Und nun, nach dem Sturm, würde er vermutlich behaupten, die Ranch sei zu schwach, um ihr Land selbst zu bewirtschaften.

„Ramiro“, sagte sie, „holen Sie sämtliche Unterlagen über die Wasserrechte. Jede Karte, jeden Vertrag und jede alte Vermessung.“

Der Verwalter nickte.

„Und schicken Sie jemanden in die Stadt, um einen unabhängigen Anwalt zu finden.“

Er zögerte.

„Glauben Sie, Leandro wird versuchen, die Ranch zu übernehmen?“

Elena faltete den Brief zusammen.

„Ich glaube, dass mein Mann etwas wusste, das Leandro unbedingt verbergen möchte.“

Sie blickte aus dem Fenster.

Draußen half Mateo den Arbeitern, das gerettete Maisstroh zu sortieren. Julián saß auf einer umgedrehten Holzkiste und erklärte ihm, wie man die beschädigten Pfosten prüfte, ohne die gesamte Konstruktion erneut aufzubauen.

Lucía schlief in einer Wiege, die Elena aus alten Brettern hatte anfertigen lassen.

Sie hatte gerade begonnen, sich vorzustellen, wie ein Leben mit Julián und seinen Kindern aussehen könnte.

Jetzt musste sie sich fragen, ob sie sie mit ihrer Entscheidung, auf La Noria zu bleiben, in Gefahr brachte.

## Kapitel 3: Leandro kam zurück – und diesmal brachte er Zeugen mit

Zwei Tage später tauchte Leandro erneut auf.

Diesmal ritt er nicht allein. Zwei Männer folgten ihm, und hinter ihnen fuhr ein Wagen, in dem ein schmaler Mann mit schwarzem Hut saß.

Elena erkannte ihn als Esteban Ruiz, einen Notar aus der nächstgelegenen Stadt.

Leandro stieg ab, noch bevor sein Pferd vollständig zum Stehen gekommen war.

„Señora Valdés“, sagte er mit übertriebener Höflichkeit. „Ich hoffe, Sie haben den Sturm gut überstanden.“

„Wir stehen noch.“

Sein Blick glitt über die beschädigte Barriere.

„Das sehe ich. Allerdings dürfte es teuer werden, all diese Schäden zu reparieren.“

„Wir werden zurechtkommen.“

Leandro lächelte dünn.

„Vielleicht. Aber ich bin heute nicht gekommen, um über Bretter und Zäune zu sprechen.“

Er winkte den Notar heran.

Esteban öffnete eine Ledermappe und legte ein Dokument auf den Tisch im Büro.

„Herr Leandro hat mich gebeten, Ihnen diese Vereinbarung vorzulegen“, erklärte er. „Sie betrifft die Nutzungsrechte an der Quelle im Norden.“

Elena las die erste Seite.

Es war eine Vereinbarung, die Ignacio tatsächlich entworfen hatte. Doch die Formulierungen waren verändert worden. Aus einer zeitlich begrenzten Nutzung war ein langfristiges Recht geworden. Eine Klausel über die Rückgabe der Wasserrechte fehlte vollständig.

Am Ende des Dokuments stand eine Unterschrift, die der ihres verstorbenen Mannes ähnelte.

Elena spürte, wie ihr der Magen schwer wurde.

„Dieses Dokument ist nicht gültig“, sagte sie.

Leandro verschränkte die Arme.

„Ihr Mann hat zugestimmt.“

„Er hat mir schriftlich mitgeteilt, dass die Vereinbarung nie endgültig unterzeichnet wurde.“

„Dann hat er Ihnen offenbar nicht alles erzählt.“

Elena stand auf.

„Sie verlassen jetzt mein Haus.“

Leandro blieb sitzen.

„Sie sollten vorsichtig sein. Wenn Sie sich weigern, eine rechtmäßige Vereinbarung anzuerkennen, könnten Sie hohe Kosten und eine langwierige Auseinandersetzung riskieren. Sie haben nicht das Geld, um sich einen solchen Streit leisten zu können.“

„Das ist meine Sorge.“

„Ihre Ranch braucht Reparaturen. Sie haben kaum Arbeitskräfte, ein krankes Kind im Haus und einen Fremden, der kaum in der Lage ist, auf eigenen Beinen zu stehen.“

Julián, der gerade im Türrahmen erschienen war, richtete sich langsam auf.

„Wenn Sie etwas über mich zu sagen haben, können Sie es mir direkt sagen.“

Leandro musterte ihn von oben bis unten.

„Sie sind ein Arbeiter, der sich in Angelegenheiten einmischt, die ihn nichts angehen.“

„Ich repariere die Ranch. Das geht mich etwas an.“

„Und was bekommen Sie dafür? Ein Bett? Essen? Vielleicht die Hoffnung, dass die Witwe Ihnen eines Tages ihr Land überschreibt?“

Elena wurde blass vor Zorn.

„Genug!“

Doch Julián blieb ruhig.

„Ich habe kein Recht an dieser Ranch verlangt. Ich habe um Arbeit gebeten, und Señora Valdés hat mir Arbeit gegeben. Das ist alles.“

Leandro lachte.

„Dann verschwenden Sie Ihre Zeit.“

„Vielleicht“, sagte Julián. „Aber ich verschwende sie lieber damit, etwas aufzubauen, als damit, anderen Menschen etwas wegzunehmen.“

Für einen Moment war es still.

Dann nahm Leandro das Dokument an sich.

„Sie haben bis zum Ende der Woche Zeit, die Vereinbarung anzuerkennen. Danach werde ich die Angelegenheit vor Gericht bringen.“

Er verließ das Büro, gefolgt von seinen Männern und dem schweigsamen Notar.

Elena blieb zurück.

Julián wartete, bis die Tür geschlossen war.

„Sie glauben, dass er das Dokument gefälscht hat“, sagte er.

„Ich weiß es noch nicht.“

„Aber Sie werden es herausfinden.“

Elena sah ihn an.

„Ja.“

Er nickte.

„Dann sollten wir dafür sorgen, dass er keine Gelegenheit bekommt, die Beweise verschwinden zu lassen.“

## Kapitel 4: Mateo fand etwas, das niemand gesucht hatte

Am nächsten Morgen schickte Elena Ramiro in die Stadt, um den Anwalt zu finden.

Julián sollte sich ausruhen, doch er verbrachte den Vormittag damit, die alten Vermessungsunterlagen zu sortieren. Er konnte nicht gut stillsitzen, wenn ein Problem ungelöst blieb.

Mateo half ihm, die Kisten aus dem kleinen Lagerraum neben dem Stall zu holen.

„Warum ist das alles so wichtig?“, fragte der Junge.