Sie nahm ihr Funkgerät.

„Wir haben möglicherweise einen weiteren Wolf in der Nähe. Bitte die Beobachtungsteams informieren.“

Lena sah durch das Fenster zum Schuppen.

Das gerettete Tier stand inzwischen aufrecht. Es wirkte nicht mehr so erschöpft wie zuvor. Seine Ohren waren aufgerichtet, und sein Blick richtete sich immer wieder zum Wald.

### Die Nachricht am nächsten Morgen

Am nächsten Morgen kehrte Dr. Weber mit einem ungewöhnlich ernsten Gesichtsausdruck zurück.

„Wir haben in der Nacht weitere Spuren gefunden“, erklärte sie Lenas Mutter.

„Gibt es noch einen Wolf?“

„Ja. Unsere Kameras haben ein zweites Tier erfasst. Es scheint tatsächlich zu dem ersten zu gehören.“

Lena atmete erleichtert auf.

„Dann ist er nicht allein!“

Dr. Weber lächelte kurz.

„Das hoffen wir. Aber es gibt noch etwas.“

Sie zeigte ein Foto auf ihrem Tablet.

Darauf war der zweite Wolf zu sehen. Er stand am Rand einer Lichtung und blickte direkt in die Kamera.

Hinter ihm erkannte man einen beschädigten Zaun.

„Dieser Bereich gehört zu einem privaten Gelände“, erklärte die Tierärztin. „Dort wurde vor einigen Monaten eine kleine Auffangstation betrieben. Sie ist offiziell geschlossen.“

Lenas Mutter runzelte die Stirn.

„Warum ist sie geschlossen worden?“

Dr. Weber vergrößerte das Bild.

„Weil die Betreiber ihre Genehmigung verloren haben. Wir wissen allerdings noch nicht, ob die Tiere damals vollständig an andere Einrichtungen übergeben wurden.“

Lena blickte zwischen den Erwachsenen hin und her.

„Wollen Sie damit sagen, dass die beiden Wölfe von dort stammen?“

„Das ist eine Möglichkeit“, antwortete Dr. Weber. „Wir werden die Unterlagen prüfen und die zuständigen Behörden einschalten.“

Dann vibrierte ihr Telefon.

Sie las die Nachricht und wurde still.

„Was ist passiert?“, fragte Lenas Mutter.

Die Tierärztin hob langsam den Kopf.

„Wir haben gerade eine weitere Aufnahme erhalten.“

Sie drehte das Tablet zu ihnen.

Auf dem Bildschirm war der zweite Wolf zu sehen.

Doch diesmal stand er nicht allein.

Im Hintergrund bewegte sich ein drittes Tier.

Und neben dem beschädigten Zaun lag etwas, das wie eine alte Transportbox aussah.

Lena flüsterte:

„Gibt es noch mehr von ihnen?“

Dr. Weber nickte langsam.

„Das könnte sein. Und wenn das stimmt, müssen wir herausfinden, was mit diesen Tieren geschehen ist.“

Lena blickte zum Schuppen, in dem der erste Wolf inzwischen von Fachleuten versorgt wurde.

Sie hatte geglaubt, an diesem Nachmittag nur ein einzelnes Tier vor dem Ertrinken gerettet zu haben.

Doch nun deutete alles darauf hin, dass ihre zufällige Begegnung eine viel größere Geschichte ans Licht gebracht hatte.

**Und die nächste Frage ließ sie nicht mehr los: Wenn der erste Wolf so weit vom Wald entfernt im Fluss gelandet war – was war dann mit den anderen Tieren geschehen?**