„Das wirst du ja wohl nicht wieder aufschreiben wollen.“

Die Tür fiel hinter ihr ins Schloss.

—

Am Nachmittag erhielt ich eine E-Mail von David Miller.

Er hatte eine Liste mit Unterlagen zusammengestellt, die ich für das nächste Gespräch vorbereiten sollte. Außerdem bat er mich, keine voreiligen Entscheidungen über unser gemeinsames Haus oder unsere Finanzen zu treffen.

Ich begann, die Dokumente zusammenzusuchen.

Dabei fiel mir eine Abbuchung auf, die ich zunächst nicht zuordnen konnte.

Ein Betrag von 2.400 Dollar war vor drei Wochen von unserem gemeinsamen Konto an eine Firma namens Reed Consulting überwiesen worden.

Ich öffnete die Buchungsdetails.

Als Verwendungszweck war „Beratung und Projektunterstützung“ angegeben.

Der Name sagte mir nichts.

Ich machte einen Ausdruck und legte ihn zu den anderen Unterlagen.

Eine Stunde später kam Lauren nach Hause.

Sie war ungewöhnlich still.

„Caleb?“, rief sie aus dem Flur.

„In der Küche.“

Sie trat ein und legte ihr Handy auf den Tisch.

„Wir müssen reden.“

Ich schob die Unterlagen zur Seite.

„Ich höre.“

Sie setzte sich mir gegenüber.

„Marcus und ich haben beschlossen, dass wir den Kontakt vorerst reduzieren.“

Ich sagte nichts.

„Er hat gerade beruflich viel um die Ohren. Und die Situation zwischen uns ist kompliziert geworden.“

„Zwischen wem?“

Sie blickte mich an.

„Zwischen mir und dir.“

Ich lehnte mich zurück.

„Lauren, ich möchte nicht mehr über Andeutungen sprechen. Wenn du mir etwas sagen willst, dann sag es.“

Sie presste die Lippen zusammen.

„Es ist mehr passiert, als du weißt.“

Ich spürte, wie sich mein Magen zusammenzog.

„Was bedeutet das?“

Sie blickte auf ihre Hände.

„Marcus hat mir erzählt, dass er seine Ehe beenden wird. Er hat gesagt, dass wir zusammen sein können, sobald alles geregelt ist.“

Ich wartete.

„Und?“

„Er hat mich gebeten, ihm bei einem privaten Projekt zu helfen.“

„Was für ein Projekt?“

„Eine neue Beratungsfirma.“

Ich sah sie an.

„Reed Consulting?“

Ihr Gesicht wurde augenblicklich blass.

„Woher kennst du diesen Namen?“

Ich zog den Kontoauszug hervor und legte ihn vor sie.

„Weil von unserem gemeinsamen Konto Geld dorthin überwiesen wurde.“

Lauren starrte auf das Papier.

„Das war nur ein Vorschuss.“

„Für was?“

Sie antwortete nicht.

„Hast du diese Zahlung genehmigt?“

„Marcus hat gesagt, er würde mir das Geld zurückgeben.“

Ich sah sie lange an.

„Du hast Geld von unserem gemeinsamen Konto genommen, um ein Projekt mit dem Mann zu finanzieren, mit dem du mich betrügst?“

„So war das nicht!“

„Wie war es dann?“

Sie stand auf.

„Du verstehst das nicht. Marcus hat mir eine berufliche Chance angeboten. Ich wollte endlich etwas Eigenes aufbauen.“

„Dann hättest du mit mir darüber sprechen können.“

„Du hättest es sowieso nicht verstanden!“

Ich schüttelte langsam den Kopf.

„Du hast nicht einmal versucht, es mir zu erklären.“

Lauren begann zu weinen.

„Ich weiß, dass ich Fehler gemacht habe.“

„Wie viele, Lauren?“

Sie sah mich an.

„Was?“

„Wie viele Dinge weiß ich noch nicht?“

Sie schwieg.

Dann sagte sie etwas, womit ich nicht gerechnet hatte.

„Marcus hat mir gesagt, dass du niemals etwas unternehmen würdest. Er meinte, du würdest dich beschweren, ein paar Tage schmollen und dann wieder zur Tagesordnung übergehen.“

Ich spürte, wie sich etwas in mir zusammenzog.

Nicht wegen Marcus.

Sondern weil Lauren ihm offenbar geglaubt hatte.

„Und deshalb hast du weitergemacht?“

Sie nickte kaum merklich.

„Ich dachte, du würdest es irgendwann akzeptieren.“

Ich stand auf.

„Ich werde nichts akzeptieren, nur weil du lange genug darauf wartest.“

—

Am nächsten Morgen rief David Miller an.

„Caleb, ich habe mir den Kontoauszug angesehen. Die Zahlung an Reed Consulting sollten wir genauer prüfen. Ich empfehle Ihnen, die Bankunterlagen zu sichern und keine weiteren Überweisungen vorzunehmen, ohne die rechtlichen Folgen zu klären.“

„Ich habe Lauren danach gefragt. Sie sagt, Marcus habe das Geld für ein gemeinsames Projekt erhalten.“

„Dann sollten wir feststellen, ob es dazu einen Vertrag gibt und wer die Zahlung veranlasst hat.“

Ich sah auf die Unterlagen.

„Ich habe noch eine Frage. Können Sie herausfinden, wem diese Firma gehört?“

„Wir können die öffentlich verfügbaren Unternehmensinformationen prüfen. Aber ich möchte Ihnen keine Vermutung als Tatsache verkaufen.“

Ich bedankte mich und legte auf.

Wenige Minuten später erhielt ich eine Nachricht von Rachel, einer ehemaligen Kollegin aus Laurens Firma.

*Caleb, ich weiß nicht, ob ich mich einmischen sollte. Aber ich glaube, du solltest etwas über Marcus wissen. Er hat nicht nur mit Lauren Kontakt.*

Ich las die Nachricht zweimal.

Dann schrieb ich zurück:

*Was meinst du?*

Ihre Antwort kam sofort.

*Er hat in den letzten Monaten mehrere Zahlungen über externe Dienstleister abwickeln lassen. Einige davon wurden intern bereits hinterfragt. Ich weiß nicht, ob Lauren davon wusste.*

Ich starrte auf den Bildschirm.

Plötzlich ergab die Zahlung an Reed Consulting ein anderes Bild.

Vielleicht hatte Lauren tatsächlich geglaubt, sie würde ein gemeinsames Projekt finanzieren.

Vielleicht hatte Marcus ihr aber auch etwas verschwiegen.

Ich rief Rachel an.