Ich stand wie angewurzelt vor dem offenen Kleiderschrank.
Zwischen den kleinen Bodys und den gefalteten Babydecken lag etwas, das dort niemals hätte sein dürfen: ein kleines, schwarzes Gerät mit einem winzigen blinkenden Licht.
Zunächst dachte ich, es wäre ein Spielzeug. Doch als ich es vorsichtig aufhob, erkannte ich, dass es sich um ein elektronisches Aufnahmegerät handelte.
Mein Herz begann schneller zu schlagen.
„Was zum Teufel ist das?“
Ich drehte das Gerät in meinen Händen. An der Seite befand sich eine kleine Speicherkarte. Ich hatte keine Ahnung, wie lange es schon dort lag oder wem es gehörte.
In diesem Moment hörte ich hinter mir Saras Stimme.
„Was hast du gefunden?“
Sie stand in der Tür. Ihr Gesicht war blass, und eine Hand lag schützend auf ihrem Bauch.
Ich zeigte ihr das Gerät.
„Hast du das schon einmal gesehen?“
Sara schüttelte langsam den Kopf.
„Nein. Ich dachte, Rex hätte nur die Sachen aus dem Schrank gezogen.“
Ich betrachtete das Gerät erneut.
Plötzlich erinnerte ich mich an das Verhalten meines Hundes. Er hatte nicht wahllos Gegenstände zerbissen. Er hatte immer wieder dieselbe Stelle im Schrank aufgesucht. Er hatte gebellt, die Kleidung herausgezogen und mich anschließend mit diesem seltsamen Blick angesehen.
Vielleicht hatte er etwas bemerkt, das wir Menschen übersehen hatten.
Ich setzte mich an den Schreibtisch und verband das Gerät mit meinem Computer. Nach einigen Minuten erschien eine Liste mit mehreren gespeicherten Aufnahmen.
Die älteste Datei stammte von drei Tagen zuvor.
Ich startete die Wiedergabe.
Zunächst hörte ich nur ein leises Rascheln. Dann eine Stimme.
Es war nicht Saras Stimme.
Es war die Stimme eines Mannes.
„… sie darf davon nichts erfahren. Solange das Gerät dort bleibt, können wir alles beobachten.“
Ich erstarrte.
Sara trat näher.
„Wer ist das?“
„Ich weiß es nicht.“
Wir hörten weiter.
Der Mann sprach über das Kinderzimmer, über einen Schrank und darüber, dass niemand das kleine Gerät entdecken sollte.
Dann wurde die Aufnahme plötzlich unterbrochen.
Ich sah Sara an.
„Wir müssen herausfinden, wer das getan hat.“
Doch sie sagte nichts. Ihr Blick war auf den Bildschirm gerichtet.
In diesem Moment begriff ich, wie ernst die Situation sein könnte. Wir wussten nicht, wer Zugang zu unserem Haus gehabt hatte. Wir wussten nicht, warum jemand ein Aufnahmegerät im Zimmer unseres ungeborenen Kindes versteckt hatte.
Ich rief deshalb die Polizei und erklärte, was wir gefunden hatten. Das Gerät wurde gesichert, und die Beamten kündigten an, die Herkunft der Aufnahme untersuchen zu lassen.
Aber während ich mit ihnen sprach, dachte ich nur an Rex.
Mein Hund hatte uns etwas zeigen wollen.
Und ich hatte ihn dafür bestraft.
Ich rannte zum Fenster und blickte in den Garten.
Rex lag noch immer unter dem kleinen Vordach. Sein Körper war zusammengerollt, sein Fell vom Regen durchnässt.
„Oh nein …“
Ich griff nach meiner Jacke und öffnete die Haustür.
„Rex!“
Er hob langsam den Kopf.
Normalerweise wäre er sofort aufgesprungen. Er hätte mit dem Schwanz gewedelt und wäre zu mir gelaufen. Doch diesmal blieb er liegen.
Ich ging zu ihm, kniete mich in den feuchten Garten und legte vorsichtig eine Hand auf seinen Rücken.
„Es tut mir leid, mein Junge.“
Rex sah mich an.
In seinen Augen lag keine Wut. Nur Müdigkeit.
Ich holte seine Decke und brachte ihn ins Haus. Anschließend trocknete ich sein Fell vorsichtig ab und stellte ihm frisches Wasser und Futter hin.
Sara kam aus dem Kinderzimmer.
Als sie Rex sah, blieb sie stehen.
„Rex …“
Sie kniete sich neben ihn und streichelte vorsichtig seinen Kopf.
„Es tut mir leid. Ich hatte solche Angst und habe nicht verstanden, was du uns zeigen wolltest.“
Rex legte seinen Kopf auf ihre Knie.
Zum ersten Mal seit drei Tagen schien die Anspannung im Haus ein wenig nachzulassen.
Doch die Geschichte war noch lange nicht vorbei.
Am nächsten Morgen meldete sich die Polizei erneut. Die Ermittler hatten die Aufnahme genauer untersucht und eine weitere Datei entdeckt, die zuvor nicht richtig angezeigt worden war.
Ich stellte den Lautsprecher an.
Diesmal war die Stimme deutlicher.
„Wenn sie das Gerät entdeckt, müssen wir uns eine andere Lösung überlegen. Niemand darf erfahren, dass wir überhaupt im Haus waren.“
Sara griff nach meiner Hand.
„Wer war das?“
Ich hörte die Aufnahme ein zweites Mal.
Dann erkannte ich plötzlich die Stimme.
Mir wurde kalt.
Es war ein Mann, den wir beide kannten.
Ein Mann, der erst wenige Tage zuvor bei uns gewesen war. Ein Mann, dem wir vertraut hatten und den wir sogar gebeten hatten, uns bei den Vorbereitungen für das Babyzimmer zu helfen.
Es war mein eigener Bruder Daniel.
Ich konnte es nicht glauben.
Doch bevor ich ihn zur Rede stellen konnte, erschien auf meinem Telefon eine neue Nachricht von ihm:
„Wir müssen reden. Es geht um Sara und das Baby. Und bitte bring Rex nicht mit.“
Ich starrte auf den Bildschirm.
Warum hatte mein Bruder solche Angst vor unserem Hund?
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