Als die Wohnungstür wenig später erneut geöffnet wurde, stand Michael Otto im Flur.

Sein Blick wanderte über den Makler, das fremde Paar und schließlich zu Lena.

„Was soll das?“

Lena antwortete nicht sofort.

Sie sah ihren Mann an und erkannte plötzlich etwas, das sie jahrelang verdrängt hatte.

Michael war nicht überrascht.

Er war nur überrascht, dass sie sich wehrte.

„Deine Mutter versucht, meine Wohnung zu verkaufen“, sagte sie schließlich.

Michael seufzte.

„Lena, jetzt übertreib nicht. Sie wollte doch nur helfen.“

„Helfen?“

Sie zeigte auf den Makler.

„Mit einem Verkaufsgespräch?“

Michael wurde nervös.

„Wir wollten doch sowieso irgendwann etwas Größeres kaufen.“

Lena starrte ihn an.

„Wir?“

Eine unangenehme Stille entstand.

„Michael, diese Wohnung wurde gekauft, bevor wir uns kannten.“

Er schwieg.

„Sie steht allein in meinem Grundbuch.“

Noch immer sagte er nichts.

Und genau diese Stille beantwortete ihre Frage.

Er wusste es.

Er wusste, dass seine Mutter Unrecht hatte.

Aber er hatte gehofft, Lena würde nachgeben.

Wie immer.

Wilma trat plötzlich dazwischen.

„Michael, sag ihr doch, dass eine Ehe bedeutet, dass man teilt.“

Lena sah ihren Mann an.

„Teilen bedeutet nicht, dass einer nimmt und der andere schweigt.“

Zum ersten Mal an diesem Tag wurde Michael blass.

Denn er wusste, dass sie recht hatte.

Der Makler schloss langsam seine Mappe.

„Ich denke, diese Besichtigung ist beendet.“

Das junge Paar verabschiedete sich hastig.

Als die Tür ins Schloss fiel, blieb nur noch die Familie zurück.

Und zum ersten Mal seit Jahren hatte Lena nicht das Gefühl, sich verteidigen zu müssen.

Sie stand einfach nur da.

Sicher.

Ruhig.

Eigentümerin ihres eigenen Lebens.

Wilma hingegen sah aus, als hätte man ihr etwas weggenommen, das ihr nie gehört hatte.

„Das wirst du bereuen“, sagte sie leise.

Lena lächelte schwach.

„Nein.“

Sie ging zur Tür und öffnete sie.

„Ich bereue nur, dass ich so lange geglaubt habe, Liebe würde bedeuten, alles mit mir machen zu lassen.“

Michael sah sie erschrocken an.

„Lena…“

Doch sie hob die Hand.

Nicht wütend.

Nicht dramatisch.

Einfach endgültig.

„Heute ging es nicht um eine Wohnung, Michael.“

Sie sah ihren Mann an.

„Es ging darum, dass ich endlich verstanden habe, wem mein Leben gehört.“

Und diesmal war es nicht seine Familie.

Es war ihr eigenes.

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