„Ich werde dafür sorgen, dass du sicher bist. Ich werde die Hochzeit absagen, alle Unterlagen unabhängig prüfen lassen und die Polizei ihre Arbeit machen lassen.“
Martha betrachtete ihn lange.
„Und wenn du am Ende erfährst, dass Bianca dich von Anfang an belogen hat?“
Julian sah auf seine Hände.
„Dann werde ich akzeptieren müssen, dass ich mich in ihr getäuscht habe.“
„Das wird wehtun.“
„Ja.“
Er blickte zu seiner Mutter auf.
„Aber es wäre schlimmer gewesen, dich zu verlieren, nur weil ich nicht bereit war, die Wahrheit zu sehen.“
Martha nahm seine Hand.
Diesmal zitterten ihre Finger nicht mehr.
***
Am Abend erhielt Julian eine E-Mail von seinem Anwalt.
Der Betreff lautete:
**Dringend: Historischer Änderungsantrag zur Hale-Familienstiftung.**
Julian öffnete die Nachricht.
Der Anwalt hatte die ersten verfügbaren Registerunterlagen geprüft. Ein früherer Antrag war tatsächlich eingereicht und später abgelehnt worden. Die vorliegenden Dokumente reichten noch nicht aus, um die verantwortliche Person eindeutig festzustellen. Es gab jedoch eine Unstimmigkeit zwischen dem angegebenen Einreicher und den Kontaktdaten, die im Vorgang hinterlegt waren.
Der Anwalt bat Julian, am nächsten Morgen zu einem persönlichen Gespräch zu kommen.
Im Anhang befand sich eine gescannte Kopie des Antrags.
Julian öffnete die Datei.
Er las den Namen des angeblichen Einreichers.
Dann die Adresse.
Dann die Unterschrift.
Sein Herz begann schneller zu schlagen.
Denn die Unterschrift stammte nicht von Bianca.
Sie stammte auch nicht von seiner Mutter.
Sie trug den Namen eines Mannes, der seit fünf Jahren tot war.
Seines Vaters.
Julian setzte sich langsam.
Wenn die Unterschrift gefälscht war, musste jemand nach dem Tod seines Vaters versucht haben, den Änderungsantrag in dessen Namen einzureichen.
Doch wer hatte Zugang zu den Originalunterlagen?
Wer wusste genug über die Stiftung, um einen solchen Antrag vorzubereiten?
Und warum war der Vorgang ausgerechnet wenige Monate vor seiner geplanten Hochzeit aufgetaucht?
Sein Telefon vibrierte.
Eine Nachricht von einer unbekannten Nummer.
**Wenn Sie wissen wollen, wer wirklich hinter den Dokumenten steckt, suchen Sie nicht bei Ihrer Verlobten. Fragen Sie den Mann, der die Hochzeit finanziert hat.**
Julian las den Satz zweimal.
Dann rief er seinen Anwalt an.
„Ich brauche eine Überprüfung aller Zahlungen, die mit der Hochzeit zusammenhängen“, sagte er. „Jeder Vertrag, jeder Sponsor, jede Überweisung. Und ich möchte wissen, wer die unbekannte Nachricht geschickt hat, soweit sich das rechtmäßig feststellen lässt.“
Er legte auf und blickte durch die hohen Fenster auf den dunklen Garten.
Bianca hatte geglaubt, sie könne seine Mutter isolieren, seine Zweifel ausnutzen und ihn dazu bringen, Entscheidungen zu treffen, ohne die Wahrheit zu kennen.
Aber jetzt war Julian nicht mehr bereit, einfach nur auf die nächste Erklärung zu warten.
Er würde Beweise sammeln.
Er würde seine Mutter schützen.
Und er würde herausfinden, wer versucht hatte, das Vermögen seiner Familie an sich zu bringen.
Doch eine Frage ließ ihn nicht los.
**Wer hatte die Hochzeit tatsächlich bezahlt – und was hatte diese Person dafür erwartet?**
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