„Vertraue nicht dem Mann, der dir jeden Tag sagt, dass er auf deiner Seite steht.“
Mateo wurde kreidebleich.
Alejandro stand so abrupt auf, dass sein Stuhl nach hinten rutschte.
„Ricardo“, sagte er.
Doch Elena schüttelte langsam den Kopf.
„Wir wissen noch nicht, ob er gemeint ist. Der Brief beweist nicht, wer dahintersteckt.“
Alejandro sah sie an. Er war es gewohnt, sofort zu handeln, wenn jemand ihn herausforderte. Doch Elena hatte recht: Eine Vermutung war noch kein Beweis.
Er faltete den Brief zusammen.
„Dann werden wir die Wahrheit herausfinden.“
In diesem Moment klopfte es heftig an der Tür.
Ein junger Stallbursche trat ein, außer Atem.
„Don Alejandro! Es gibt ein Problem.“
„Was für ein Problem?“
Der Junge schluckte.
„El Diablo ist nicht mehr in seiner Box.“
Alle erstarrten.
Elena rannte als Erste nach draußen. Die Boxentür stand offen, und auf dem Boden lag ein Stück durchgeschnittenes Seil.
Draußen hörte man Hufschläge.
Der schwarze Hengst galoppierte über das offene Gelände – ohne Sattel, ohne Reiter, auf ein altes Tor zu, hinter dem der Boden steil abfiel.
„Holt ihn zurück!“, rief einer der Männer.
„Nein!“, schrie Elena. „Jagt ihn nicht! Ihr macht ihm noch mehr Angst!“
Sie lief zum Zaun und rief den Namen des Pferdes. El Diablo verlangsamte kurz, doch dann scheute er vor einer Gruppe Männer zurück und änderte die Richtung.
Elena blieb stehen. Sie wusste, dass sie ihn nicht einfach verfolgen durfte. Der Hengst hatte Schmerzen, war erschrocken und konnte sich oder andere verletzen.
„Macht den Weg frei!“, rief sie. „Niemand soll ihn bedrängen! Mateo, hol den Tierarzt. Und jemand muss das Tor am nördlichen Weg öffnen, damit er nicht in die Felsen gerät!“
Zum ersten Mal gehorchten die Männer ihr, ohne zu lachen.
Alejandro stand neben ihr und beobachtete, wie sie ruhig mit dem Pferd sprach und die anderen dazu brachte, Abstand zu halten.
Nach einer langen, angespannten Minute blieb El Diablo stehen.
Elena näherte sich nicht sofort. Sie wartete, bis der Hengst ruhiger atmete, und ließ ihm genügend Platz, selbst zu entscheiden, ob er ihr folgen wollte.
Schließlich senkte er den Kopf.
Langsam kehrte er mit ihr zum Stall zurück.
Doch als sie ankamen, entdeckte Mateo etwas, das zuvor niemand bemerkt hatte: Neben der offenen Box lag ein kleiner Metallgegenstand.
Alejandro hob ihn auf.
Es war ein Schlüssel – und daran hing ein Anhänger mit dem Wappen seiner Ranch.
Sein Gesicht wurde hart.
„Nur drei Personen besitzen diesen Schlüssel“, sagte er.
Er sah zu Mateo. Dann zu Elena.
Und schließlich blickte er in Richtung des Verwaltungsgebäudes, wo Ricardo Salazar gerade aus einem Fenster zusah.
Als sich ihre Blicke trafen, verschwand Ricardo vom Fenster.
Alejandro schloss die Hand um den Schlüssel.
„Heute Nacht“, sagte er leise, „wird mir jemand erklären müssen, warum mein Pferd freigelassen wurde.“
Elena sah zum schwarzen Hengst. Sie hatte ihn beruhigt, aber die Gefahr war nicht vorbei.
Denn jetzt verstand sie, dass jemand auf dieser Ranch unbedingt verhindern wollte, dass El Diablo gesund wurde.
Und vielleicht war das Pferd nicht das Einzige, das man hier seit Jahren unter Kontrolle zu halten versuchte.
Fortsetzung folgt in Teil 3 …
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