„Frau Volkov, die acht Zimmer wurden heute Morgen unter Ihrem Namen angefragt. Die Reservierung ist noch nicht endgültig bestätigt, aber Ihre Zahlungsdaten wurden als Garantie hinterlegt.“

„Von wem?“

„Der Antrag kam über das Reisebüro, das auch Ihre ursprüngliche Buchung bearbeitet hat.“

Ich schloss die Augen.

„Und wer hat ihn eingereicht?“

„Eine Frau namens Talia Volkov.“

Natürlich.

Meine Schwester hatte nicht nur meinen Namen benutzt. Sie hatte offenbar versucht, eine ganze Reisegruppe über mein Konto abzurechnen.

„Bitte sperren Sie jede weitere Belastung und vermerken Sie, dass ich diese Buchung nicht autorisiert habe“, sagte ich. „Ich möchte außerdem eine schriftliche Bestätigung darüber, welche Daten verwendet wurden und wann der Antrag einging.“

Die Mitarbeiterin versprach, den Fall an die zuständige Abteilung weiterzuleiten.

Als ich auflegte, war es 3:42 Uhr.

Ich saß in meiner Küche, umgeben von Reiseunterlagen, und begriff langsam, dass die Geschichte mit den zwei Hotelzimmern nur der Anfang gewesen war.

### Der Anruf aus Europa

Um 4:06 Uhr rief Talia an.

Ich ließ es klingeln.

Sie rief erneut an.

Beim dritten Mal nahm ich ab.

„Was hast du getan?“, fragte sie ohne Begrüßung.

„Das wollte ich dich gerade fragen.“

„Das Hotel sagt, die zusätzlichen Zimmer seien nicht bestätigt!“

„Dann solltest du vielleicht die Person anrufen, die sie angefragt hat.“

„Nina, hör auf mit diesem Theater. Es geht um unsere Familie.“

„Du hast acht Zimmer unter meinem Namen angefragt.“

„Wir brauchen sie.“

„Wer ist wir?“

Sie schwieg kurz.

„Mama und Papa, Marek und ich. Außerdem kommen zwei Freunde von Marek und drei Geschäftspartner meines Mannes. Sie haben bereits ihre Reise geplant.“

Ich richtete mich auf.

„Geschäftspartner?“

„Ja. Wir wollten die Reise mit ein paar Treffen verbinden. Das hätte für alle Vorteile gehabt.“

„Und warum steht mein Name als Organisatorin darauf?“

Talia atmete hörbar aus.

„Weil du die Buchungen immer machst. Du kennst dich damit aus. Außerdem hast du doch die besseren Konditionen.“

Da war sie wieder, diese Selbstverständlichkeit.

Als wäre meine Zeit ein Familienservice. Als wäre mein Geld eine gemeinsame Ressource. Als hätte ich niemals das Recht, Nein zu sagen.

„Hast du meine Zahlungsdaten weitergegeben?“

„Ich habe die Bestätigung von deiner ursprünglichen Buchung benutzt. Darin standen alle nötigen Angaben.“

Mir wurde kalt.

„Du hast meine Unterlagen ohne meine Erlaubnis verwendet?“

„Mach jetzt keine große Sache daraus! Die Buchung ist noch nicht einmal abgeschlossen.“

„Das ist nicht der Punkt.“

„Du willst doch nur, dass alle denken, ich sei die Böse.“

Ich blickte auf die E-Mail.

„Talia, ich habe die ursprüngliche Reise bezahlt, weil ich euch eine schöne Woche schenken wollte. Ihr habt mich von dieser Reise ausgeschlossen. Also habe ich die Leistungen storniert, die ich selbst gebucht hatte. Du hast anschließend versucht, neue Leistungen auf meinen Namen zu bestellen.“

„Weil wir davon ausgegangen sind, dass du dich wieder beruhigst!“

Der Satz hing zwischen uns.

Ich musste nicht mehr fragen, was sie wirklich von mir dachte.

Sie hatte nicht mit meiner Zustimmung gerechnet. Sie hatte mit meiner Nachgiebigkeit gerechnet.

„Du musst dir eine andere Zahlungsmethode suchen“, sagte ich.

„Du kannst uns nicht einfach hängen lassen!“

„Ich habe euch nicht um eine Reise gebeten.“

Dann beendete ich das Gespräch.

Meine Hände zitterten, aber diesmal war es nicht nur Wut. Es war die Erkenntnis, dass ich jahrelang eine Rolle gespielt hatte, die niemand ausdrücklich mit mir vereinbart hatte.

Ich war die Tochter, die organisierte.

Die Schwester, die bezahlte.

Diejenige, die Probleme löste, bevor jemand anderes überhaupt bemerkte, dass sie existierten.

Und sobald ich damit aufhörte, behandelte man mich, als hätte ich das Problem verursacht.

### Die E-Mail, die ich nicht erwartet hatte

Kurz nach sechs Uhr erhielt ich eine Nachricht von der Sicherheitsabteilung des Reisebüros.

Sie bestätigte, dass die zusätzliche Buchungsanfrage vorerst gesperrt worden war. Außerdem enthielt sie einen Hinweis: Die Agentur hatte eine Änderung der Kontaktadresse erhalten.

Die ursprüngliche E-Mail-Adresse gehörte mir.

Die neue Adresse gehörte Talia.

Sie hatte nicht nur meine Unterlagen verwendet. Sie hatte versucht, die Buchung so zu ändern, dass Benachrichtigungen bei ihr ankamen.

Ich rief die Agentur erneut an, ließ alle gespeicherten Zahlungsdaten aus dem betreffenden Vorgang entfernen und änderte die Zugangsdaten meines Kundenkontos. Danach bat ich darum, jede weitere Änderung nur nach einer zusätzlichen Identitätsprüfung zuzulassen.

Als ich fertig war, war die Sonne aufgegangen.

Ich machte mir Kaffee und setzte mich ans Fenster.

Zum ersten Mal seit langer Zeit musste ich niemanden anrufen, um zu überprüfen, ob seine Reisepläne funktionierten.

Ich hätte mich erleichtert fühlen sollen.

Stattdessen fühlte ich mich traurig.

Nicht wegen des Geldes.

Sondern weil ich mich plötzlich fragte, wie lange meine Familie mich schon so gesehen hatte.

Nicht als Nina.

Sondern als die Person, die alles möglich machte.

### Mareks Nachricht

Gegen neun Uhr schrieb mein Bruder.

**Marek:** Mama weint. Papa ist außer sich. Was soll das?

Ich antwortete nicht sofort.

Wenige Minuten später kam die nächste Nachricht.

**Marek:** Talia sagt, du hättest absichtlich dafür gesorgt, dass ihre Gäste ohne Unterkunft dastehen.