Barragán wollte Los Pinos vielleicht gar nicht nur kaufen. Er wollte etwas unter dem Land finden, bevor jemand anderes es entdeckte.
Da ertönte draußen ein Geräusch.
Ein Pferd hielt vor dem Haus.
Jacinta wurde kreidebleich.
„Er ist hier.“
Inés faltete den Brief zusammen und steckte ihn in ihr Kleid.
Die Tür öffnete sich, und Roque trat ein. Hinter ihm standen zwei bewaffnete Männer.
„Don Leandro möchte den Brief zurück“, sagte er ruhig.
Inés stellte sich vor ihre Mutter.
„Dann soll er selbst kommen und danach fragen.“
Roque lächelte kalt.
„Du verstehst nicht, worum es hier geht. Dein Vater hat etwas gestohlen, das ihm nie gehört hat.“
„Was hat er gefunden?“
Roque trat näher.
„Das wirst du erfahren, sobald du uns zu dem Ort führst.“
In diesem Moment ertönte draußen eine Stimme.
„Sie wird nirgendwohin gehen.“
Mateo stand in der Tür. Neben ihm warteten Clara und mehrere Nachbarn, die Inés gefolgt waren, ohne sich zu zeigen.
Roques Lächeln verschwand.
Clara hielt ein Dokument hoch.
„Im Namen der zuständigen Behörden fordere ich Sie auf, sich nicht weiter in diese Untersuchung einzumischen.“
Roque wich einen Schritt zurück. Zum ersten Mal schien er nicht zu wissen, was er sagen sollte.
Doch während die Männer hinausgeführt wurden, entdeckte Inés etwas, das ihr den Atem nahm.
Auf der Rückseite des Briefes ihres Vaters befand sich eine kleine Zeichnung: ein alter Brunnen, drei Steine und ein Kreuz.
Darunter standen vier Worte:
„Dort liegt die wahre Schuld.“
Inés sah Mateo an.
„Morgen früh gehen wir zum alten Brunnen.“
Clara schüttelte langsam den Kopf.
„Wenn dein Vater recht hatte, könnte dieser Fund nicht nur Barragáns Landgeschäfte aufdecken. Er könnte erklären, warum er seit Jahren versucht, jeden zum Schweigen zu bringen.“
Inés blickte auf den Brief.
Sie war von zu Hause geflohen, um sich selbst zu retten.
Doch nun verstand sie, dass ihre Flucht sie zu einer Wahrheit geführt hatte, die jemand seit Jahren begraben wollte.
Und am nächsten Morgen würden sie herausfinden, was am Grund des alten Brunnens verborgen lag.
Doch was, wenn das Geheimnis ihres Vaters nicht nur Barragán belastete, sondern auch die eigene Familie?
# TEIL 3: INÉS ENTDECKTE DAS GEHEIMNIS IHRES VERSTORBENEN VATERS IM ALTEN BRUNNEN – DOCH WAS SIE DORT FAND, KONNTE NICHT NUR BARRAGÁN ZU FALL BRINGEN, SONDERN AUCH IHRE EIGENE MUTTER ENTLARVEN
Im Morgengrauen machte sich Inés mit Mateo, Clara und drei vertrauenswürdigen Arbeitern auf den Weg zum alten Brunnen.
Der Brunnen lag hinter einem verlassenen Grundstück, ungefähr eine Stunde von der Rancho Los Pinos entfernt. Seit Jahren hatte sich niemand mehr darum gekümmert. Dornen überwucherten den steinernen Rand, und trockenes Gras verdeckte fast vollständig die schmale Treppe, die hinunterführte.
Inés hielt den Brief ihres Vaters fest in der Hand.
„Hier war ich als Kind“, sagte sie leise. „Mein Vater nahm mich manchmal mit, wenn er nach dem Regen die Felder kontrollierte. Er sagte immer, dass Wasser sich seinen Weg sucht, selbst wenn Menschen versuchen, es aufzuhalten.“
Mateo betrachtete die Zeichnung.
„Die drei Steine müssen irgendwo hier sein.“
Sie suchten beinahe eine Stunde. Schließlich entdeckte einer der Arbeiter drei flache Steine, die ungewöhnlich ordentlich nebeneinanderlagen.
Unter dem mittleren Stein befand sich eine kleine Metallplatte.
Clara kniete sich hin und half, sie anzuheben.
Darunter lag eine wasserdicht verpackte Ledermappe.
Inés öffnete sie vorsichtig.
Darin befanden sich Grundstücksurkunden, Kopien alter Verträge und mehrere Briefe. Auf den ersten Blick schienen die Dokumente gewöhnlich. Doch als Clara die Unterschriften verglich, veränderte sich ihr Gesichtsausdruck.
„Diese Verträge sind gefälscht“, sagte sie.
Mateo beugte sich über ihre Schulter.
„Was bedeutet das?“
Clara zeigte auf eine Karte.
„Barragán hat offenbar versucht, mehrere Grundstücke durch gefälschte Schuldenübertragungen an sich zu bringen. Wenn diese Dokumente echt sind, gehören einige der angeblich verkauften Flächen noch immer ihren ursprünglichen Besitzern.“
Inés blätterte weiter.
Dann blieb sie plötzlich stehen.
Auf einem Blatt stand der Name ihres Vaters: Rafael.
Darunter befand sich eine Aussage, die er vor seinem Tod niedergeschrieben hatte.
Ich habe die Unterlagen kopiert, weil Don Leandro die Familien bedroht, die sich weigern, ihr Land zu verkaufen. Sollte mir etwas zustoßen, muss jemand diese Beweise dem zuständigen Gericht übergeben.
Inés schluckte.
„Mein Vater wusste, was passieren würde.“
„Er hat versucht, die Menschen zu schützen“, antwortete Mateo.
Doch Clara hatte noch einen weiteren Brief gefunden.
Er war an Jacinta gerichtet.
Inés nahm ihn ihr aus der Hand.
Der Brief war mehrere Jahre alt.
Darin stand, dass Barragán Jacinta Geld angeboten hatte, damit sie bestätigte, Rafael habe freiwillig auf seine Grundstücksansprüche verzichtet. Im Gegenzug sollte ihre Familie unbehelligt bleiben.
Doch am Ende des Briefes stand ein Satz, der Inés besonders erschütterte:
Ihre Unterschrift allein reicht nicht. Wir benötigen auch die Bestätigung, dass die Originaldokumente vernichtet wurden.
Inés hob langsam den Kopf.
„Meine Mutter wusste von den gefälschten Verträgen.“
Niemand antwortete.
„Sie wusste, dass mein Vater versucht hatte, die Familien zu schützen.“
Mateo trat näher.
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