Sofia bedankte sich und beendete das Gespräch.

Sie saß lange am Küchentisch.

Dann hörte sie die Haustür.

Daniel kam herein.

„Wir müssen reden“, sagte Sofia.

Er blieb stehen.

Sie legte den Krankenhausbericht, den Zettel aus dem Arbeitszimmer und die Unterlagen über Argus nebeneinander auf den Tisch.

„Ich möchte, dass du mir erklärst, was du über die Dosierungsänderung wusstest.“

Daniel blickte auf die Papiere.

Sein Gesicht wurde blass.

Lange sagte er nichts.

Dann setzte er sich langsam hin.

„Ich wollte nicht, dass du Angst bekommst“, begann er.

Sofia spürte, wie sich ihr Magen zusammenzog.

„Das ist keine Antwort.“

Daniel rieb sich mit beiden Händen über das Gesicht.

„Ich habe damals mit der Apotheke telefoniert. Es gab eine Rückfrage zu einem Rezept. Ich dachte, ich könnte das schnell klären.“

„Und hast du die Dosierung verändert?“

„Nein“, sagte er sofort. „Ich habe keine Medikamente geändert.“

„Warum steht dann dein Name auf diesem Zettel?“

Daniel blickte auf den Tisch.

„Weil ich die Rückfrage beantworten sollte. Ich habe die Unterlagen weitergeleitet. Ich dachte, die Klinik würde alles prüfen.“

Sofia wollte ihm glauben. Doch sie brauchte mehr als seine Worte.

„Warum hast du mir das nicht erzählt?“

Daniel schwieg so lange, dass sie glaubte, er würde gar nicht mehr antworten.

Schließlich sagte er: „Weil ich wusste, dass etwas nicht stimmte. Ich habe die Rückfrage gesehen, aber ich dachte, sie sei erledigt. Als du später Schmerzen bekamst, hatte ich Angst, dass ich etwas übersehen hatte.“

Sofia starrte ihn an.

„Du hattest Angst?“

Er nickte, die Augen voller Tränen.

„Ich hätte es dir sagen müssen. Ich hätte darauf bestehen müssen, dass die Klinik alles überprüft. Stattdessen habe ich gehofft, dass es sich von selbst klärt.“

Sofia stand auf und ging zum Fenster.

Sie wusste noch nicht, ob Daniels Erklärung vollständig war. Sie wusste nicht, wer die Änderung vorgenommen hatte oder ob jemand bewusst gegen die medizinischen Anweisungen gehandelt hatte.

Aber sie wusste, dass Vertrauen nicht dadurch wiederhergestellt wurde, dass man eine unangenehme Wahrheit möglichst lange verschwieg.

„Ich brauche Zeit“, sagte sie schließlich. „Und ich brauche, dass du von jetzt an alles offenlegst. Jede Nachricht, jeden Anruf und jedes Dokument, das mit meiner Behandlung zu tun hatte.“

Daniel nickte.

„Das werde ich.“

„Nicht nur, weil ich dich darum bitte. Sondern weil unser Kind ein Recht darauf hat, dass wir die Wahrheit herausfinden.“

Er senkte den Kopf.

Draußen schnaubte Argus leise.

Sofia blickte zum Garten.

Der alte Hengst stand ruhig unter dem Apfelbaum. Er hatte keine medizinische Diagnose gestellt und keine Geheimnisse enthüllt. Doch sein ungewöhnliches Verhalten hatte sie dazu gebracht, auf ihre eigenen Fragen zu hören.

Und nun würde sie den Rest des Weges mit klaren Augen gehen.

Denn die wichtigste Frage war nicht länger, ob Argus etwas gespürt hatte.

Die wichtigste Frage war, **wer die auffällige Änderung in ihrer medizinischen Akte vorgenommen hatte – und warum niemand sie rechtzeitig darüber informiert hatte.**

Am nächsten Morgen sollte die Klinik die ersten Ergebnisse ihrer internen Prüfung mitteilen.

Doch noch bevor Sofia das Haus verließ, erschien eine Nachricht auf ihrem Handy.

Sie stammte von einer unbekannten Nummer.

*Wenn Sie wirklich wissen wollen, was mit Ihrem Rezept passiert ist, fragen Sie nach dem Namen der Person, die es zuletzt freigegeben hat.*

Darunter stand ein Name.

**Daniel Berger.**

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