„Was haben Sie gerade gesagt? Ich soll mich von meinem Mann fernhalten?“

Laura starrte Dr. Marta fassungslos an. Ihr Herz schlug schneller. Sie versuchte, das Gesicht der Ärztin zu lesen, doch Marta wirkte plötzlich völlig verändert. Ihre Hände zitterten leicht, während sie den Ultraschallbildschirm ausschaltete.

„Bitte stellen Sie jetzt keine Fragen, die Sie nicht in diesem Raum stellen sollten“, flüsterte sie.

Laura richtete sich langsam auf.

„Doktor, Victor ist mein Mann. Wir sind seit fünf Jahren verheiratet. Er freut sich genauso auf dieses Kind wie ich. Warum sagen Sie so etwas?“

Marta sah sie lange an.

„Ich möchte Ihnen nichts unterstellen. Aber das, was ich gerade auf dem Bildschirm gesehen habe, passt nicht zu den Informationen, die in Ihrer Patientenakte stehen.“

Sie drehte den Monitor wieder zu Laura.

„Sehen Sie hier? Das ist die Aufnahme Ihrer heutigen Untersuchung. Und hier ist das Ergebnis Ihrer letzten Untersuchung vor vier Wochen.“

Laura blickte auf die beiden Bilder.

„Ich verstehe nicht, was ich sehen soll.“

Die Ärztin holte tief Luft.

„Es gibt einen Unterschied zwischen den medizinischen Angaben, die bei uns hinterlegt sind, und den Unterlagen, die Sie heute mitgebracht haben. Ich möchte deshalb eine zweite Untersuchung durchführen lassen.“

Laura spürte, wie ihr die Angst in den Bauch stieg.

„Ist mein Baby in Gefahr?“

„Das kann ich Ihnen im Moment noch nicht sagen. Aber ich möchte sicherstellen, dass wir keine wichtige Information übersehen.“

Marta bat eine Kollegin, den Raum zu betreten. Gemeinsam überprüften sie die Patientenakte und die bisherigen Untersuchungsergebnisse. Dabei fiel ihnen etwas auf, das die Situation noch merkwürdiger machte.

Vor drei Wochen war ein zusätzlicher Befund in Lauras Akte eingetragen worden. Er enthielt eine medizinische Empfehlung, die angeblich von einer anderen Klinik stammte.

Laura schüttelte sofort den Kopf.

„Ich war vor drei Wochen in keiner anderen Klinik.“

Marta sah sie überrascht an.

„Sind Sie sicher?“

„Natürlich. Ich war die ganze Zeit zu Hause. Victor hat mich zu jedem Termin begleitet.“

Die Ärztin wechselte einen ernsten Blick mit ihrer Kollegin.

„Frau Laura, kennen Sie diese Unterschrift?“

Sie zeigte ihr eine Kopie des Dokuments.

Laura betrachtete das Blatt und wurde blass.

Unter dem medizinischen Bericht stand der Name ihres Mannes.

Doch das war nicht das Erschreckendste.

Neben seiner Unterschrift befand sich eine handschriftliche Bemerkung:

„Die Patientin darf über die zusätzlichen Untersuchungsergebnisse vorerst nicht informiert werden.“

Laura bekam kaum noch Luft.

„Warum sollte mein Mann so etwas unterschreiben?“

Marta antwortete vorsichtig:

„Das müssen wir unbedingt klären. Aber zunächst möchte ich, dass Sie sich keine Vorwürfe machen und keine voreiligen Schlüsse ziehen.“

Sie bat Laura, in einem separaten Raum zu warten, während die Unterlagen überprüft wurden.

Wenige Minuten später kam eine Mitarbeiterin mit einer weiteren Akte zurück.

„Doktor, wir haben die ursprüngliche Überweisung gefunden.“

Marta öffnete das Dokument.

Als sie die erste Seite las, veränderte sich ihr Gesichtsausdruck erneut.

„Das ist nicht möglich.“

Laura stand sofort auf.

„Was ist denn jetzt schon wieder?“

Die Ärztin drehte das Dokument zu ihr.

Es handelte sich um eine Überweisung, die bereits vor mehreren Monaten ausgestellt worden war. Als verantwortliche Kontaktperson war Victor eingetragen.

Doch Laura hatte diese Untersuchung niemals beantragt.

„Mein Mann hat mich nie zu dieser Klinik gebracht“, sagte sie.

Marta legte das Papier vorsichtig auf den Tisch.

„Dann müssen wir herausfinden, wer diese Unterlagen eingereicht hat und warum Ihr Name darin auftaucht.“

In diesem Moment vibrierte Lauras Telefon.

Victor rief an.

Sie betrachtete den Bildschirm, ohne abzunehmen.

Wenige Sekunden später kam eine Nachricht:

„Schatz, bist du schon fertig? Ich bin gerade in der Nähe der Klinik. Ich hole dich ab. Warte bitte draußen auf mich.“

Laura sah die Nachricht und bekam plötzlich ein ungutes Gefühl.

„Doktor, mein Mann ist hier.“

Marta blickte zur Tür.

„Dann bleiben Sie bitte zunächst bei uns. Ich werde dafür sorgen, dass Sie in Ruhe mit dem Klinikpersonal sprechen können.“

Laura nickte.

Doch gerade als die Ärztin den Raum verlassen wollte, kam eine Krankenschwester hastig herein.

„Dr. Marta, entschuldigen Sie. Am Empfang wartet ein Mann. Er sagt, er sei der Ehemann von Frau Laura und müsse unbedingt mit Ihnen sprechen.“

Laura wurde kreidebleich.

„Victor?“

Die Krankenschwester nickte.

Marta bat sie, den Besucher zunächst in der Empfangshalle warten zu lassen.

Dann wandte sie sich wieder an Laura.

„Ich möchte Ihnen eine Frage stellen. Hat Ihr Mann in letzter Zeit ungewöhnlich viele Fragen über Ihre Untersuchungsergebnisse gestellt?“

Laura dachte nach.

„Ja. Er wollte immer wissen, welche Werte die Ärzte gemessen haben. Manchmal bat er mich sogar, ihm die Unterlagen zu zeigen. Ich dachte, er macht sich einfach Sorgen um mich und das Baby.“

Marta nickte langsam.

„Und hat er jemals darauf bestanden, dass Sie bestimmte Medikamente einnehmen oder bestimmte Untersuchungen nicht durchführen lassen?“

Laura erinnerte sich plötzlich an etwas.

Vor einigen Wochen hatte Victor ihr eine kleine Schachtel mit Nahrungsergänzungsmitteln mitgebracht. Er hatte erklärt, ein befreundeter Arzt habe sie empfohlen.