Er war noch immer in seiner Wohnung.
Daniel zog sein Handy hervor und suchte nach ihrer Nummer. Doch bevor er sie anrufen konnte, bemerkte er durch die Scheibe, dass Margaret aufgestanden war.
Sie wollte gehen.
Er lief zur Tür.
„Mama!“
Margaret blieb stehen.
Langsam drehte sie sich um.
Daniel trat zu ihr, doch diesmal streckte er nicht die Hand aus, um sie wegzuschicken.
„Bitte geh nicht.“
Margaret sah ihn lange an.
„Warum, Daniel? Damit du mir wieder sagen kannst, dass niemand wissen darf, wer ich bin?“
Er senkte den Kopf.
„Nein. Weil ich mich entschuldigen muss.“
Ihre Augen füllten sich mit Tränen.
Daniel schluckte.
„Ich hatte Angst, dass meine Kollegen und die Gäste über mich urteilen würden. Aber das ist keine Entschuldigung. Du hast dich nie für mich geschämt. Und heute habe ich mich für dich geschämt.“
Margaret antwortete nicht sofort.
Dann sagte sie leise:
„Ich wollte nie, dass du dich für mich schämst, mein Sohn. Ich wollte nur, dass du dich daran erinnerst, woher du kommst.“
Daniel nahm vorsichtig ihre Hand.
„Kannst du mir verzeihen?“
Margaret sah ihn an.
„Verzeihen kann ich dir vielleicht. Aber du musst mir zeigen, dass du mich nicht nur dann willkommen heißt, wenn niemand zusieht.“
Daniel nickte.
„Das werde ich.“
## Doch dann kam eine Nachricht, die alles veränderte
Gemeinsam gingen sie zurück ins Restaurant. Sophie bereitete einen Tisch am Fenster vor und brachte Margaret eine warme Mahlzeit.
Daniel setzte sich ihr gegenüber.
Zum ersten Mal seit langer Zeit sprachen sie wieder miteinander, ohne dass er auf die Uhr sah oder nach Ausreden suchte.
Dann vibrierte Margarets Telefon.
Eine unbekannte Nummer hatte ihr eine Nachricht geschickt.
Sie las sie und wurde plötzlich ganz still.
„Was ist los?“, fragte Daniel.
Margaret legte das Handy auf den Tisch.
„Es geht um dein Vater.“
Daniel erstarrte.
Sein Vater hatte die Familie verlassen, als Daniel noch ein Kind war. Margaret hatte ihm immer nur gesagt, dass er nicht zurückkommen würde.
„Was soll mit ihm sein?“
Margaret zog einen zweiten Umschlag aus ihrer Tasche.
„Vor einigen Tagen hat mich jemand gefunden. Er behauptet, dein Vater habe all die Jahre versucht, Kontakt zu dir aufzunehmen.“
Daniel starrte auf den Umschlag.
„Warum hast du mir das nicht gesagt?“
Margaret sah ihn traurig an.
„Weil ich selbst nicht wusste, ob es wahr ist.“
Sie schob ihm den Brief hin.
Auf der Vorderseite stand Daniels vollständiger Name.
Und darunter ein Satz, der ihn den Atem anhalten ließ:
**„Daniel, bevor du deiner Mutter Vorwürfe machst, solltest du erfahren, was sie damals für dich getan hat.“**
Daniel hob langsam den Blick.
Margaret hatte die Hände gefaltet.
„Es gibt etwas aus deiner Kindheit, das ich dir nie erzählt habe“, sagte sie. „Und ich glaube, jetzt ist es an der Zeit.“
Daniel öffnete den Umschlag.
Doch schon die erste Zeile ließ ihn verstehen, dass er seine Mutter an diesem Tag nicht nur beinahe verloren hätte.
**Er hatte all die Jahre eine Geschichte geglaubt, die möglicherweise nie die ganze Wahrheit gewesen war.**
*Fortsetzung folgt …*
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