„Dann erklären Sie bitte, warum Sie anschließend über sie gelacht und sie beleidigt haben“, sagte Andrei.
Liang antwortete nicht.
„Anna wird den Vorfall offiziell dokumentieren lassen“, fuhr Andrei fort. „Wir werden außerdem dafür sorgen, dass sie wegen ihrer Beschwerde keine Nachteile erleidet.“
Anna hatte nicht erwartet, dass Andrei so deutlich Stellung beziehen würde.
Sie sah ihn dankbar an.
Liang schloss seine Aktentasche.
„Wenn Sie so weitermachen, gefährden Sie unsere Zusammenarbeit.“
Andrei blieb ruhig.
„Eine Zusammenarbeit, die nur funktioniert, wenn wir respektloses Verhalten hinnehmen und ungeklärte Vertragsbedingungen ignorieren, ist keine Zusammenarbeit, die ich fortsetzen möchte.“
### Die Entscheidung über 620 Millionen Euro
Am nächsten Tag fand eine weitere Besprechung statt.
Diesmal saßen unabhängige Rechtsberater und Vertreter beider Unternehmen am Tisch.
Liang war ebenfalls anwesend.
Die Vertragsparteien einigten sich darauf, den Entwurf vollständig überprüfen zu lassen. Bis zur Klärung der abweichenden Formulierungen sollte keine Unterschrift erfolgen.
Es wurde deutlich, dass der ursprüngliche Zeitplan nicht eingehalten werden konnte.
Andrei erklärte:
„Ich möchte diesen Deal nur abschließen, wenn beide Seiten exakt wissen, welchen Verpflichtungen sie zustimmen.“
Liang widersprach zunächst.
Doch als die Anwälte die offenen Fragen einzeln vorstellten, musste auch er einsehen, dass eine sofortige Unterzeichnung nicht möglich war.
Der Vertrag wurde vorläufig ausgesetzt.
Nicht wegen Anna.
Sondern weil die Verantwortlichen ihre Sorgfaltspflicht ernst nahmen.
### Eine neue Tür öffnet sich
Zwei Wochen später erhielt Anna einen Anruf.
Sie hatte die Eignungsprüfung bei der Hotelgruppe bestanden.
Andrei bot ihr eine Stelle als Junior-Mitarbeiterin in der internationalen Abteilung an. Dazu gehörten eine fachliche Einarbeitung und weitere Sprachkurse.
Anna nahm das Angebot an.
Ihre erste Frage galt jedoch ihrer Mutter.
„Kann ich meine Arbeitszeiten so abstimmen, dass ich sie weiterhin zu den wichtigen Terminen begleiten kann?“
Die Personalverantwortliche bestätigte, dass man dafür eine passende Lösung finden könne.
Als Anna später nach Hause kam, saß ihre Mutter am Küchentisch.
„Und?“, fragte sie.
Anna legte den Arbeitsvertrag vor sie.
Ihre Mutter las die erste Seite und begann zu lächeln.
„Du hast es geschafft.“
Anna schüttelte den Kopf.
„Wir haben es geschafft.“
Dann umarmte sie ihre Mutter.
### Doch die letzte Nachricht veränderte alles
Am Abend erhielt Anna eine E-Mail von Frau Berger.
Der Betreff lautete:
**„Vertraulich – neue Erkenntnisse zur Vertragsprüfung“**
Anna öffnete die Nachricht.
Darin stand, dass die Prüfung weitere Fragen aufgeworfen hatte. Eine interne Freigabe fehlte, und mehrere Änderungen mussten nun von den beteiligten Unternehmen erklärt werden.
Doch am Ende der E-Mail befand sich eine persönliche Nachricht:
„Frau Anna, wir haben außerdem erfahren, dass Herr Liang vor dem Treffen ausdrücklich verlangt hatte, dass keine Mitarbeiterin mit Ihren Sprachkenntnissen für den Tisch eingeteilt wird. Wir versuchen derzeit herauszufinden, woher er wusste, dass Sie Mandarin sprechen.“
Anna starrte auf den Bildschirm.
Sie hatte Liang nie zuvor getroffen.
Sie hatte ihm nie ihren Lebenslauf gezeigt.
Und niemand im Restaurant wusste von ihrem Studium.
Warum also hatte er ausgerechnet sie von Anfang an nicht am Tisch haben wollen?
Dann klingelte ihr Telefon.
Eine unbekannte Nummer.
Anna nahm ab.
Eine ruhige Männerstimme sagte auf Chinesisch:
„Frau Anna, mein Name ist Chen. Ich habe früher mit Herrn Liang gearbeitet. Wenn Sie wissen möchten, warum er Sie an diesem Abend unbedingt loswerden wollte, müssen wir uns unterhalten.“
Anna hielt den Atem an.
„Was wissen Sie?“
Der Mann schwieg kurz.
Dann sagte er:
**„Ihr Name stand bereits vor dem Abendessen in einer internen Akte. Und dort ging es nicht um Ihre Arbeit als Kellnerin …“** 😳
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