Mathieu runzelte die Stirn.

„Welchen Fehler?“

„Ich habe einen Vertrag geprüft, den Ihr Vater unterschreiben sollte.“

„Welchen Vertrag?“

„Eine Übertragung seines Hauses.“

Mathieu stand sofort auf.

„Er sollte sein Haus überschreiben?“

„Ja.“

„An wen?“

Die Antwort kam leise.

„An Ihre Ehefrau und deren Bruder.“

Mathieu schloss die Augen.

Alles fügte sich zusammen.

Die leeren Schränke.

Die kontrollierten Konten.

Die angebliche Verwirrtheit seines Vaters.

Sie hatten nicht nur Geld genommen.

Sie hatten versucht, Henri Schritt für Schritt alles zu nehmen.

Sein Einkommen.

Seine Würde.

Sein Zuhause.

Noch in derselben Nacht ging Mathieu in die Werkstatt.

Er öffnete das alte Fenster und ließ die kalte Luft herein.

Auf der Werkbank lag ein kleines Holzstück.

Ein halbfertiges Spielzeug, das Henri für seinen Enkel gemacht hatte.

Mathieu nahm es in die Hand.

Zum ersten Mal seit seiner Rückkehr weinte er.

Nicht wegen des Geldes.

Nicht wegen Nathalie.

Sondern wegen der Erkenntnis, dass sein Vater monatelang allein in diesem Haus gesessen hatte und geglaubt hatte, niemand würde ihm glauben.

Am nächsten Morgen klingelte es.

Nathalie stand vor der Tür.

Doch sie war nicht allein.

Neben ihr stand ein Mann mit einem Aktenkoffer.

Ein Notar.

„Mathieu“, sagte sie ruhig.

„Wir müssen reden.“

Er blieb in der Tür stehen.

„Worüber?“

Sie lächelte schwach.

„Über deinen Vater.“

„Zu spät.“

Ihr Lächeln verschwand.

„Du verstehst nicht, was du gerade tust.“

Mathieu sah sie an.

„Doch.“

Er öffnete die Tür weiter.

Hinter ihm stand Henri.

Mit seinem Gehstock.

Aber aufrecht.

„Er hat endlich jemanden, der ihm zuhört.“

Der Notar räusperte sich.

„Herr Caron, ich habe Dokumente, die Ihr Vater vor seinem Unfall unterschreiben sollte.“

Henri sah den Mann an.

Dann sagte er nur einen Satz:

„Diesmal unterschreibe ich nichts.“

Der Notar wurde blass.

Denn in diesem Moment wusste er:

Der alte Mann, den sie für schwach gehalten hatten, war zurück.

Und er hatte Beweise.

Doch bevor der Notar gehen konnte, vibrierte Mathieus Telefon.

Eine neue Nachricht.

Von derselben unbekannten Nummer.

Diesmal stand dort nur:

„Sie haben noch nicht erfahren, warum Ihre Frau wirklich zurückgekommen ist.“

Mathieu blickte langsam zu Nathalie.

Und zum ersten Mal fragte er sich:

War sein Vater wirklich das einzige Opfer gewesen?

Oder war Henri nur der Anfang?

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