Sie war ein eigenständiger Mensch, der sich einer Behandlung unterzog, und meine Aufgabe bestand darin, ihre Krankheit nicht in eine Gelegenheit für meine eigene Wiedergutmachung zu verwandeln.

Einen Monat später zeigten die Untersuchungen ein gutes Ansprechen auf die erste Phase der Therapie, doch die Ärztin warnte, dass noch ein erheblicher Teil der Behandlung bevorstand.

Maja erlaubte mir zum ersten Mal, bei einem Beratungsgespräch dabei zu sein, aber erst nachdem sie der Ärztin selbst alle Fragen gestellt hatte, die sie für wichtig hielt.

Ich hörte zu und notierte die Termine, ohne sie zu unterbrechen, und bemerkte danach, wie ungewohnt es für mich war, nicht die wichtigste Person im Raum zu sein.

Nach dem Gespräch gingen wir ins Krankenhauscafé, wo Maja zum ersten Mal seit langer Zeit beinahe ein ganzes Gebäck mit Kirschfüllung aß.

Sie lachte, als Puderzucker an meinem Ärmel hängen blieb, und dieses kurze Lachen brachte plötzlich die vertraute Stimme der Frau zurück, die sie früher gewesen war.

Am Abend ging es ihr jedoch schlechter, und die nächsten vierundzwanzig Stunden erinnerten mich daran, dass schöne Momente die Realität einer schweren und erschöpfenden Behandlung nicht aufheben.

Ich wollte über Nacht an ihrem Bett bleiben, doch Maja bat mich, nach Hause zu fahren, weil sie sich unter ständiger besorgter Beobachtung nicht ausruhen konnte.

Früher wäre ich beleidigt gewesen, aber jetzt ließ ich mein Telefon einfach eingeschaltet und ging, weil ich verstand, dass Fürsorge manchmal tatsächlich wie Abstand aussieht.

Am nächsten Tag traf mich Majas Cousine Oksana am Aufzug und erzählte mir zum ersten Mal, wie die ersten Wochen nach der Diagnose verlaufen waren.

Ihr zufolge wollte Maja die Krankheit zunächst vor allen geheim halten, weil sie Angst hatte, zu einem Menschen zu werden, den andere nur noch als Patientin sahen.

Oksana überzeugte sie, wenigstens ihrer Mutter und einigen nahestehenden Menschen davon zu erzählen, aber Maja verbot ausdrücklich, mich ohne ihre Zustimmung anzurufen.

Ich fragte damals, ob sie so wütend auf mich gewesen sei, doch Oksana antwortete, der Grund sei nicht Wut, sondern Angst gewesen.

Maja fürchtete, ich würde zurückkehren, dann aus Pflichtgefühl bleiben und sie eines Tages für mein eigenes Opfer hassen.

Dieser Gedanke verfolgte mich mehrere Tage, weil er den Mann, zu dem ich nach unserer früheren Ehe hätte werden können, viel zu genau beschrieb.

Ich musste mir ehrlich eingestehen, dass ich wahrscheinlich zu ihr gerannt wäre und verlangt hätte, alles von vorne zu beginnen, wenn sie mich direkt nach der Diagnose angerufen hätte.

Damals verstand ich noch nicht den wirklichen Unterschied zwischen Liebe, Schuldgefühl, Todesangst und der Bereitschaft, gemeinsam eine Beziehung auf eine andere Weise weiterzuführen.

Diese Erkenntnis war schmerzhaft, aber hilfreich, weil sie mir zum ersten Mal erlaubte, Majas Schweigen nicht mehr als weiteren Verrat zu betrachten.

Nach zwei Monaten Behandlung begann ihr Haar wieder zu wachsen, zunächst in weichen kurzen Strähnen, die sie ständig vor dem Spiegel berührte.

Einmal sagte ich, dass es ihr gut stehe, und Maja antwortete, dass sie zum ersten Mal seit Jahren ihr Aussehen nicht mehr nach meiner Zustimmung auswähle.

Wir mussten beide lachen, weil der Satz schärfer klang, als sie beabsichtigt hatte, doch trotzdem lag darin eine wichtige Wahrheit.

Nach und nach drehten sich unsere Gespräche nicht mehr nur um das Krankenhaus, und wir sprachen wieder über Filme, Arbeit, Nachbarn und lustige Geschichten von Bekannten.

Ich erzählte ihr, dass ich das Projekt verlassen hatte, das mich ständig dazu zwang, lange im Büro zu bleiben, und dass ich zum ersten Mal seit Jahren jede Woche zu einem Psychologen ging.

Maja lobte mich nicht und sagte nicht, dass sie stolz auf mich sei, sondern fragte nur, warum ich das nicht viel früher getan hatte.

Ich antwortete ehrlich, dass ich früher die Fähigkeit, schweigend auszuhalten, für ein Zeichen von Reife hielt, obwohl ich in Wahrheit einfach Angst hatte, meinen eigenen Schmerz anzusehen.

Sie sagte, dass sie dieses Gefühl kenne, und zum ersten Mal konnten wir über die verlorenen Schwangerschaften sprechen, ohne einander auszuweichen oder schnell das Thema zu wechseln.

Wir erinnerten uns an die Namen, die wir einst für unsere Kinder ausgesucht hatten, und weinten nicht, weil wir die Vergangenheit zurückhaben wollten, sondern weil wir sie endlich anerkannten.

Nach dem Gespräch sagte Maja, dass sie sich zum ersten Mal nicht mehr schuldig gegenüber den Kindern fühle, die wir nie lebend nach Hause bringen konnten.

Auch ich begriff, dass ich meine eigene Trauer jahrelang als persönliches Versagen betrachtet und deshalb den Menschen gemieden hatte, der denselben Verlust erlebt hatte.

Gegen Ende des Sommers teilten die Ärzte mit, dass die Behandlung das erwartete Ergebnis erzielt hatte, doch Maja brauchte weiterhin regelmäßige Kontrollen und Nachuntersuchungen.

Wir verließen das Sprechzimmer und blieben an genau der Stelle im Korridor stehen, an der ich sie einige Monate zuvor zum ersten Mal wieder gesehen hatte.

Maja blickte auf den Stuhl und sagte, dass sie damals überzeugt gewesen sei, unsere Begegnung würde nur ein weiterer schmerzhafter Zufall nach der Scheidung werden.