Anna, seine Schwester, hatte das Kind später aufgenommen, nachdem Markus ihr eingeredet hatte, Emma sei allein und habe keine Familie mehr.

„Warum hat er sie nicht zurückgebracht?“, fragte Daniel.

Anna wischte sich die Tränen aus dem Gesicht.

„Weil er Angst hatte, dass alles ans Licht kommen würde. Er sagte mir, dass Sie gefährlich seien und Emma bei Ihnen nicht sicher wäre. Ich habe ihm geglaubt. Oder vielleicht wollte ich ihm glauben, weil es einfacher war, als mich der Wahrheit zu stellen.“

Daniel konnte ihr nicht sofort verzeihen.

Keine Entschuldigung konnte sieben Jahre zurückgeben.

Doch jetzt wusste er, wer dafür verantwortlich war.

Und er wusste, dass Markus noch immer eine Gefahr darstellen konnte.

***

Am Abend kam ein weiterer Anruf.

Diesmal war es Markus selbst.

„Du hast also angefangen, Fragen zu stellen“, sagte er ruhig.

Daniel umklammerte das Telefon.

„Ich weiß, was du getan hast.“

„Du weißt gar nichts.“

„Ich weiß, dass du meine Tochter genommen hast.“

Markus lachte leise.

„Du solltest dich fragen, warum Clara dir nie die ganze Wahrheit erzählt hat.“

Daniel schwieg.

„Wenn du Emma wirklich wiederhaben willst, komm morgen um zehn Uhr zum alten Bahnhof. Allein. Bring keine Polizei mit.“

„Warum sollte ich das tun?“

„Weil ich dir etwas geben werde, das du seit sieben Jahren suchst.“

Die Verbindung brach ab.

Daniel blieb lange regungslos stehen.

Dann ging er zu Sophie, die auf dem Sofa saß und ein Bild malte. Sie hatte drei Menschen gezeichnet: eine Frau, einen Mann und ein kleines Mädchen, die sich an den Händen hielten.

Über ihnen hatte sie eine gelbe Sonne gemalt.

„Wer sind die Menschen auf deinem Bild?“, fragte Daniel sanft.

Sophie zeigte auf die Frau.

„Das ist die Mama aus meinen Träumen.“

Dann zeigte sie auf den Mann.

„Und das bist vielleicht du.“

Daniel setzte sich neben sie.

„Vielleicht“, flüsterte er.

Sophie nahm seine Hand.

„Wenn ich wirklich deine Tochter bin, wirst du dann wieder weggehen?“

Daniel spürte, wie ihm die Tränen in die Augen stiegen.

„Nein“, sagte er. „Ich werde dich nie wieder freiwillig verlassen.“

Doch während er das versprach, wusste er, dass die Geschichte noch nicht zu Ende war.

Denn am nächsten Morgen würde er Markus Weber gegenüberstehen.

Und vielleicht endlich erfahren, was Clara vor ihrem Tod wirklich entdeckt hatte.

Was Daniel jedoch nicht wusste, war, dass Anna in derselben Nacht einen zweiten Brief in seiner Jackentasche versteckte.

Einen Brief, den Clara kurz vor ihrem Tod geschrieben hatte.

Auf dem Umschlag standen nur fünf Worte:

**Öffne diesen Brief, wenn Emma zurückkehrt.**

Und darunter, in Claras vertrauter Handschrift, stand ein Satz, der alles verändern sollte:

*Daniel, wenn du unsere Tochter wiederfindest, musst du ihr sagen, dass sie nicht das einzige Kind ist, das damals verschwunden ist.*

→

Recently Viewed

Stories you read recently will appear here.