Mariana senkte den Blick.

„Weil ich neu in diesem Haus bin. Ich bin hier, um Ihre Töchter zu unterstützen, nicht um mich in Familienangelegenheiten einzumischen.“

Sie machte eine kurze Pause.

„Aber Renata braucht Menschen, die ihr zuhören. Sie ist ein kleines Mädchen, Herr Valdivia. Sie sollte nicht das Gefühl bekommen, dass sie jemanden enttäuscht, nur weil ihr etwas schwerfällt.“

Diese Worte trafen Alejandro stärker, als er erwartet hatte.

Er hatte geglaubt, die besten Fachleute und ausreichend Geld würden automatisch die beste Versorgung gewährleisten.

Doch Mariana erinnerte ihn daran, dass seine Tochter mehr brauchte als Rechnungen und Termine.

Sie brauchte Zeit.

Geduld.

Und Menschen, die sie als Kind sahen, nicht als medizinischen Fall.

„Danke“, sagte er schließlich.

Mariana wirkte überrascht.

„Wofür?“

„Dafür, dass Sie meine Tochter ernst nehmen.“

## Die versteckte Kamera zeichnete noch etwas auf

In derselben Nacht überprüfte Alejandro die Aufzeichnungen des zweiten Sicherheitssystems.

Kurz nach Mitternacht erschien Sebastián erneut im Wohnzimmer.

Diesmal war er nicht allein.

Ein unbekannter Mann folgte ihm und übergab ihm eine dünne Mappe.

Alejandro stellte den Ton lauter.

„Wie lange können wir das noch aufrechterhalten?“, fragte Sebastián.

„Nicht mehr lange“, antwortete der Fremde. „Wenn Valdivia die vollständigen Konten prüft, fällt alles auf.“

„Dann sorgen Sie dafür, dass er es nicht tut.“

Der Fremde schüttelte den Kopf.

„Das Geld ist bereits weitergeleitet. Wir können die Überweisungen nicht einfach verschwinden lassen.“

Sebastián schlug die Mappe auf.

„Dann brauchen wir eine andere Erklärung.“

Alejandro spürte, wie sich seine Hände verkrampften.

Der unbekannte Mann legte mehrere Dokumente auf den Tisch.

„Es gibt noch ein Problem. Die Haushälterin verbringt zu viel Zeit mit Renata.“

Sebastián hob den Kopf.

„Was soll das heißen?“

„Das Mädchen macht Fortschritte. Wenn jemand anfängt, genauer hinzusehen, wird man sich fragen, warum die bisherigen Berichte so wenig davon zeigen.“

Sebastián schwieg.

Dann sagte er etwas, das Alejandro das Blut in den Adern gefrieren ließ.

„Dann muss Mariana aus dem Haus verschwinden.“

Alejandro sprang auf.

Für einen Moment wollte er sofort Sicherheitsleute losschicken und seinen Schwager zur Rede stellen.

Doch er zwang sich, sitzen zu bleiben.

Er musste vorsichtig sein.

Sebastián kannte das Haus, die Mitarbeiter und die täglichen Abläufe. Wenn er ahnte, dass Alejandro ihm auf die Spur gekommen war, konnte er wichtige Beweise vernichten.

Alejandro speicherte die Aufnahmen an mehreren sicheren Orten.

Dann rief er seinen Sicherheitschef an.

„Ab sofort wird jede Bewegung rund um meine Töchter dokumentiert. Niemand darf Mariana oder den Mädchen ohne meine ausdrückliche Zustimmung zu nahe kommen.“

„Verstanden.“

„Und noch etwas: Sebastián darf nichts davon erfahren.“

## Am nächsten Morgen stand Mariana vor einer schweren Entscheidung

Als Mariana am nächsten Tag zur Arbeit kam, wartete Sebastián bereits in der Eingangshalle.

Er lächelte freundlich.

Doch seine Augen blieben kalt.

„Mariana, ich glaube, wir müssen über Ihre Zukunft in diesem Haus sprechen.“

Sie hielt inne.

„Habe ich etwas falsch gemacht?“

„Es geht um die Sicherheit der Kinder. Alejandro hat momentan viel zu tun, und ich bin der Meinung, dass Sie sich zu sehr in Renatas Behandlung einmischen.“

„Ich helfe ihr lediglich beim Spielen und bei den alltäglichen Übungen, die mit ihrer Therapeutin abgestimmt sind.“

„Sie sind keine Therapeutin.“

„Das habe ich auch nie behauptet.“

Sebastián trat näher.

„Dann wird es Ihnen sicher nichts ausmachen, wenn wir Ihre Beschäftigung hier beenden.“

Mariana blickte ihn ruhig an.

Sie dachte an ihre kranke Mutter, an die Rechnungen und daran, wie dringend sie das Einkommen benötigte.

Doch dann erinnerte sie sich an Renata, die am Morgen stolz ihre vier Schritte vorgeführt hatte.

„Wenn Herr Valdivia möchte, dass ich gehe, werde ich das respektieren“, sagte sie. „Aber ich werde nicht unterschreiben, dass ich etwas falsch gemacht habe, nur weil seine Tochter Fortschritte macht.“

Sebastiáns Lächeln verschwand.

In diesem Moment ertönte eine Stimme hinter ihnen.

„Das wird auch nicht nötig sein.“

Alejandro stand am Fuß der Treppe.

In seiner Hand hielt er eine Mappe.

Sebastián wurde blass.

„Alejandro. Ich wollte gerade mit dir über die Haushälterin sprechen.“

„Das habe ich gehört.“

Alejandro ging langsam auf ihn zu.

„Und ich habe noch etwas anderes gehört.“

Er legte die Mappe auf einen Tisch.

Darin befanden sich Kopien der verdächtigen Überweisungen und Bilder aus der Nacht, in der Sebastián das geheime Archiv besucht hatte.

„Du hast Geld aus dem Therapiefonds meiner Tochter abgezweigt“, sagte Alejandro. „Du hast Behandlungen abgerechnet, die möglicherweise nie stattgefunden haben. Und du hast versucht, die Frau aus meinem Haus zu entfernen, die als Erste bemerkt hat, dass etwas nicht stimmt.“

Sebastián schluckte.

„Du verstehst das nicht. Ich kann dir alles erklären.“

„Dann fang an.“

Doch bevor Sebastián antworten konnte, erschien eine Mitarbeiterin mit einem weiteren Dokument.

„Herr Valdivia, entschuldigen Sie die Störung. Wir haben die Unterlagen aus dem medizinischen Archiv erhalten.“

Alejandro nahm die Papiere entgegen.

Er überflog die erste Seite.

Dann die zweite.

Und plötzlich wurde sein Gesicht vollkommen ausdruckslos.

„Was ist los?“, fragte Mariana leise.