Er trug die Handschrift seines Vaters.

*Leon,*

*ich werde dich nicht bitten, mir zu verzeihen. Ich habe verstanden, dass eine Entschuldigung nicht ungeschehen macht, was ich dir und deiner Mutter angetan habe.*

*Ich habe den Ermittlern alle Unterlagen übergeben, die ich noch besitze. Ich werde ihre Fragen beantworten und die Verantwortung für meine Entscheidungen übernehmen.*

*Du musst mich nicht besuchen. Du musst mir nicht schreiben. Wenn du irgendwann bereit bist, mit mir zu sprechen, werde ich zuhören, ohne dir vorzuschreiben, was du fühlen sollst.*

*Adrian.*

Leon las den Brief zweimal und legte ihn in eine Schublade.

Er antwortete nicht.

Noch nicht.

Am selben Nachmittag begleitete er seine Mutter zu einer kleinen Musikschule, in der sie künftig einmal pro Woche unterrichten wollte. Der Raum war schlicht, mit alten Notenständern und einem Klavier, dessen Lack an einigen Stellen abgeblättert war.

Elena setzte sich auf die Bank und öffnete ihre Mappe.

Auf der ersten Seite stand der Titel ihrer Komposition:

**„Für den Sohn, der immer seinen eigenen Weg finden sollte.“**

Leon betrachtete die Noten.

„Du hast sie nie umbenannt?“

Elena lächelte.

„Nein. Ich habe sie für dich geschrieben. Daran hat sich nichts geändert.“

Er setzte sich neben sie.

Diesmal spielte er nicht, um jemanden zu beeindrucken oder eine verborgene Wahrheit zu beweisen.

Er spielte, weil die Musik ihm gehörte.

Und während die ersten Töne durch den kleinen Raum klangen, begriff Elena, dass manche Geschichten kein perfektes Ende brauchten.

Sie brauchten einen Anfang, der endlich frei von Lügen war.

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