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## Teil 2 – Der Kunde, der den ganzen Supermarkt auf den Kopf stellte
Der junge Filialleiter sah mich mit unverhohlener Verachtung an.
„Haben Sie nicht gehört, was ich gesagt habe? Das ist eine Angelegenheit zwischen mir und dieser Frau. Sie sollten sich um Ihren eigenen Einkauf kümmern!“
Ich stellte meinen Einkaufskorb auf den Boden.
„Nein“, antwortete ich ruhig. „Es ist inzwischen auch meine Angelegenheit. Diese Frau wollte lediglich Brot kaufen. Sie hat Ihnen sogar ihr Geld gezeigt. Warum behandeln Sie sie, als hätte sie etwas gestohlen?“
Die ältere Dame stand neben dem Regal und hielt ihre kleine Geldbörse mit beiden Händen fest.
Ihre Augen waren feucht.
„Ich wollte wirklich nur ein Brot“, sagte sie leise. „Mein Enkel wartet zu Hause auf mich.“
Der Filialleiter verdrehte die Augen.
„Wir können hier nicht jeden hereinlassen, der Mitleid erregen möchte.“
Einige Kunden tauschten entsetzte Blicke aus.
Eine Kassiererin senkte den Kopf. Ein anderer Mitarbeiter schien etwas sagen zu wollen, wagte es aber nicht.
Ich blickte zum Sicherheitsmitarbeiter, der inzwischen näher gekommen war.
„Bitte lassen Sie die Dame in Ruhe. Sie hat nichts getan.“
Der Filialleiter lachte spöttisch.
„Und wer sind Sie, dass Sie hier Anweisungen geben?“
Ich sah ihn ruhig an.
„Mein Name ist Viktor Andrejew. Und ich möchte, dass Sie mir erklären, warum ein zahlender Kunde aus Ihrem Geschäft geworfen werden soll.“
Er schnaubte.
„Das interessiert mich nicht. Sie können sich beschweren, wenn Ihnen unsere Regeln nicht gefallen.“
Dann wandte er sich an den Sicherheitsmitarbeiter.
„Bringen Sie beide hinaus!“
Doch der Sicherheitsmitarbeiter bewegte sich nicht.
Stattdessen sah er mich an und fragte vorsichtig:
„Herr Andrejew, soll ich jemanden aus der Geschäftsleitung verständigen?“
Der Filialleiter erstarrte.
### Die Frau mit der kleinen Geldbörse
Bevor jemand antworten konnte, beugte sich die ältere Dame nach ihrem Einkaufskorb.
Darin lagen nur ein Brot, eine kleine Packung Milch und ein Päckchen Tee.
„Bitte“, sagte sie, „ich möchte keinen Ärger verursachen. Ich kann auch woanders hingehen.“
Ich wandte mich ihr zu.
„Sie verursachen keinen Ärger. Sie sind hier, um einzukaufen. Genau wie alle anderen.“
Sie sah mich unsicher an.
„Aber der Herr sagt, ich gehöre nicht hierher.“
Ich nahm ihren Korb und stellte ihn vorsichtig neben den Kassenbereich.
„Darf ich Ihren Namen erfahren?“
„Dimitrova. Maria Dimitrova.“
„Frau Dimitrova, Sie müssen sich für Ihre Kleidung oder Ihr Geld nicht schämen.“
Sie blickte auf ihren alten Mantel.
„Mein Mann ist vor einigen Jahren gestorben. Seitdem muss ich mit meiner kleinen Rente sehr genau rechnen. Heute habe ich mein Geld bekommen und wollte für meinen Enkel etwas zum Abendessen kaufen.“
Sie öffnete erneut ihre Geldbörse.
Einige Banknoten waren an den Rändern eingerissen und mit Klebeband zusammengehalten.
„Ich weiß, dass das Geld nicht schön aussieht“, sagte sie. „Aber es ist gültig. Ich habe es von der Bank bekommen.“
Die Kassiererin, die das Gespräch mitgehört hatte, trat einen Schritt näher.
„Frau Dimitrova, ich kann Ihnen helfen. Wir können das Geld gemeinsam prüfen.“
Der Filialleiter fuhr sie sofort an:
„Sie halten sich da raus!“
Die junge Frau zuckte zusammen.
Und nun war für mich endgültig klar, dass es nicht nur um eine unfreundliche Bemerkung ging.
### Der Anruf, den niemand erwartet hatte
Ich nahm mein Telefon aus der Tasche.
Der Filialleiter grinste.
„Wollen Sie jetzt jemanden anrufen? Nur zu. Das wird nichts ändern.“
Ich wählte eine Nummer.
„Guten Tag, hier ist Viktor Andrejew. Ich befinde mich gerade in unserer Filiale am Hauptplatz. Bitte verbinden Sie mich mit der regionalen Geschäftsleitung. Es geht um das Verhalten des Filialleiters.“
Das Grinsen verschwand langsam aus seinem Gesicht.
„Ihrer Filiale?“, wiederholte er.
Ich beendete das Gespräch und steckte das Telefon wieder ein.
„Ja. Unserer Filiale.“
Er lachte unsicher.
„Ach, jetzt sind Sie also plötzlich der Besitzer?“
Ich antwortete nicht.
Stattdessen bat ich die Kassiererin um den Namen des Filialleiters.
„Herr Petrow“, sagte sie leise.
Ich nickte.
„Gut. Herr Petrow, bis die Geschäftsleitung hier ist, möchte ich, dass Frau Dimitrova ihren Einkauf in Ruhe bezahlen kann.“
„Das werde ich ganz sicher nicht zulassen!“
In diesem Moment öffnete sich die Eingangstür.
Eine Frau in einem dunklen Blazer kam herein. Neben ihr ging der regionale Geschäftsführer, Herr Stefanow.
Er sah mich und blieb sofort stehen.
„Herr Andrejew! Wir haben Sie heute gar nicht erwartet.“
Der Filialleiter wurde kreidebleich.
### Die Wahrheit über den geheimnisvollen Kunden
Herr Stefanow trat zu mir.
„Ist etwas passiert?“
Ich deutete auf Frau Dimitrova.
„Diese Kundin wurde gerade als Bettlerin beschimpft und sollte aus dem Geschäft geworfen werden, obwohl sie bezahlen wollte.“
Der regionale Geschäftsführer blickte zum Filialleiter.
„Herr Petrow, stimmt das?“
„Nein, also … die Situation wurde falsch verstanden.“
Ich unterbrach ihn.
„Ich habe alles gehört. Sie haben die Kundin nicht nach ihrem Anliegen gefragt. Sie haben sie beleidigt und anschließend den Sicherheitsdienst gerufen.“
Herr Petrow versuchte, sich zu rechtfertigen.
„Ich wollte nur verhindern, dass sich hier Menschen aufhalten, die unsere Kunden stören.“
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