„Und wann hast du aufgehört, mich als Mittel zum Zweck zu betrachten?“
Er sah sie an.
„Ich weiß es nicht. Irgendwann habe ich mich wirklich in dich verliebt. Aber ich hatte Angst, dir alles zu sagen. Ich dachte, ich könnte die Sache beenden, bevor du etwas bemerkst.“
Sie schüttelte langsam den Kopf.
„Du hattest viele Gelegenheiten, ehrlich zu sein. Du hast dich jedes Mal dagegen entschieden.“
Er holte einen Umschlag aus seiner Tasche.
„Hier sind alle Nachrichten zwischen mir und Keller. Ich möchte, dass du sie den Ermittlern gibst.“
Sie nahm den Umschlag nicht sofort entgegen.
„Warum jetzt?“
„Weil Keller mich heute angerufen hat. Er sagte, dass er weiß, dass du den Brief deines Großvaters gefunden hast.“
Die Frau wurde aufmerksam.
„Woher weiß er das?“
„Er hat offenbar noch jemanden, der ihm Informationen gibt.“
In diesem Moment vibrierte ihr Telefon.
Eine Nachricht von der Ermittlerin erschien:
„Wir haben den Namen der Person gefunden, die Ihre Daten bereits vor Ihrer Hochzeit weitergegeben hat. Bitte lesen Sie die Nachricht nicht allein.“
Die Frau sah ihren Ehemann an.
„Was hast du mir noch nicht erzählt?“
Er antwortete nicht.
Wenige Sekunden später traf eine zweite Nachricht ein.
Darin stand ein Name.
Es war der Name einer Person, der die Frau seit ihrer Kindheit vertraut hatte.
Ihre eigene Mutter.
Sie konnte nicht glauben, was sie las.
Hatte ihre Mutter von Anfang an gewusst, dass sie beobachtet wurde? Hatte sie Informationen weitergegeben, um die Familie zu schützen? Oder war auch sie getäuscht worden?
Sie wählte sofort ihre Nummer.
Doch bevor ihre Mutter abnahm, erschien eine letzte Nachricht auf dem Bildschirm:
„Fragen Sie Ihre Mutter, warum sie damals den Schlüssel Ihres Großvaters verschwinden ließ. Sie kennt die Antwort – und sie weiß, dass Martin Keller nicht der Einzige war, der hinter den Unterlagen her war.“
Die Frau blickte auf den alten Brief ihres Großvaters.
Zum ersten Mal hatte sie das Gefühl, dass die Wahrheit nicht nur ihre Ehe zerstören könnte.
Sie könnte eine ganze Familiengeschichte verändern.
Und dann nahm ihre Mutter endlich den Anruf entgegen.
„Mama“, flüsterte sie, „was hast du mir all die Jahre verschwiegen?“
Am anderen Ende hörte sie nur ein leises Schluchzen.
Dann sagte ihre Mutter:
„Es tut mir leid. Aber dein Großvater hat damals nicht alles vernichtet. Er hat etwas zurückgelassen, das niemals in die falschen Hände geraten darf.“
Und genau dieses Geheimnis hatte ihre Mutter seit Jahren verborgen gehalten.
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