Und warum hatte Rex ausgerechnet auf den Schrank reagiert, in dem das Aufnahmegerät versteckt gewesen war?

Ich blickte zu Sara. Sie hatte die Nachricht ebenfalls gelesen.

Dann sagte sie einen Satz, der mir endgültig den Boden unter den Füßen wegzog:

„Daniel war gestern hier. Er hat mir gesagt, dass du ihn geschickt hast.“

In diesem Moment wusste ich, dass wir noch längst nicht die ganze Wahrheit kannten.

Und Rex hatte sie vielleicht schon viel früher erkannt als wir.

Doch als Daniel schließlich vor unserer Haustür stand, brachte er etwas mit, das bewies, dass das versteckte Aufnahmegerät nur ein Teil seines Geheimnisses gewesen war … 😨

Als es an der Haustür klingelte, sahen Sara und ich uns erschrocken an.

Rex hob sofort den Kopf.

Seine Ohren stellten sich auf, und er stand langsam auf. Doch diesmal bellte er nicht. Er ging lediglich zur Tür und blieb davor stehen.

Ich legte ihm eine Hand auf den Rücken.

„Ganz ruhig, Rex.“

Dann öffnete ich die Tür.

Daniel stand auf der Veranda. Er trug eine dunkle Jacke und hielt eine große braune Mappe unter dem Arm. Sein Gesicht wirkte angespannt, und seine Augen wanderten sofort an mir vorbei ins Haus.

Als er Rex entdeckte, blieb er stehen.

„Du hast ihn wieder hereingelassen?“, fragte er.

Ich verschränkte die Arme.

„Er heißt Rex. Und er gehört zu dieser Familie.“

Daniel verzog das Gesicht.

„Wir müssen reden. Aber nicht hier vor dem Hund.“

„Nein“, antwortete ich scharf. „Du wirst jetzt hier reden. Vor mir und vor Sara. Und du wirst erklären, warum deine Stimme auf einem Aufnahmegerät in unserem Kinderzimmer zu hören ist.“

Daniel schluckte.

Für einige Sekunden sagte er nichts.

Dann trat er langsam ein und legte die Mappe auf den Esstisch.

„Ich weiß, wie das aussieht“, begann er.

„Dann erklär es.“

Er öffnete die Mappe und holte mehrere Dokumente heraus. Darunter befanden sich Kopien von Rechnungen, ein Grundriss unseres Hauses und ein Foto des Kinderzimmers.

Sara wurde blass.

„Warum hast du ein Foto von unserem Kinderzimmer?“

Daniel blickte sie an.

„Weil ich herausfinden musste, ob jemand anderes dort gewesen war.“

Ich lachte ungläubig.

„Du hast ein Aufnahmegerät versteckt und willst uns jetzt erzählen, dass du uns beschützen wolltest?“

„Ich habe das Gerät nicht installiert, um euch auszuspionieren!“

„Dann warum?“

Daniel rieb sich mit beiden Händen über das Gesicht.

„Vor ungefähr zwei Wochen bekam ich eine Nachricht von einer unbekannten Nummer. Jemand behauptete, dass unser Haus beobachtet würde. Zuerst hielt ich es für einen schlechten Scherz. Doch dann erhielt ich ein Foto von Sara, aufgenommen vor dem Haus.“

Sara griff erschrocken nach meinem Arm.

„Was?“

„Ich habe dir nichts gesagt, weil ich dich nicht beunruhigen wollte“, erklärte Daniel. „Ich wollte zuerst herausfinden, wer dahintersteckt.“

Ich schüttelte den Kopf.

„Und deshalb hast du heimlich ein Gerät im Kinderzimmer versteckt?“

Daniel nickte zögernd.

„Ich wollte herausfinden, ob jemand nachts ins Haus kam. Ich dachte, ich könnte damit beweisen, dass die Drohung echt war.“

„Aber du hast uns angelogen“, sagte Sara leise.

Daniel senkte den Blick.

„Ja. Das war ein Fehler.“

In diesem Moment stand Rex auf und ging zur braunen Mappe. Er schnupperte kurz daran und setzte sich direkt daneben.

Daniel wich unwillkürlich zurück.

Ich bemerkte es sofort.

„Was ist los? Warum reagierst du so auf ihn?“

„Gar nichts.“

Doch Rex ließ die Mappe nicht aus den Augen.

Ich nahm sie vorsichtig vom Tisch und öffnete das hintere Fach. Darin lag ein kleines Foto, das zwischen zwei Dokumenten gerutscht war.

Es zeigte unseren Garten.

Auf der Rückseite stand ein Datum: drei Tage vor Rex’ seltsamem Verhalten.

Und darunter befand sich eine handschriftliche Notiz:

„Das Tier bemerkt zu viel. Vor dem nächsten Besuch muss es aus dem Haus sein.“

Mir stockte der Atem.

Sara las die Zeile über meine Schulter.

„Daniel … was bedeutet das?“

Er wurde kreidebleich.

„Das habe ich noch nie gesehen.“

„Dann erklär mir, warum es in deiner Mappe liegt!“

Daniel schüttelte den Kopf.

„Ich schwöre, dass ich diese Notiz nicht geschrieben habe.“

Rex begann leise zu knurren.

Ich nahm das Foto und betrachtete es genauer. Im Hintergrund war neben unserem Gartenzaun eine Person zu erkennen. Das Gesicht war unscharf, aber die Kleidung kam mir bekannt vor.

Ich vergrößerte das Bild auf meinem Telefon.

Dann erkannte ich die Jacke.

Sie gehörte unserem Nachbarn Herrn Berger.

Er hatte uns vor einigen Wochen angeboten, bei den Renovierungsarbeiten im Kinderzimmer zu helfen. Außerdem hatte er einen Ersatzschlüssel erhalten, damit er während unserer Abwesenheit einige Pakete entgegennehmen konnte.

Ich sah Daniel an.

„War er auch an der Sache beteiligt?“

Daniel nickte langsam.

„Ich habe ihn vor einigen Tagen mit jemandem telefonieren sehen. Als ich ihn darauf ansprach, behauptete er, es gehe um eine Lieferung.“

Sara setzte sich auf einen Stuhl.

„Das kann doch nicht wahr sein. Wir haben diesem Mann vertraut.“