„Die Gesellschaft erhielt mehrere Zahlungen von Konten, auf die Mauricio Zugriff hatte.“

Camila verschränkte die Arme.

„Und was geschah danach?“

„Ein Teil des Geldes wurde für private Ausgaben verwendet. Andere Zahlungen müssen wir noch genauer untersuchen.“

Alejandro beugte sich vor.

„Camila, wir sollten nicht vorschnell behaupten, dass jede Transaktion rechtswidrig war. Aber die Unterlagen werfen ernsthafte Fragen auf.“

Sie nickte.

„Das verstehe ich.“

Dann fragte sie:

„Hat Ofelia gewusst, woher das Geld kam?“

Lucía antwortete vorsichtig:

„Das können wir noch nicht beweisen.“

Camila lehnte sich zurück.

Plötzlich ergab die Szene in ihrem Arbeitszimmer einen neuen Sinn.

Ofelia hatte sich nicht einfach nur wie eine anspruchsvolle Schwiegermutter verhalten.

Sie hatte geglaubt, Anspruch auf ein Leben zu haben, das Camila finanzierte.

Und möglicherweise hatte sie gemeinsam mit Mauricio längst begonnen, Geld aus diesem Leben in ihre eigene Richtung zu lenken.

Camila sah Alejandro an.

„Ich möchte eine vollständige Prüfung.“

Er nickte.

„Die ist bereits vorbereitet.“

TEIL 6 – DER BESUCH IM CAFÉ
Am nächsten Nachmittag erhielt Camila eine Nachricht von einer unbekannten Nummer.

Wir müssen reden. Es geht um Mauricio.

Sie wollte die Nachricht zunächst ignorieren.

Dann folgte eine zweite.

Ich habe für seine Firma gearbeitet. Ich glaube, Sie wissen nicht alles.

Camila zeigte die Nachrichten ihrem Anwalt.

Gemeinsam beschlossen sie, zunächst die Identität des Absenders zu überprüfen.

Es handelte sich um eine ehemalige Buchhalterin namens Daniela Ríos.

Sie hatte sechs Monate für Inversiones del Pacífico gearbeitet.

Das Treffen fand zwei Tage später in einem Café statt.

Alejandro war ebenfalls anwesend.

Daniela wirkte nervös.

Sie war Anfang dreißig, trug eine schlichte Bluse und hielt ihre Handtasche fest auf dem Schoß.

„Danke, dass Sie gekommen sind“, sagte sie.

Camila nickte.

„Sie wollten mir etwas erzählen.“

Daniela atmete tief ein.

„Ich habe letztes Jahr für Mauricio und seine Mutter gearbeitet.“

Camila sagte nichts.

„Am Anfang dachte ich, es wäre eine normale Immobiliengesellschaft.“

„Und dann?“

„Ich sollte Rechnungen vorbereiten, für die ich keine entsprechenden Leistungsnachweise finden konnte.“

Alejandro machte sich Notizen.

„Haben Sie das angesprochen?“

Daniela nickte.

„Mehrmals. Mauricio sagte, ich solle mich nicht in seine Geschäfte einmischen.“

Camila spürte, wie ihr Herz schneller schlug.

„Warum haben Sie aufgehört, dort zu arbeiten?“

Daniela blickte auf ihre Hände.

„Weil ich nicht länger Dokumente bearbeiten wollte, die ich nicht nachvollziehen konnte.“

Sie öffnete ihre Tasche und zog einen Umschlag hervor.

„Ich habe Kopien meiner damaligen schriftlichen Rückfragen aufbewahrt.“

Alejandro nahm den Umschlag entgegen.

„Wir werden diese Unterlagen sorgfältig prüfen.“

Daniela nickte.

Dann sah sie Camila direkt an.

„Es gibt noch etwas.“

„Was?“

„Mauricio hat oft über Sie gesprochen.“

Camila schwieg.

Daniela fuhr fort:

„Er sagte, Sie würden ohnehin nie herausfinden, was mit dem Geld geschieht.“

Die Worte trafen Camila unerwartet.

Nicht weil sie besonders grausam waren.

Sondern weil sie bestätigten, wie wenig Respekt Mauricio vor ihr gehabt hatte.

„Hat er das wirklich gesagt?“, fragte sie.

Daniela nickte.

„Ja.“

Camila blickte aus dem Fenster.

Für einen Moment erinnerte sie sich an all die Abende, an denen Mauricio sie umarmt und behauptet hatte, sie müsse sich keine Sorgen machen.

Sie hatte geglaubt, er wolle sie beruhigen.

Jetzt fragte sie sich, wie oft er nur gehofft hatte, dass sie keine weiteren Fragen stellen würde.

TEIL 7 – OFELIAS LETZTER VERSUCH
Eine Woche später erschien Ofelia unangemeldet in Camilas Büro.

Die Empfangsdame rief sofort an.

„Frau Camila, Ihre Schwiegermutter ist hier. Sie verlangt, Sie zu sprechen.“

Camila dachte kurz nach.

Dann sagte sie:

„Bitten Sie sie, im Besprechungsraum zu warten.“

Als Camila den Raum betrat, saß Ofelia bereits am Tisch.

Sie trug eine teure Handtasche und eine auffällige Goldkette.

Doch ihr Gesicht wirkte angespannt.

„Camila“, begann sie. „Wir müssen diese Angelegenheit endlich vernünftig klären.“

Camila setzte sich.

„Was möchten Sie besprechen?“

Ofelia verschränkte die Arme.

„Mauricio ist am Boden zerstört.“

Camila antwortete nicht.

„Er hat alles verloren. Sein Zuhause. Seine finanzielle Sicherheit. Seine Ehe.“

„Seine Entscheidungen haben Folgen“, sagte Camila ruhig.

Ofelia schnaubte.

„Du warst immer so kalt.“

Camila betrachtete sie.

„Sie sind nicht gekommen, um über Gefühle zu sprechen.“

Ofelia schwieg.

Dann beugte sie sich vor.

„Ich möchte, dass du die rechtlichen Schritte zurückziehst.“

Camila lehnte sich zurück.

„Warum?“

„Weil wir Familie sind.“

Camila musste beinahe lachen.

„Familie?“

„Ja.“

„Als Sie mein Arbeitszimmer räumen ließen, haben Sie mich nicht gefragt, ob ich einverstanden bin.“

Ofelia verdrehte die Augen.

„Das war doch nur ein Zimmer.“

„Und als Mauricio mein Geld für seine angeblichen Investitionen verwendete?“

Ofelias Gesicht veränderte sich.

„Ich weiß nicht, wovon du sprichst.“

Camila öffnete eine Mappe.

Sie legte eine Kopie der öffentlich zugänglichen Unternehmensunterlagen auf den Tisch.

„Inversiones del Pacífico.“

Ofelia erstarrte.

Camila sah sie ruhig an.

„Sie sind als Geschäftsführerin eingetragen.“

Die ältere Frau schwieg.

„Mein Anwalt prüft die Transaktionen. Sie sollten sich ebenfalls rechtlich beraten lassen.“

Ofelia blickte auf die Dokumente.

Dann sagte sie leise:

„Mauricio hat gesagt, es wäre alles in Ordnung.“

Camila beobachtete sie aufmerksam.