Ich rief erneut die Polizei an und berichtete von dem Foto, der Notiz und Daniels Erklärung. Die Beamten baten uns, nichts weiter zu verändern und sämtliche Unterlagen aufzubewahren.
Daniel blieb im Wohnzimmer sitzen.
Zum ersten Mal sah er nicht wie jemand aus, der alles unter Kontrolle hatte.
„Ich wollte wirklich nur helfen“, sagte er leise.
Ich sah ihn an.
„Dann hättest du mit uns sprechen müssen. Du hattest kein Recht, heimlich in unserem Kinderzimmer zu handeln.“
Er nickte.
„Ich weiß.“
Plötzlich stand Rex auf und ging zur Terrassentür. Er blickte hinaus und gab einen kurzen Laut von sich.
Ich folgte seinem Blick.
Draußen stand Herr Berger.
Als er bemerkte, dass wir ihn ansahen, blieb er für einen Moment stehen. Dann drehte er sich um und ging hastig zu seinem Haus.
Daniel sprang auf.
„Das ist er!“
Ich hielt ihn zurück.
„Nein. Niemand geht ihm hinterher. Die Polizei kümmert sich darum.“
Wenige Minuten später trafen die Beamten ein. Sie nahmen die Unterlagen entgegen und begannen, die Angaben zu überprüfen.
Währenddessen saß Sara auf dem Sofa und streichelte Rex.
„Weißt du, was mich am meisten erschreckt?“, fragte sie leise.
„Was?“
„Dass wir ihn fast für immer weggeschickt hätten. Dabei hat er uns die ganze Zeit zeigen wollen, dass etwas nicht stimmt.“
Ich setzte mich neben sie.
„Er hat uns vertraut. Und wir haben ihn nicht verstanden.“
Rex legte seinen Kopf auf Saras Knie.
Sie lächelte schwach.
„Du bist ein guter Junge.“
Doch gerade als wir glaubten, dass sich die Situation endlich aufklärte, kam einer der Polizisten aus dem Kinderzimmer zurück.
In seiner Hand hielt er einen kleinen Gegenstand, den wir bisher nicht bemerkt hatten.
„Wir haben noch etwas gefunden“, sagte er ernst.
Ich stand sofort auf.
„Was denn?“
Der Beamte legte den Gegenstand auf den Tisch.
Es war ein zweiter Umschlag. Darauf stand Saras vollständiger Name.
Sie öffnete ihn mit zitternden Händen.
Darin befand sich ein einzelnes Blatt Papier.
Nur ein Satz war darauf geschrieben:
„Fragen Sie Daniel, warum er Ihnen bis heute nicht erzählt hat, was vor drei Jahren mit Ihrem gemeinsamen Haus passiert ist.“
Sara sah meinen Bruder an.
Daniel wurde blass und senkte den Kopf.
„Es tut mir leid“, flüsterte er.
Ich spürte, wie sich mein Magen zusammenzog.
„Daniel … was hast du getan?“
Er schwieg lange.
Dann sah er mich an und sagte:
„Ich habe damals einen Fehler gemacht. Und ich glaube, dass genau deshalb jemand versucht, jetzt eure Familie hineinzuziehen.“
Sara hielt den Brief fest.
„Welchen Fehler?“
Daniel öffnete langsam den Mund.
Doch bevor er antworten konnte, klingelte erneut sein Telefon.
Auf dem Display erschien dieselbe unbekannte Nummer, von der er bereits vor zwei Wochen Nachrichten erhalten hatte.
Diesmal stand unter der Nummer eine neue Nachricht:
„Sag ihnen endlich die Wahrheit. Oder wir erzählen sie selbst.“
Daniel ließ das Telefon sinken.
Und in diesem Moment wurde mir klar, dass Rex nicht einfach nur auf ein Aufnahmegerät aufmerksam geworden war.
Er hatte uns vor etwas gewarnt, das viel größer war, als wir uns vorstellen konnten.
Doch die Wahrheit über Daniels Fehler sollte nicht nur unsere Familie erschüttern – sie würde auch erklären, warum jemand ausgerechnet das Zimmer unseres ungeborenen Kindes ins Visier genommen hatte … 😨
Fortsetzung folgt im nächsten Teil … 👇
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