Mehrere Vorspeisen, zwei Hauptgerichte, eine Flasche eines teuren Getränks, Desserts und weitere bestellte Positionen waren aufgeführt. Nichts war nachträglich hinzugefügt worden. Jede Position ließ sich dem gespeicherten Bestellverlauf zuordnen.

„Ich werde nicht bezahlen“, sagte sie leise.

Leon atmete langsam aus.

„Dann wird die Restaurantleitung den Vorgang auf dem vorgesehenen Weg weiterverfolgen.“

Die Frau sah ihn an.

„Sie glauben wohl, Sie hätten gewonnen.“

„Nein“, antwortete Leon. „Ich glaube nur, dass jeder für seine Entscheidungen Verantwortung übernehmen sollte.“

Für einen Moment schien sie etwas sagen zu wollen.

Dann schloss sie den Mund.

Der Beamte bat sie, die notwendigen Angaben zu machen. Sie erklärte sich schließlich bereit, mit den Polizisten zu sprechen, während Herr Schneider die Dokumentation des Restaurants übergab.

Doch gerade als sich die Situation zu beruhigen schien, vibrierte das Telefon der Frau.

Auf dem Display erschien eine Nachricht.

Leon konnte den Text nicht lesen, aber er sah, wie sich ihr Gesicht veränderte.

Sie drehte das Telefon hastig um.

Zu spät.

Der Beamte hatte die Reaktion bemerkt.

„Ist alles in Ordnung?“

„Ja.“

„Wer hat Ihnen geschrieben?“

„Das geht Sie nichts an.“

„Sie müssen uns Ihr Telefon nicht freiwillig zeigen. Wenn die Nachricht für die Klärung des Sachverhalts relevant ist, können wir Ihnen erklären, welche rechtlichen Möglichkeiten bestehen.“

Die Frau presste die Lippen zusammen.

Dann sagte sie etwas, das niemand erwartet hatte.

„Thomas Berger hat damit nichts zu tun.“

Stille.

Der Beamte hob langsam den Kopf.

„Wir haben Ihnen noch gar nicht gesagt, dass Thomas Berger der Absender der Nachricht sein könnte.“

Die Frau wurde kreidebleich.

Leon sah, wie ihre Finger sich um das Telefon schlossen.

Und in diesem Augenblick verstand er, dass die Geschichte vermutlich größer war als drei unbezahlte Rechnungen.

## Kapitel 4: Die vierte Filiale

Am nächsten Morgen begann Herr Schneider, die früheren Vorfälle systematisch zu vergleichen.

Er wollte keine voreiligen Schlüsse ziehen. Die Berichte enthielten ähnliche Beschreibungen, doch Ähnlichkeiten allein bewiesen noch nicht, dass dieselbe Person hinter allen Ereignissen stand.

Deshalb bat er die Verantwortlichen der drei Filialen, die Originalunterlagen zu sichern und die jeweiligen Abläufe nachvollziehbar zu dokumentieren.

Leon durfte bei der internen Besprechung dabei sein.

Auf dem Bildschirm erschienen drei Zeitlinien.

Filiale Eins: eine umfangreiche Bestellung, gefolgt von einer Zahlungsstreitigkeit.

Filiale Zwei: ein ähnlicher Ablauf, bei dem die Kundin die Bestellung nachträglich bestritten hatte.

Filiale Drei: ein weiterer Vorfall, bei dem sich die Kundin auf einen angeblichen Fehler des Personals berufen hatte.

Die Zeitpunkte lagen mehrere Wochen auseinander.

„Es gibt auffällige Gemeinsamkeiten“, sagte Herr Schneider. „Aber wir müssen sauber zwischen belegten Tatsachen und Vermutungen unterscheiden.“

Leon nickte.

„In unserem Fall haben wir die Bestellung und die servierten Gerichte dokumentiert. Die anderen Filialen müssen ihre eigenen Unterlagen prüfen.“

„Genau.“

Dann öffnete die Buchhalterin eine weitere Datei.

„Es gibt noch etwas. In zwei der früheren Fälle wurde nach dem Streit eine Beschwerde über die jeweilige Filiale eingereicht. Beide Beschwerden behaupteten, das Personal habe Gäste absichtlich falsch abgerechnet.“

Herr Schneider runzelte die Stirn.

„Von wem?“

„Von unterschiedlichen E-Mail-Adressen. Wir wissen noch nicht, wer sie erstellt hat.“

Leon lehnte sich vor.

„Vielleicht wollte jemand die Restaurants dazu bringen, die Forderungen aus Angst vor schlechten Bewertungen fallen zu lassen.“

„Möglich“, sagte der Geschäftsführer. „Aber wir werden das nicht als Tatsache behandeln, bevor es überprüft wurde.“

In diesem Moment klingelte sein Telefon.

Er hörte einige Sekunden zu.

Dann richtete er sich auf.

„Wann ist das passiert?“

Eine Pause.

„Verstanden. Bitte sichern Sie alle Unterlagen.“

Er legte auf.

„Die vierte Filiale hat sich gemeldet.“

Leon spürte, wie sich sein Magen zusammenzog.

„Gab es dort denselben Vorfall?“

„Nicht ganz.“

Herr Schneider blickte auf den Bildschirm.

„Dort hat jemand vor zwei Tagen eine Reservierung unter einem anderen Namen vorgenommen. Die Person hat den Tisch nicht genutzt. Anschließend ging eine Beschwerde ein, in der behauptet wurde, die Filiale habe eine falsche Reservierung bestätigt.“

„Und der Name?“

Der Geschäftsführer antwortete nicht sofort.

Dann drehte er den Bildschirm zu Leon.

Dort stand:

**Thomas Berger.**

## Kapitel 5: Der Mann hinter der Nachricht

Thomas Berger war kein unbekannter Name in der Gastronomiebranche.

Er hatte früher als Berater für mehrere Restaurants gearbeitet und kannte die Abläufe großer Restaurantketten. Laut den öffentlich verfügbaren Angaben hatte er seine Tätigkeit vor einigen Monaten beendet.

Warum sein Name in den Unterlagen auftauchte, war noch unklar.

Die Polizei musste nun feststellen, ob die Einträge miteinander zusammenhingen, ob die Informationen zuverlässig waren und ob tatsächlich ein strafbares Verhalten vorlag.

Die Frau hatte sich inzwischen anwaltlich beraten lassen. Sie bestritt weiterhin, die früheren Vorfälle begangen zu haben. Zu der Nachricht auf ihrem Telefon wollte sie sich zunächst nicht weiter äußern.

Leon dachte an ihre Reaktion, als der Beamte den Namen ausgesprochen hatte.

Er konnte sich nicht erklären, warum sie so erschrocken gewesen war.

Vielleicht hatte sie Thomas Berger tatsächlich gekannt.

Vielleicht hatte sie nur Angst, in eine Angelegenheit hineingezogen zu werden, die sie nicht kontrollieren konnte.