Und nun musste Clara sich zum ersten Mal fragen, ob sie ihn überhaupt noch zurückhaben konnte.

Kapitel 5: Die Entscheidung des Vorsitzenden
INT. VORSTANDSBÜRO – GLEICHZEITIG

Adrian stand vor einem großen Bildschirm, auf dem die Ergebnisse der ersten internen Prüfung angezeigt wurden.

Henry Collins saß am Konferenztisch.

„Es gibt ein Problem“, sagte der Vorsitzende.

Adrian wandte sich um.

„Was für ein Problem?“

Collins schob ihm eine Mappe zu.

„Einige Verträge wurden vor Jahren so gestaltet, dass bestimmte Anteile der Unternehmensgruppe nur unter besonderen Bedingungen übertragen werden können.“

Adrian öffnete die Mappe.

Auf der ersten Seite stand der Name seines Vaters.

Auf der letzten Seite fand er einen Vermerk über eine Familienstiftung.

„Was hat das mit der heutigen Geschäftsführung zu tun?“

„Ihr Vater wollte verhindern, dass die Kontrolle über das Unternehmen ausschließlich vom Vermögen einer einzelnen Person abhängt. Es gibt eine Klausel, die bei einer Veränderung bestimmter familiärer Verhältnisse geprüft werden muss.“

Adrian runzelte die Stirn.

„Welche familiären Verhältnisse?“

Collins zögerte.

„Die Rechtsabteilung untersucht das noch. Ich möchte keine falschen Schlüsse ziehen.“

Adrian schloss die Mappe.

„Dann lassen Sie die Prüfung unabhängig durchführen.“

„Natürlich.“

Collins stand auf.

„Noch etwas. Ihre Frau war heute hier.“

Adrian blickte aus dem Fenster.

„Ich weiß.“

„Sie schien sehr aufgebracht.“

„Das kann ich mir vorstellen.“

Der Vorsitzende zögerte.

„Darf ich offen sprechen?“

„Bitte.“

„Es gibt Menschen, die Sie wegen Ihrer Position respektieren werden. Andere werden versuchen, aus Ihrer Position einen Vorteil zu ziehen. Sie müssen lernen, den Unterschied zu erkennen.“

Adrian lächelte schwach.

„Ich glaube, ich habe damit bereits begonnen.“

Als Collins gegangen war, blieb Adrian allein zurück.

Er zog ein altes Foto aus seiner Brieftasche.

Darauf standen er und Clara an ihrem Hochzeitstag. Sie lachte, während er sie ansah, als wäre sie der einzige Mensch im Raum.

Er hatte dieses Bild jahrelang bei sich getragen.

Langsam legte er es in eine Schublade.

Nicht, weil die Erinnerungen wertlos geworden waren.

Sondern weil er nicht mehr jeden Tag auf ein Versprechen schauen wollte, das nur einer von ihnen ernst genommen hatte.

Sein Telefon vibrierte erneut.

Eine Nachricht von einer unbekannten Nummer.

Sie wird zurückkommen, sobald sie begreift, was Sie besitzen. Seien Sie vorsichtig.

Adrian las sie zweimal.

Dann antwortete er:

Wer sind Sie?

Die Antwort kam sofort.

Jemand, der Ihren Vater kannte. Und jemand, der weiß, dass Ihre Scheidung nicht das einzige Geheimnis ist, das heute ans Licht kommen wird.

Adrian richtete sich auf.

Er rief die Sicherheitsabteilung an und ließ die Nachricht überprüfen.

Doch als er das Telefon wieder auflegte, war bereits eine weitere Nachricht eingetroffen.

Diesmal enthielt sie ein Foto eines alten Dokuments.

Am unteren Rand befand sich die Unterschrift seines Vaters.

Daneben stand der Name einer Frau.

Clara Bennett.

Adrian starrte auf den Bildschirm.

Das Dokument war mehr als zwanzig Jahre alt.

Clara war damals noch ein Kind gewesen.

Was konnte ihr Name mit einem Vertrag seiner Familie zu tun haben?

Und warum hatte jemand genau an dem Tag, an dem er Geschäftsführer wurde, beschlossen, ihm diese Information zu schicken?

Er öffnete die angehängte Datei.

Die erste Zeile ließ ihn erstarren.

Vertrauliche Vereinbarung über die Wahrung der Rechte und Ansprüche der Familie Bennett.

Darunter stand ein Satz, der alles verändern konnte:

Sollte die Ehe zwischen Adrian Bennett und Clara Bennett rechtsgültig aufgelöst werden, ist die Familienstiftung verpflichtet, eine unabhängige Prüfung der ursprünglichen Erbvereinbarung einzuleiten.

Adrian las den Satz erneut.

Dann sah er auf die Scheidungspapiere, die Clara am Morgen auf seinen Tisch gelegt hatte.

Sie hatte geglaubt, sie würde sich von einem Mann trennen, der nichts mehr zu bieten hatte.

Doch ihre Unterschrift könnte gerade eine Tür geöffnet haben, die seine Familie seit Jahrzehnten verschlossen hielt.

Und irgendjemand hatte darauf gewartet.

Fortsetzung folgt …