Dann stellte ich die Frage, die mich am meisten beschäftigte:
„Was ist, wenn Oliver bereits etwas vorbereitet hat?“
Frau Schneider öffnete ihre Aktentasche.
„Dann werden wir es herausfinden.“
Sie erklärte mir, dass sie bereits vor einigen Tagen eine ungewöhnliche Anfrage erhalten hatte. Jemand hatte versucht, eine Änderung bei bestimmten geschäftlichen Zuständigkeiten zu veranlassen.
Die Unterlagen waren jedoch nicht vollständig gewesen.
„Wer hat die Anfrage gestellt?“, fragte ich.
Sie sah mich ernst an.
„Oliver.“
Ich schloss die Augen.
Es war also kein Missverständnis.
Er hatte tatsächlich versucht, sich Zugang zu Angelegenheiten zu verschaffen, die ihm nicht gehörten.
### Der Besuch meines Mannes
Am Nachmittag kam Oliver zurück.
Wieder hatte er Blumen dabei.
Als er Frau Schneider sah, blieb er kurz stehen.
„Was machen Sie hier?“
Meine Anwältin erhob sich.
„Ich bin auf Wunsch meiner Mandantin hier.“
Oliver lächelte gezwungen.
„Lia ist sehr krank. Sie braucht Ruhe, keine geschäftlichen Gespräche.“
Ich öffnete die Augen.
„Oliver.“
Er drehte sich sofort zu mir.
„Mein Schatz! Du bist wach!“
Er kam näher und wollte meine Hand nehmen.
Ich zog sie nicht weg, aber ich erwiderte seine Geste nicht.
„Ich habe dich heute Morgen gehört.“
Sein Lächeln verschwand.
„Was meinst du?“
„Deine Worte. Dass du endlich mein Haus, meine Konten und meine Firma bekommen würdest.“
Für einen Augenblick bewegte er sich nicht.
Dann lachte er leise.
„Du musst etwas falsch verstanden haben. Du warst unter Medikamenten.“
„Ich weiß genau, was ich gehört habe.“
Er blickte zu Maria, die gerade an der Tür stand.
„Hat sie mit dir gesprochen?“
Maria antwortete nicht.
Frau Schneider trat einen Schritt vor.
„Herr Oliver, meine Mandantin ist bei Bewusstsein. Wenn Sie etwas zu sagen haben, können Sie es in meiner Anwesenheit tun.“
Oliver wurde unruhig.
„Das ist eine private Angelegenheit zwischen meiner Frau und mir.“
„Nicht mehr, wenn es um ihre Rechte und ihr Vermögen geht“, erwiderte die Anwältin.
Er wandte sich wieder zu mir.
„Lia, du bist krank. Du solltest dich nicht von fremden Menschen gegen mich aufbringen lassen.“
Ich sah ihn lange an.
„Du hast selbst dafür gesorgt, dass ich dir nicht mehr vertrauen kann.“
Er schüttelte den Kopf und verließ das Zimmer.
Doch diesmal nahm er die Blumen mit.
### Die Akte mit meinem Namen
Am nächsten Morgen kam Frau Schneider erneut.
Sie hatte eine Kopie der Unterlagen dabei, die Oliver offenbar vorbereiten lassen wollte.
Auf dem Deckblatt stand mein Name.
Darunter befand sich eine Erklärung, die ihm weitreichende Befugnisse über bestimmte Vermögenswerte einräumen sollte.
Ich betrachtete das Papier.
„Ich habe das nie unterschrieben.“
„Das ist mir bekannt“, sagte Frau Schneider. „Wir prüfen gerade, wie dieses Dokument entstanden ist und wer es eingereicht hat.“
Sie zeigte mir eine weitere Seite.
Dort stand der Name von Viktoria, unserer Finanzleiterin.
„Sie hat die Anfrage weitergeleitet“, erklärte meine Anwältin. „Aber wir wissen noch nicht, ob sie den Inhalt kannte oder nur eine Anweisung ausgeführt hat.“
Ich wurde nachdenklich.
Viktoria arbeitete seit fast zehn Jahren für mich. Ich hatte ihr vertraut.
„Kannst du mit ihr sprechen?“
„Ja. Aber wir werden sie nicht vorverurteilen. Wir müssen die Fakten prüfen.“
Dann legte Frau Schneider ein weiteres Dokument auf den Tisch.
Es war eine Nachricht, die Oliver an eine unbekannte Person geschickt hatte.
Darin stand:
„Sobald die Ärzte die Situation bestätigen, müssen wir handeln. Sie darf nicht mehr selbst entscheiden können.“
Ich spürte, wie mir die Tränen in die Augen stiegen.
Nicht wegen des Geldes.
Sondern weil ich endlich verstand, wie lange mein Mann offenbar schon über mein Leben entschieden hatte, ohne mich überhaupt zu fragen.
### Drei Tage, die alles verändern sollten
Am Nachmittag kam der Chefarzt zu mir.
Er erklärte, dass mein Zustand weiterhin sehr ernst sei. Die Prognose sei unsicher, und die kommenden Tage würden entscheidend sein.
Ich fragte ihn direkt:
„Habe ich wirklich nur noch drei Tage?“
Er antwortete vorsichtig.
„Wir können keine genaue Lebenszeit vorhersagen. Wir werden alles tun, um Ihren Zustand zu stabilisieren. Aber ich möchte ehrlich sein: Die Situation ist kritisch.“
Ich nickte.
Ich wollte keine falschen Hoffnungen.
Als er gegangen war, bat ich Maria, sich kurz zu setzen.
„Du hast mir heute sehr geholfen.“
Sie senkte den Blick.
„Ich habe nur getan, was richtig war.“
„Nein. Du hast hingesehen, als andere vielleicht einfach weitergegangen wären.“
Maria erzählte mir, dass sie ihre Ausbildung zur Pflegefachkraft hatte beginnen wollen, aber aus finanziellen Gründen zunächst arbeiten musste.
Ich sah sie an.
„Wenn ich wieder gesund werde, möchte ich dir helfen, deinen Weg zu gehen. Aber nicht als Bezahlung für dein Schweigen oder deine Hilfe. Sondern weil ich glaube, dass du eine Chance verdient hast.“
Maria lächelte vorsichtig.
„Ich möchte einfach lernen, Menschen zu helfen.“
„Dann hoffe ich, dass du das eines Tages tun kannst.“
### Der Anruf, der Oliver erschütterte
Am Abend erhielt Frau Schneider einen Anruf von Viktoria.
Sie bat um ein persönliches Gespräch.
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