Sie hatte die Schachtel regelmäßig benutzt, ohne weiter darüber nachzudenken.
„Warum fragen Sie das?“, flüsterte sie.
Marta antwortete nicht sofort.
„Ich möchte wissen, ob diese Präparate tatsächlich ärztlich empfohlen wurden. Bringen Sie mir bitte die Verpackung oder ein Foto davon, sobald Sie können. Nehmen Sie bis zur Überprüfung nichts Zusätzliches ein, ohne es mit Ihrem Behandlungsteam abzusprechen.“
Laura begann zu weinen.
„Mein Mann würde mir niemals absichtlich schaden.“
„Das habe ich auch nicht behauptet“, sagte Marta ruhig. „Wir müssen erst die Fakten kennen.“
Plötzlich klopfte es an der Tür.
Eine Stimme ertönte von draußen.
„Laura? Bist du hier drin?“
Es war Victor.
Laura erstarrte.
„Schatz, mach die Tür auf. Ich mache mir Sorgen um dich.“
Marta stellte sich neben Laura.
„Sie müssen jetzt nicht allein mit ihm sprechen, wenn Sie sich unwohl fühlen.“
Victor klopfte erneut.
„Laura, warum dauert das so lange? Was hat die Ärztin dir erzählt?“
Die Frage ließ Marta aufhorchen.
Warum wollte er so dringend wissen, was die Ärztin gesagt hatte?
Die Krankenschwester öffnete schließlich die Tür einen Spalt.
Victor stand direkt davor. In seiner Hand hielt er einen großen Blumenstrauß.
Als er Laura sah, lächelte er zunächst erleichtert.
„Da bist du ja, mein Schatz! Ich habe schon überall nach dir gesucht.“
Dann fiel sein Blick auf die Dokumente auf dem Tisch.
Sein Lächeln verschwand.
„Was sind das für Unterlagen?“
Marta antwortete sachlich:
„Wir überprüfen einige Angaben in der Patientenakte.“
Victor trat einen Schritt näher.
„Das ist doch nicht nötig. Ich kenne die Vorgeschichte meiner Frau. Ich kann Ihnen alles erklären.“
Laura sah ihn fassungslos an.
„Warum steht deine Unterschrift auf einer Überweisung, von der ich nichts weiß?“
Victor schwieg.
Für einen kurzen Moment blickte er zur Ärztin, dann wieder zu seiner Frau.
„Laura, das ist ein Missverständnis. Wir sollten darüber zu Hause sprechen.“
„Nein“, sagte Laura leise. „Ich möchte jetzt wissen, was du mir verschwiegen hast.“
Victor stellte die Blumen auf einen Stuhl.
„Ich wollte dich nur schützen.“
Marta verschränkte die Arme.
„Vor was genau?“
Victor antwortete nicht.
Dann zog er langsam sein Telefon aus der Tasche und zeigte der Ärztin eine Nachricht.
„Ich habe diese Nachricht heute Morgen erhalten. Jemand hat mir gesagt, dass Sie meiner Frau etwas erzählen würden, das ihre ganze Familie zerstören könnte.“
Laura sah ihn ungläubig an.
„Wer hat dir diese Nachricht geschickt?“
Victor drehte das Telefon um.
Auf dem Display stand eine unbekannte Nummer. Darunter befand sich ein Foto.
Es zeigte Dr. Marta vor dem Krankenhaus, aufgenommen wenige Tage zuvor.
Doch auf dem Bild stand neben ihr eine Frau, die Laura sofort erkannte.
Es war ihre eigene Mutter.
Laura wurde schwindelig.
Ihre Mutter war vor acht Jahren gestorben.
„Das ist unmöglich“, flüsterte sie.
Marta nahm das Telefon und betrachtete das Foto genauer.
„Frau Laura, kennen Sie diese Aufnahme?“
Laura schüttelte langsam den Kopf.
„Nein. Aber ich erkenne meine Mutter.“
Victor senkte den Blick.
„Es gibt etwas, das ich dir schon vor unserer Hochzeit hätte erzählen müssen.“
Laura sah ihn an.
„Was?“
Er holte tief Luft.
„Deine Mutter hat damals nicht nur mit mir gesprochen. Sie hat mir etwas anvertraut. Etwas, das ich versprochen habe, dir niemals zu erzählen.“
Marta wurde plötzlich sehr still.
„Victor“, sagte sie langsam. „Woher kennen Sie die Familie von Frau Laura wirklich?“
Victor sah die Ärztin an.
Dann sagte er einen Namen, den Laura noch nie gehört hatte.
„Weil ich damals nicht zufällig in ihr Leben getreten bin. Ich kannte ihre Mutter schon lange, bevor ich Laura kennenlernte.“
Laura wich erschrocken zurück.
In diesem Augenblick vibrierte das Telefon der Ärztin.
Eine neue Nachricht war eingegangen.
Sie öffnete sie und las nur wenige Sekunden. Dann blickte sie Laura mit ernstem Gesicht an.
„Frau Laura, wir haben gerade eine weitere Information erhalten. Es geht um Ihre damaligen Untersuchungsunterlagen.“
„Was steht darin?“
Marta legte das Telefon auf den Tisch.
„Ihre Mutter hatte vor ihrem Tod eine Patientenakte hinterlassen. Und in dieser Akte befindet sich ein Dokument, das mit Ihrer aktuellen Schwangerschaft in Verbindung stehen könnte.“
Laura blickte zu Victor.
Er hatte inzwischen jede Farbe im Gesicht verloren.
„Du hast gesagt, du würdest es ihr niemals erzählen“, murmelte er.
Marta antwortete ruhig:
„Ich glaube, es ist an der Zeit, dass Laura selbst entscheidet, was sie wissen möchte.“
Laura legte beide Hände auf ihren Bauch.
Sie war gekommen, um ihr ungeborenes Kind untersuchen zu lassen. Doch nun stand sie vor einem Geheimnis, das offenbar schon lange vor ihrer Ehe begonnen hatte.
Und plötzlich verstand sie, dass die Warnung der Ärztin möglicherweise nicht nur mit dem Ultraschall zu tun hatte.
Doch was hatte Victor all die Jahre vor ihr verborgen? Warum existierte eine geheime Patientenakte ihrer verstorbenen Mutter? Und welche Verbindung bestand zwischen dieser Akte und dem ungeborenen Kind?
Als Laura schließlich den Namen auf dem letzten Dokument las, brach sie in Tränen aus.
Denn dort stand nicht der Name ihres Mannes.
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