# TEIL 2: DER MANAGER ZERRISS DAS TICKET DES ARMEN JUNGEN – DOCH ALS DER EIGENTÜMER DIE WAHRHEIT ERFUHR, VERSTUMMTE DAS GANZE HOTEL!

„Das ist nicht meine Sorge.“

Die Worte der Managerin Mercedes hallten durch die prachtvolle Lobby des Hotels Santa Clara.

Álvaro stand mit gesenktem Kopf da und hielt die zerknitterten Papierfetzen in seinen Händen. Seine Finger zitterten leicht. Er versuchte, die einzelnen Stücke zusammenzulegen, doch die zerrissenen Ränder passten kaum noch zusammen.

„Señora Mercedes“, sagte er leise, „bitte. Ich brauche nur, dass Sie dieses Dokument noch einmal ansehen.“

Mercedes seufzte genervt.

Sie trug einen eleganten cremefarbenen Hosenanzug, eine goldene Uhr und eine Brosche, die im Licht der Kronleuchter glänzte. Für sie war dieser Junge offenbar nichts weiter als ein lästiges Hindernis auf dem Weg zu ihrem nächsten Termin.

„Ich habe dir bereits erklärt, dass ich keine Zeit für solche Geschichten habe.“

„Aber die Leiterin der Stiftung hat gesagt, dass ich persönlich mit jemandem aus der Hotelleitung sprechen soll.“

„Und ich sage dir, dass du hier nichts verloren hast.“

Einige Gäste drehten sich um.

Ein älterer Herr, der gerade seinen Kaffee trank, stellte die Tasse ab. Eine Frau neben dem Weihnachtsbaum zog ihr Handy hervor und begann, die Szene aufzunehmen.

Álvaro bemerkte es nicht.

Er war elf Jahre alt und hatte an diesem Morgen bereits fast zwei Stunden zu Fuß zurückgelegt. Seine Mutter lag seit Tagen krank zu Hause, und sein kleiner Bruder Mateo wartete darauf, dass er mit einer Antwort zurückkam.

Die Santa-Clara-Stiftung hatte seiner Familie geholfen, als sie kaum noch genug Geld für Lebensmittel hatte. Als Álvaro am Morgen in der Stiftung ausgeholfen hatte, hatte ihm eine Mitarbeiterin einen versiegelten Umschlag übergeben.

„Bring diesen Umschlag ins Hotel Santa Clara“, hatte sie gesagt. „Gib ihn direkt der Direktion. Sag ihnen, dass es um das Versprechen von Don Rafael geht.“

Álvaro hatte nicht verstanden, was sie meinte.

Er hatte nur genickt und den Umschlag vorsichtig in seinen Rucksack gelegt.

Doch auf dem Weg war er gestürzt. Der Umschlag war aufgegangen, und ein Teil der Dokumente war herausgerutscht. Als er im Hotel angekommen war, hatte er den Manager um Hilfe gebeten.

Dieser hatte ihn zuerst von oben bis unten gemustert.

Dann hatte er gelacht.

Und schließlich das Ticket zerrissen, das Álvaro als Nachweis für seinen Auftrag vorzeigen wollte.

Jetzt stand der Junge vor ihm und versuchte verzweifelt, die letzten Reste seines Beweises zu retten.

„Bitte“, wiederholte Álvaro. „Wenn ich ohne Antwort zurückkomme, wird meine Mutter denken, dass ich alles falsch gemacht habe.“

Für einen kurzen Moment wurde Mercedes’ Gesichtsausdruck etwas unsicher.

Doch dann blickte sie auf seine abgetragenen Schuhe und die schmutzigen Ärmel seiner Jacke.

„Dann hättest du eben besser auf deine Unterlagen aufpassen sollen.“

Sie wandte sich ab.

„Sicherheitsdienst! Bitte bringen Sie diesen Jungen nach draußen.“

Álvaro hob erschrocken den Kopf.

„Nein! Warten Sie! Ich muss mit dem Eigentümer sprechen!“

Mercedes blieb stehen und drehte sich langsam wieder um.

Dann lachte sie laut.

„Mit dem Eigentümer? Du?“

Zwei Mitarbeiter am Empfang tauschten verlegene Blicke aus.

„Der Eigentümer dieses Hotels empfängt Staatsoberhäupter, Investoren und internationale Unternehmer“, fuhr Mercedes fort. „Er hat sicherlich keine Zeit für einen Jungen, der nicht einmal seine eigenen Papiere zusammenhalten kann.“

Álvaro presste die Papierfetzen an seine Brust.

„Ich lüge nicht.“

„Das sagen sie alle.“

Mercedes gab dem Sicherheitsmitarbeiter ein Zeichen.

Doch bevor dieser auch nur einen Schritt machen konnte, ertönte eine tiefe Stimme aus der Nähe der großen Treppe.

„Ich würde gern wissen, warum ein Kind aus meinem Hotel geworfen werden soll.“

Alle drehten sich um.

Am oberen Ende der Treppe stand ein älterer Mann in einem dunkelblauen Anzug.

Sein Haar war silbergrau, seine Haltung aufrecht, und in seiner rechten Hand hielt er einen schlichten schwarzen Spazierstock. Neben ihm stand sein persönlicher Assistent, der gerade noch versucht hatte, ihn auf einen anstehenden Termin aufmerksam zu machen.

Es war Don Rafael de Castilla.

Der Gründer und Eigentümer des gesamten Santa-Clara-Hotelimperiums.

Mercedes wurde augenblicklich blass.

„Don Rafael! Ich wusste nicht, dass Sie bereits in der Lobby sind.“

Der alte Mann ging langsam die Treppe hinunter.

„Das habe ich bemerkt.“

Sein Blick fiel auf die Papierfetzen in Álvaros Händen.

Dann sah er den Sicherheitsmitarbeiter an.

„Hat dieser Junge jemanden bedroht?“

„Nein, Señor.“

„Hat er Eigentum beschädigt?“

„Nein, Señor.“

„Hat er Gäste belästigt?“

Der Mitarbeiter zögerte.

„Nicht, dass ich wüsste.“

Don Rafael nickte.

Dann wandte er sich an Mercedes.

„Also möchte ich verstehen, warum Sie ihn hinauswerfen lassen.“

Mercedes richtete ihre Jacke.

„Don Rafael, der Junge behauptet, im Auftrag einer Wohltätigkeitsorganisation hier zu sein. Er hat jedoch keine gültigen Unterlagen vorgelegt. Außerdem hat er den Empfangsbereich verschmutzt.“

Don Rafael blickte auf den makellosen Boden.

Dort lagen nur wenige kleine Papierstücke.

Er sah wieder zu ihr.

„Und deshalb haben Sie sein Dokument zerrissen?“

Mercedes erstarrte.

„Ich wollte lediglich die Situation unter Kontrolle bringen.“

„Ich habe Sie etwas gefragt.“

Sie schluckte.