# DREI GESCHWISTER FLOHEN VOR IHREM EIGENEN VATER – DOCH DER ARME BETTLER, DER IHNEN HALF, VERBARG EIN MILLIONENSCHWERES GEHEIMNIS! 😱💔

## Kapitel 2: Der Fremde an der Bushaltestelle

„Wir müssen mit dir sprechen“, sagte Lucía sanft und setzte sich neben Daniel auf die Bettkante.

Der Zehnjährige rieb sich die Augen. Als er die ernsten Gesichter seiner Geschwister sah, verschwand sein verschlafenes Lächeln sofort.

„Hat Papa wieder etwas kaputt gemacht?“, fragte er leise.

Fernando spürte, wie sich sein Magen zusammenzog. Er wollte seinen kleinen Bruder nicht schon wieder mit der Angst alleinlassen, die eigentlich kein Kind in diesem Alter kennen sollte.

„Nein, Dani. Aber wir müssen heute eine Reise machen.“

„Wohin?“

„Nach Mexiko-Stadt“, erklärte Lucía. „Dort lebt vielleicht eine Frau, die uns helfen kann. Sie heißt Elena. Mama hat früher oft von ihr erzählt.“

Daniel schwieg einen Moment.

„Und Papa? Kommt er mit?“

Fernando schüttelte den Kopf.

„Nein. Wir drei fahren allein.“

Der Junge blickte zwischen seinen Geschwistern hin und her. Dann zog er die Knie an die Brust.

„Wird er uns suchen?“

Diese Frage traf Fernando härter als alles, was sein Vater in der vergangenen Nacht gesagt hatte.

„Vielleicht“, antwortete er ehrlich. „Aber wir werden nicht mehr zulassen, dass du jeden Abend Angst haben musst.“

Er nahm Daniels Hand.

„Wir bleiben zusammen. Egal, was passiert.“

Daniel nickte langsam und umarmte seinen großen Bruder so fest, als hätte er Angst, ihn schon in der nächsten Sekunde zu verlieren.

Lucía wandte sich ab, damit keiner ihre Tränen bemerkte.

Sie wusste, dass Fernando stark sein wollte. Doch sie wusste auch, wie müde er war. Seit dem Tod ihrer Mutter hatte er tagsüber auf Baustellen gearbeitet, abends in einer kleinen Werkstatt ausgeholfen und nachts versucht, seinen Geschwistern ein Zuhause zu geben.

Ein Zuhause, das längst keines mehr war.

An diesem Morgen würden sie es endgültig verlassen.

### Der Abschied, den niemand sehen sollte

Eine Stunde später standen die drei Geschwister vor dem kleinen Haus.

Fernando trug einen abgenutzten Rucksack mit den wichtigsten Kleidungsstücken. Lucía hatte ihr Skizzenbuch, einige persönliche Sachen und ein Foto ihrer Mutter eingepackt. Daniel hielt einen kleinen Stoffhund fest, den Teresa ihm kurz vor ihrem Tod geschenkt hatte.

Mehr besaßen sie nicht.

Fernando blickte ein letztes Mal auf die Tür, hinter der so viele Erinnerungen zurückblieben: die Geburtstagskuchen ihrer Mutter, ihre leisen Lieder am Abend und die wenigen glücklichen Tage, an denen Ernesto noch ein anderer Mensch gewesen war.

„Bist du bereit?“, fragte Lucía.

Fernando antwortete nicht sofort.

„Ich bin bereit, euch hier herauszubringen.“

Sie gingen die Straße hinunter, ohne sich umzudrehen.

Am Ende der Gasse kaufte Fernando von einem Straßenhändler drei einfache Brötchen und eine Flasche Wasser. Das Geld in seiner Tasche war plötzlich schwerer als sonst. Jeder ausgegebene Peso brachte sie näher an den Punkt, an dem sie nichts mehr haben würden.

Doch umkehren kam nicht infrage.

Als sie die kleine Bushaltestelle erreichten, war die Sonne bereits hoch gestiegen. Einige Menschen warteten auf den Bus nach Oaxaca-Stadt. Ein alter Mann las Zeitung, eine Mutter versuchte, ihr weinendes Baby zu beruhigen, und zwei Arbeiter unterhielten sich über ihre Schicht.

Dann hörte Fernando eine Stimme hinter sich.

„Fernando Ramírez!“

Sein Herz setzte einen Schlag aus.

Er drehte sich um.

Am anderen Ende der Straße stand sein Vater.

Er trug dasselbe zerknitterte Hemd wie in der vergangenen Nacht. Sein Gesicht war gerötet, seine Haare standen wirr ab, und in seinen Augen lag jener Ausdruck, der Fernando seit Jahren in Angst versetzte.

„Du glaubst tatsächlich, du kannst einfach verschwinden?“, rief Ernesto.

Lucía packte Daniels Hand.

„Fernando …“

„Geht hinter mich“, flüsterte er.

Ernesto kam näher.

„Du nimmst meine Kinder und verschwindest mit meinem Geld?“

„Es ist mein Erspartes“, entgegnete Fernando. „Ich habe dafür gearbeitet.“

„Du bist siebzehn! Du entscheidest hier gar nichts!“

Einige Wartende drehten sich um. Niemand schien genau zu wissen, was vor sich ging.

Fernando zwang sich, ruhig zu bleiben.

„Wir wollen keinen Streit. Lass uns einfach gehen.“

Ernesto lachte bitter.

„Du willst gehen? Und wer bezahlt dann meine Schulden? Wer kümmert sich um dieses Haus? Wer sorgt dafür, dass ich nicht allein dastehe?“

Lucía trat zitternd einen Schritt nach vorn.

„Wir sind deine Kinder, Papa. Nicht deine Diener.“

Für einen Augenblick herrschte Stille.

Ernesto sah sie an, als hätte sie ihn beleidigt.

Dann zeigte er auf Fernando.

„Du hast deine Geschwister gegen mich aufgehetzt! Deine Mutter hat dich schon immer glauben lassen, du wärst besser als ich.“

Fernando ballte die Hände, ließ sie aber gleich wieder locker.

„Sprich nicht so über Mama.“

„Du willst mir vorschreiben, was ich sagen darf?“

Die Stimme seines Vaters wurde lauter. Menschen blieben stehen. Daniel begann zu weinen.

Da stellte sich ein älterer Mann zwischen Ernesto und die Geschwister.

Er war dünn, trug eine verblichene Jacke und hatte einen ungepflegten Bart. Neben ihm stand ein alter Einkaufswagen mit einigen zusammengebundenen Kartons. Seine Schuhe waren an den Spitzen eingerissen.