Ich blickte auf das Foto in meiner Hand.
„Darf ich fragen, wer das kleine Mädchen auf dem Bild ist?“
Am anderen Ende der Leitung wurde es still.
Dann sagte Anna:
„Das ist meine Tochter. Sie ist inzwischen erwachsen. Und es gibt etwas, das ich Ihnen schon lange sagen wollte.“
Ich hielt den Atem an.
„Was denn?“
Ihre Stimme zitterte leicht.
„Elisabeth hat damals dafür gesorgt, dass meine Tochter eine Zukunft bekam. Aber sie hat mir auch etwas anvertraut. Sie sagte, dass Sie eines Tages vielleicht jemanden brauchen würden, der Ihnen hilft, nicht länger allein zu bleiben.“
Ich sah zu Bruno, der ruhig neben meinem Sessel lag.
Dann hörte ich Annas nächste Worte:
„Herr Friedrich, meine Tochter würde Sie sehr gerne kennenlernen. Sie hat nämlich ein Foto von Ihnen, das Elisabeth ihr damals gegeben hat.“
Ich war sprachlos.
Denn auf diesem Foto war nicht nur Elisabeth zu sehen.
Auch ich war darauf.
Und auf der Rückseite stand eine Widmung, die meine Frau offenbar für einen ganz besonderen Tag geschrieben hatte:
„Für den Menschen, der noch nicht weiß, dass er eines Tages wieder eine Familie um sich haben wird.“
Ich strich Bruno über den Kopf.
Vielleicht hatte ich wirklich lange genug geglaubt, dass mein Leben nur noch aus Erinnerungen bestehen würde.
Doch während ich das Foto betrachtete, wurde mir klar: Manchmal endet eine Geschichte nicht mit einem Abschied.
Manchmal beginnt genau dort ein neues Kapitel.
Und vielleicht hatte Bruno mich nicht nur auf eine beschädigte Decke aufmerksam machen wollen. Vielleicht hatte er mich daran erinnert, dass es hinter verschlossenen Türen noch immer Dinge gibt, die darauf warten, entdeckt zu werden.
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