Alejandro speicherte die Aufnahme und rief seinen Sicherheitschef an.
„Sichern Sie alle verfügbaren Beweise. Niemand darf die Unterlagen verändern oder entfernen.“
„Soll ich Sebastián zur Rede stellen?“
„Noch nicht. Ich will wissen, mit wem er gesprochen hat und wohin das Geld geflossen ist.“
Alejandro beendete das Gespräch.
Seine Wut war groß, aber er wusste, dass eine voreilige Konfrontation die Untersuchung gefährden könnte.
Diesmal würde er nicht einfach auf das Wort eines Familienmitglieds vertrauen.
## 4. Der Brief seiner verstorbenen Frau
Am folgenden Tag suchte Alejandro im Schlafzimmer seiner Frau nach alten Unterlagen.
Lucía hatte vor ihrem Tod eine kleine Holzschatulle aufbewahrt. Darin lagen Fotos, Briefe und persönliche Notizen, die Alejandro seit Jahren nicht mehr angerührt hatte.
Zwischen den Briefen fand er einen Umschlag mit seinem Namen.
Die Handschrift ließ ihn sofort innehalten.
Es war Lucías Schrift.
Er öffnete den Brief mit zitternden Fingern.
„Alejandro, wenn du diesen Brief eines Tages liest, möchte ich, dass du dich an etwas erinnerst: Unsere Töchter brauchen nicht, dass du jedes Problem mit Geld löst. Sie brauchen dich. Versprich mir, dass du Renata niemals das Gefühl geben wirst, weniger wert zu sein, nur weil ihr Weg schwieriger ist.“
Alejandro musste den Brief ablegen.
Er hatte sich eingeredet, dass seine Arbeit und sein Vermögen den Mädchen eine sichere Zukunft garantieren würden. Dabei hatte er übersehen, wie sehr sie seine Anwesenheit brauchten.
Unter dem Brief lag ein weiterer Umschlag.
Auf der Vorderseite stand:
„Für den Fall, dass Sebastián seine Verantwortung missbraucht.“
Alejandro erstarrte.
Warum hatte Lucía diesen Umschlag vorbereitet?
Er öffnete ihn.
Darin befand sich eine Kopie des ursprünglichen Vertrags für den Therapiefonds. Eine Klausel schrieb unabhängige Prüfungen aller Ausgaben vor.
Am unteren Rand stand der Name des Wirtschaftsprüfers, der die ersten Konten verwaltet hatte.
Alejandro griff nach seinem Telefon und wählte die Nummer.
Der Mann nahm nach mehreren Klingeltönen ab.
„Herr Valdivia?“, fragte er überrascht.
„Ich habe Unterlagen gefunden, die meine Frau aufbewahrt hat. Ich muss wissen, was damals mit dem Therapiefonds geschehen ist.“
Am anderen Ende herrschte Schweigen.
Dann antwortete der Wirtschaftsprüfer:
„Ich habe gehofft, dass Sie sich eines Tages melden würden.“
Alejandro richtete sich auf.
„Was wissen Sie?“
„Ich kann Ihnen das nicht am Telefon erklären. Aber ich habe Kopien der ursprünglichen Berichte aufbewahrt.“
„Warum haben Sie sie nicht früher vorgelegt?“
„Weil mir damals mitgeteilt wurde, dass die Angelegenheit bereits von Ihrer Familie geklärt worden sei.“
Alejandro schloss die Augen.
„Von wem?“
Der Mann zögerte.
„Von Sebastián Alcázar.“
## 5. Der Schwager stellte eine Forderung
Noch am selben Abend erschien Sebastián in der Villa.
Er wirkte angespannt, bemühte sich jedoch um ein freundliches Lächeln.
„Alejandro, wir müssen über Mariana sprechen.“
Alejandro legte die Dokumente beiseite.
„Was ist mit ihr?“
„Sie überschreitet ihre Kompetenzen. Ich halte es für besser, wenn wir ihr kündigen.“
„Warum?“
„Sie beeinflusst Renata und bringt sie dazu, Dinge zu versuchen, die möglicherweise nicht gut für sie sind.“
Alejandro sah ihn lange an.
„Die Übungen werden mit Renatas Betreuung abgestimmt. Mariana ersetzt keine Therapie.“
„Du bist kein Spezialist.“
„Das stimmt. Deshalb lasse ich die medizinischen Unterlagen unabhängig prüfen.“
Sebastián verstummte.
Alejandro beobachtete ihn genau.
„Warum macht dir diese Prüfung solche Sorgen?“
„Mir? Gar nicht.“
„Dann sollte es dich nicht stören, wenn wir herausfinden, wohin das Geld aus dem Fonds geflossen ist.“
Sebastián wurde blass.
Nur für einen Augenblick, aber Alejandro bemerkte es.
„Du verdächtigst mich also?“, fragte sein Schwager.
„Ich verdächtige niemanden. Ich überprüfe Tatsachen.“
Sebastián nahm seine Jacke.
„Du wirst es bereuen, wenn du diese Familie wegen einer Haushälterin auseinanderreißt.“
Alejandro stand auf.
„Diese Familie wird nicht durch eine Frau zerstört, die sich um meine Töchter kümmert. Wenn jemand etwas zu verbergen hat, wird die Wahrheit das zeigen.“
Sebastián verließ das Haus, ohne sich zu verabschieden.
Alejandro wusste nun, dass er vorsichtig sein musste.
Doch er hatte nicht vor, nachzugeben.
## 6. Die Wahrheit, die alles verändern sollte
Am nächsten Morgen erhielt Alejandro eine Nachricht vom Wirtschaftsprüfer.
Die gesicherten Unterlagen waren angekommen.
Er öffnete die erste Datei und begann zu lesen.
Die Dokumente bestätigten, dass erhebliche Summen aus dem Therapiefonds an Firmen geflossen waren, deren Leistungen nicht nachvollziehbar waren.
Doch dann entdeckte er eine weitere Information.
Vor zwei Jahren hatte Lucía persönlich eine Prüfung angefordert. Sie hatte Unregelmäßigkeiten vermutet und darum gebeten, sämtliche Zahlungen künftig unabhängig kontrollieren zu lassen.
Die Prüfung war jedoch abgebrochen worden.
Der Antrag trug eine handschriftliche Anweisung, die angeblich von Alejandro selbst stammte.
Er starrte auf die Unterschrift.
Sie sah seiner ähnlich.
Aber er hatte diese Anweisung niemals erteilt.
Jemand hatte seinen Namen benutzt, um die Untersuchung zu stoppen.
Und die Akte enthielt noch etwas: eine Liste aller Personen, die Zugang zu den ursprünglichen Unterlagen gehabt hatten.
Sebastián stand ganz oben.
Doch darunter befand sich ein zweiter Name.
Alejandro las ihn einmal.
Dann noch einmal.
Er konnte kaum glauben, was er sah.
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