„Weg. Aber sie werden wahrscheinlich wiederkommen.“
Carlos nickte.
„Dann warten wir eben.“
Maria stellte mehrere Gläser auf die Theke.
„Ihr müsst nicht alle hierbleiben. Ich möchte nicht, dass wegen dieser Sache jemand Ärger bekommt.“
Carlos schüttelte den Kopf.
„Maria, du hast uns damals geholfen, als wir selbst nicht wussten, wohin. Erinnerst du dich noch?“
Sie lächelte schwach.
„Das ist lange her.“
„Für uns nicht.“
Er drehte sich zu den anderen.
„Leute, heute geht es nicht darum, jemanden einzuschüchtern. Wir sind hier, weil eine Frau, die uns früher geholfen hat, ungerecht behandelt wurde. Wir werden ruhig bleiben, und wenn die vier Männer zurückkommen, sollen sie ihre Rechnung bezahlen und sich entschuldigen.“
Maria nickte dankbar.
Dann begann sie, Kaffee zuzubereiten.
Zur gleichen Zeit erhielten Stefan und seine Freunde eine Nachricht von einem Bekannten.
„Habt ihr schon gehört, was auf der Landstraße los ist?“
Stefan blickte auf sein Telefon.
„Was denn?“
„Vor diesem kleinen Lokal stehen plötzlich jede Menge Motorräder. Angeblich ist dort eine große Gruppe angekommen.“
Markus grinste.
„Vielleicht hat die alte Frau tatsächlich ihre ganze Familie angerufen.“
Der Bekannte schickte ein weiteres Foto.
Stefan öffnete es.
Sein Lächeln verschwand langsam.
Auf dem Bild war Carlos zu sehen.
Er kannte diesen Mann.
Jeder, der in der regionalen Motorradszene unterwegs war, kannte ihn. Carlos war nicht nur ein erfahrener Fahrer, sondern auch Vorsitzender eines bekannten Motorradvereins, der regelmäßig Veranstaltungen für wohltätige Zwecke organisierte und sich für ältere Menschen einsetzte.
Stefan schluckte.
„Was ist?“, fragte Thomas.
Er hielt ihm das Telefon hin.
Thomas betrachtete das Foto und wurde ebenfalls ernst.
„Moment mal. Ist das nicht Carlos?“
„Doch“, murmelte Stefan.
Markus versuchte, die Situation herunterzuspielen.
„Na und? Was hat der mit uns zu tun?“
Stefan antwortete nicht sofort.
Dann sagte er:
„Ich glaube, wir sollten vielleicht zurückfahren.“
Daniel sah ihn überrascht an.
„Jetzt fällt dir das auch ein?“
Eine Stunde später kehrten die vier Männer tatsächlich zum Lokal zurück.
Diesmal war ihr Auftreten deutlich weniger selbstsicher.
Sie stellten ihre Motorräder am Rand des Parkplatzes ab und sahen sich um.
Fast zwanzig Maschinen standen vor dem Gebäude.
Die Männer saßen an den Tischen, tranken Kaffee und unterhielten sich ruhig. Niemand versperrte den vier Neuankömmlingen den Weg.
Maria kam aus der Küche.
„Ach, ihr seid wieder da“, sagte sie freundlich.
Stefan räusperte sich.
„Guten Tag.“
„Guten Tag. Was kann ich für euch tun? Möchtet ihr noch etwas essen?“
Keiner der Männer antwortete sofort.
Carlos stand langsam auf.
„Ihr habt heute Mittag hier gegessen, richtig?“
Stefan nickte.
„Ja. Wir wollten eigentlich …“
„Ihr wolltet eigentlich gehen, ohne zu bezahlen“, unterbrach Carlos ihn ruhig.
Markus verschränkte die Arme.
„Das war doch nur ein Scherz. Wir wollten die Frau nicht verletzen.“
Maria sah ihn an.
„Und was genau war daran lustig?“
Markus öffnete den Mund, fand aber keine Antwort.
Carlos blieb ruhig.
„Die Rechnung liegt noch auf dem Tisch. Ihr könnt sie jetzt bezahlen. Danach könnt ihr euch bei Maria entschuldigen.“
Stefan griff in seine Jackentasche und zog seine Geldbörse heraus.
„Wie viel macht das?“
Maria nannte den Betrag.
Stefan bezahlte sofort. Dann legte er zusätzlich einige Geldscheine auf den Tisch.
„Das ist für die Umstände.“
Maria betrachtete das Geld, schob es aber zurück.
„Ich möchte nur das, was ihr tatsächlich schuldet. Ich brauche kein zusätzliches Geld, damit ihr euch besser fühlt.“
Diese Antwort überraschte die Männer mehr als alles andere.
Daniel trat einen Schritt nach vorn.
„Es tut mir leid“, sagte er. „Ich hätte etwas sagen müssen, als meine Freunde beschlossen haben, einfach zu gehen. Ich wusste, dass es falsch war, und habe trotzdem geschwiegen.“
Maria sah ihn einen Moment lang an.
Dann nickte sie.
„Das war immerhin ehrlich.“
Stefan senkte den Kopf.
„Wir haben uns danebenbenommen. Entschuldigen Sie.“
Auch die beiden anderen murmelten eine Entschuldigung.
Doch Carlos war noch nicht fertig.
„Eine Sache solltet ihr verstehen“, sagte er. „Maria ist nicht allein, nur weil sie ihr Geschäft ohne Angestellte führt. Und selbst wenn sie keine einzige Person hinter sich hätte, würde ihr das Recht auf Respekt nicht fehlen.“
Die Männer schwiegen.
Maria stellte eine Kanne Kaffee auf den Tisch.
„Setzt euch“, sagte sie schließlich. „Wenn ihr schon zurückgekommen seid, könnt ihr wenigstens in Ruhe austrinken.“
Stefan sah sie überrascht an.
„Sie laden uns noch einmal ein?“
„Nein“, antwortete Maria mit einem kleinen Lächeln. „Diesmal bezahlt ihr vorher.“
Einige der Motorradfahrer lachten.
Sogar Stefan musste kurz lächeln.
Doch dann geschah etwas Unerwartetes.
Carlos trat zu Maria und legte ihr eine kleine Mappe auf den Tresen.
„Maria, wir sind nicht nur wegen der Rechnung gekommen.“
Sie runzelte die Stirn.
„Was ist das?“
„Wir haben vor einigen Wochen erfahren, dass dein Lokal möglicherweise verkauft werden muss.“
Maria erstarrte.
„Wer hat euch das erzählt?“
Carlos sah sie ernst an.
„Ein Lieferant. Er meinte, du hättest Schwierigkeiten mit den steigenden Kosten und würdest darüber nachdenken, das Geschäft aufzugeben.“
Maria senkte den Blick.
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