Oder vielleicht war die Nachricht selbst eine Warnung gewesen.

Am Nachmittag erhielt Herr Schneider einen Anruf von der Polizei.

Nach Rücksprache mit den zuständigen Stellen sollten bestimmte Unterlagen zur weiteren Prüfung übermittelt werden. Es gab jedoch noch keine abschließende Feststellung darüber, wer für die früheren Vorfälle verantwortlich war.

Herr Schneider legte auf und wandte sich an Leon.

„Wir haben unsere Aufgabe erfüllt. Wir haben die Bestellung dokumentiert, die Belege gesichert und den Vorfall gemeldet. Jetzt müssen die zuständigen Behörden prüfen, was tatsächlich passiert ist.“

Leon nickte.

Er war erleichtert, dass die Situation nicht länger allein auf seinen Schultern lag.

Doch als er später den Gastraum aufräumte, entdeckte er etwas unter dem Tisch, an dem die Frau gesessen hatte.

Ein kleiner, gefalteter Zettel.

Er hob ihn auf und öffnete ihn.

Darauf stand eine Telefonnummer.

Darunter waren fünf Worte geschrieben:

**Wenn sie fragt, weißt du nichts.**

Leon starrte auf den Zettel.

Er wusste nicht, wer ihn dort hingelegt hatte. Er wusste nicht, wann er geschrieben worden war. Und er wusste nicht, ob er überhaupt etwas mit dem Fall zu tun hatte.

Aber er wusste, dass er ihn nicht einfach wegwerfen durfte.

Er brachte den Zettel zu seinem Geschäftsführer und erklärte genau, wo er ihn gefunden hatte.

Herr Schneider steckte ihn in eine Hülle, notierte Fundort und Zeitpunkt und informierte die zuständigen Ansprechpartner.

„Wir werden nicht spekulieren“, sagte er. „Aber wir werden auch nichts übersehen.“

## Kapitel 6: Die letzte Überraschung

Drei Tage später erhielt Leon eine Nachricht von Herrn Schneider.

Die Polizei hatte um ein weiteres Gespräch gebeten. Es ging um den Ablauf des Restaurantbesuchs und um die Unterlagen, die nach dem Streit gesichert worden waren.

Leon sagte zu.

Im Besprechungsraum saß derselbe Beamte, der die Frau am Abend der Auseinandersetzung befragt hatte.

Vor ihm lagen mehrere Dokumente.

„Wir möchten Ihnen zunächst danken, dass Sie den Vorfall so sorgfältig dokumentiert haben“, sagte er. „Das erleichtert die Prüfung.“

Leon setzte sich.

„Haben Sie herausgefunden, wer Thomas Berger ist?“

„Wir haben Informationen überprüft, die für die Angelegenheit relevant sein könnten. Mehr kann ich Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.“

Der Beamte blätterte eine Seite um.

„Wir möchten noch einmal über den Zettel sprechen, den Sie gefunden haben.“

Leon beschrieb den Fundort, den Zustand des Papiers und den Zeitpunkt, zu dem er ihn entdeckt hatte.

„Haben Sie die Handschrift erkannt?“

„Nein.“

„Haben Sie die Frau jemals zuvor in Ihrem Restaurant gesehen?“

Leon überlegte.

„Ich kannte sie nicht persönlich. Ob sie früher einmal bei uns war, kann ich nicht mit Sicherheit sagen.“

Der Beamte nickte.

„Das ist eine hilfreiche Unterscheidung.“

Dann schob er eine Fotografie über den Tisch.

Darauf war ein Mann zu sehen, der vor einem Gebäude stand.

Leon erkannte ihn sofort.

Thomas Berger.

„Haben Sie diesen Mann schon einmal in Ihrer Filiale gesehen?“, fragte der Beamte.

Leon beugte sich vor.

Er betrachtete das Bild sorgfältig.

Dann schüttelte er den Kopf.

„Nicht, dass ich wüsste.“

Der Beamte nahm die Fotografie zurück.

„In Ordnung.“

Er stand auf und schloss die Mappe.

„Wir werden uns melden, falls weitere Informationen benötigt werden.“

Leon ging zurück ins Restaurant.

Er hatte erwartet, endlich eine Erklärung zu bekommen. Stattdessen hatte er neue Fragen.

Wer war Thomas Berger?

Warum hatte die Frau bei seinem Namen so heftig reagiert?

Und wer hatte den Zettel unter dem Tisch hinterlassen?

Am Abend, kurz vor Feierabend, klingelte das Telefon im Büro des Geschäftsführers.

Herr Schneider nahm ab.

Er hörte zu, ohne etwas zu sagen.

Dann blickte er durch die Glasscheibe zu Leon.

Sein Gesichtsausdruck veränderte sich.

Als er das Gespräch beendet hatte, kam er langsam in den Gastraum.

„Leon, du solltest kurz mitkommen.“

Leon folgte ihm ins Büro.

„Was ist passiert?“

Herr Schneider schloss die Tür.

„Die Polizei hat uns um die Sicherung weiterer Unterlagen gebeten. Außerdem gibt es neue Informationen zu Thomas Berger.“

„Welche?“

Der Geschäftsführer atmete tief durch.

„Es sieht so aus, als hätte jemand seine Identität bei mehreren Reservierungen verwendet. Ob Thomas Berger selbst etwas damit zu tun hat, ist noch offen.“

Leon schwieg.

Das bedeutete, dass die Frau möglicherweise nicht die einzige Person war, deren Name in den Unterlagen auftauchte.

„Und was passiert jetzt?“, fragte er.

„Die Polizei prüft die Verbindungen. Wir übergeben die Dokumente und halten uns an die Anweisungen.“

Herr Schneider legte eine Kopie der ursprünglichen Rechnung auf den Tisch.

„Was den Restaurantbesuch betrifft, bleibt unsere Forderung bestehen. Die bestellten Gerichte wurden serviert, und der Betrag ist dokumentiert. Ob weitere Konsequenzen entstehen, hängt von den geprüften Tatsachen und den rechtlichen Entscheidungen ab.“

Leon sah auf die Rechnung.

Er erinnerte sich an die Frau, die so sicher gewesen war, dass niemand ihr widersprechen würde.

Er erinnerte sich an ihre Drohungen, ihre Ausreden und den Augenblick, in dem der Name Thomas Berger gefallen war.

Doch inzwischen war ihm klar geworden, dass die wichtigste Frage nicht lautete, ob die Frau die Rechnung bezahlen würde.