Meine Anwältin stellte den Lautsprecher an, nachdem Viktoria zugestimmt hatte.
„Frau Schneider“, begann sie nervös, „ich muss etwas sagen. Ich habe Herrn Oliver vertraut. Er erklärte mir, Frau Lia hätte ihn bereits bevollmächtigt.“
„Haben Sie eine entsprechende Vollmacht gesehen?“, fragte meine Anwältin.
„Nein. Er sagte, das Dokument werde nachgereicht.“
„Warum haben Sie dann die Anfrage weitergeleitet?“
Viktoria schwieg.
Dann sagte sie:
„Weil er behauptete, es sei dringend. Und weil er mir mit Konsequenzen gedroht hat, falls ich mich weigere.“
Ich sah Frau Schneider an.
„Hat er Ihnen noch etwas gesagt?“, fragte sie.
Viktoria atmete tief ein.
„Ja. Er sagte, dass Frau Lia ohnehin nicht mehr lange selbst entscheiden könne. Und dass es besser sei, wenn die Firma vorher schon auf ihn vorbereitet wäre.“
Ich schloss die Augen.
Frau Schneider beendete das Gespräch erst, nachdem sie Viktoria erklärt hatte, dass sie ihre Angaben schriftlich festhalten und sich bei weiteren Schritten beraten lassen sollte.
Dann sagte meine Anwältin:
„Lia, wir haben jetzt einen wichtigen Hinweis. Aber wir müssen sorgfältig bleiben. Wir sichern die Unterlagen und lassen prüfen, ob jemand versucht hat, deine Unterschrift oder deine Vollmacht zu missbrauchen.“
Ich nickte.
„Und Oliver?“
„Er wird erfahren, dass du nicht allein bist.“
### Die Nachricht auf meinem Nachttisch
Später, als Maria mir beim Trinken half, bemerkte ich einen kleinen Umschlag auf meinem Nachttisch.
„War der schon da?“, fragte ich.
Maria schüttelte den Kopf.
„Nein. Den habe ich vorher nicht gesehen.“
Auf dem Umschlag stand nur ein Wort:
**LIA.**
Ich öffnete ihn vorsichtig.
Darin lag ein einzelnes Blatt Papier.
Die Handschrift erkannte ich sofort.
Es war die Handschrift meines Mannes.
Nur ein Satz stand darauf:
„Wenn du wirklich glaubst, dass ich dich wegen deines Geldes geheiratet habe, dann frag deine Schwester, was sie vor unserer Hochzeit von mir bekommen hat.“
Ich las den Satz ein zweites Mal.
Meine Schwester Anna.
Oliver hatte mir immer erzählt, sie sei neidisch auf unser Glück gewesen. Seit Jahren hatten wir kaum Kontakt.
Warum sollte sie etwas über unsere Hochzeit wissen, das ich nicht wusste?
Ich sah zu Maria.
„Bitte ruf Frau Schneider.“
Als meine Anwältin zurückkam, reichte ich ihr den Zettel.
Sie las ihn und wurde ernst.
„Wir werden deine Schwester nicht ohne Vorbereitung mit Vorwürfen konfrontieren“, sagte sie. „Aber wir können sie fragen, ob sie bereit ist, mit uns zu sprechen.“
Ich nickte.
In diesem Moment begriff ich, dass Oliver möglicherweise nicht nur mein Vermögen im Blick gehabt hatte.
Vielleicht war unsere ganze Ehe auf einem Geheimnis aufgebaut.
Und vielleicht war meine Schwester der Schlüssel dazu.
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