten und Rex, der damals plötzlich länger als gewöhnlich an einer Ecke geschnuppert hatte.

Hätte er etwas bemerken müssen?

Hätte er den Einsatz früher abbrechen sollen?

Er wusste, dass solche Fragen im Moment keine Antworten hatten.

Doch er konnte sie nicht einfach abschalten.

—

## Die Tür öffnet sich

Es war bereits Abend, als Dr. Elena endlich aus dem Operationsbereich kam.

Alex stand so schnell auf, dass sein Stuhl nach hinten rutschte.

„Bitte sagen Sie mir, dass er noch lebt.“

Die Ärztin sah ihn ernst an.

Dann nickte sie.

„Rex hat den Eingriff überstanden.“

Alex schloss die Augen.

Für einige Sekunden brachte er kein Wort heraus.

„Wir konnten den Fremdkörper entfernen“, fuhr sie fort. „Er war tatsächlich metallisch. Wir haben ihn zur Untersuchung gesichert. Allerdings müssen wir noch klären, ob er allein für die schweren Symptome verantwortlich war. Rex bleibt vorerst unter intensiver Beobachtung.“

Alex wischte sich über das Gesicht.

„Kann ich ihn sehen?“

„Für kurze Zeit. Er wird noch sehr müde sein.“

Als Alex den Aufwachraum betrat, lag Rex unter einer warmen Decke. Eine Infusion versorgte ihn mit Flüssigkeit, und Geräte überwachten seine Werte.

Der Schäferhund sah kleiner aus als sonst.

Alex setzte sich neben ihn und legte eine Hand auf seine Brust.

„Du hast es geschafft, mein Freund.“

Rex öffnete langsam die Augen.

Er bewegte den Kopf ein wenig und suchte mit der Nase nach Alex’ Hand.

Dann legte er seine Schnauze hinein.

Alex beugte sich zu ihm.

„Ich dachte, ich müsste dich heute verlieren.“

Rex antwortete nicht. Er konnte nicht sprechen und musste es auch nicht.

Seine warme Nase in Alex’ Hand genügte.

Zum ersten Mal an diesem Tag konnte Alex wieder frei atmen.

Doch Dr. Elena hatte recht: Die Geschichte war noch nicht zu Ende. Rex musste sich erholen, und die Ursache des Fremdkörpers blieb ungeklärt.

—

## Die kleine Metallkapsel

Am nächsten Morgen erhielt Alex einen Anruf von der Polizei.

Die erste Untersuchung des entfernten Gegenstands hatte ergeben, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Metallsplitter handelte. Es war ein kleines, teilweise beschädigtes Metallgehäuse, dessen genaue Herkunft noch untersucht werden musste.

Der Fund allein bewies nicht, wie es in Rex’ Körper gelangt war.

Doch ein Ermittler hatte eine weitere Beobachtung gemacht.

In der Lagerhalle, in der Rex einige Wochen zuvor eingesetzt worden war, waren mehrere ähnliche Metallgehäuse registriert worden. Sie stammten offenbar von einem technischen Gerät, das dort vor der Durchsuchung gelagert worden war.

„Wir prüfen jetzt, ob das Fundstück zu diesen Teilen passt“, erklärte der Ermittler. „Außerdem untersuchen wir, ob die beschädigten Behälter und die mögliche chemische Belastung mit dem Fall zusammenhängen.“

Alex hielt das Telefon fester.

„Könnte jemand Rex absichtlich geschadet haben?“

„Das können wir derzeit weder bestätigen noch ausschließen. Wir behandeln es als offene Frage und sichern alle relevanten Beweise.“

Nach dem Gespräch blieb Alex lange sitzen.

Er wollte nicht glauben, dass jemand seinem Hund absichtlich etwas angetan hatte. Doch er durfte auch nicht zulassen, dass seine Gefühle die Ermittlungen bestimmten.

Als er später in die Klinik kam, war Rex wach.

Der Hund lag auf seiner Decke und hob den Kopf, als Alex den Raum betrat.

„Na, Partner“, sagte Alex und setzte sich neben ihn. „Du hast uns ganz schön auf Trab gehalten.“

Rex wedelte schwach.

Alex erzählte ihm, dass die Polizei den Fund untersuchte und dass er sich um den Rest kümmern würde.

Dann hielt er inne.

„Aber du musst nicht wieder arbeiten, nur weil du dich besser fühlst. Das entscheiden wir gemeinsam mit den Tierärzten. Deine Gesundheit kommt zuerst.“

Rex legte den Kopf wieder ab.

Und Alex blieb noch eine Weile bei ihm.

—

In den folgenden Tagen verbesserte sich Rex’ Zustand langsam. Die Tierärzte beobachteten seine Atmung, passten die Behandlung an und erklärten Alex, dass eine vollständige Genesung Zeit brauchen würde.

Der Hund konnte noch nicht aufstehen, doch er begann wieder, auf vertraute Stimmen zu reagieren. Wenn Alex den Raum betrat, bewegten sich seine Ohren. Manchmal hob er den Kopf, als wolle er nach seiner alten Leine suchen.

Alex brachte ihm stattdessen sein abgenutztes Stoffspielzeug mit.

Rex beschnupperte es und legte die Schnauze darauf.

„Keine Einsätze für dich“, sagte Alex. „Erst einmal nur Ruhe, gutes Futter und lange Nickerchen.“

Zum ersten Mal seit Tagen lachte er.

Doch am Abend erhielt er eine Nachricht von Kommissar Morozov.