„Wir sind verheiratet. Alles, was ich habe, ist auch deins. Und alles, was du hast, gehört genauso mir.“

„Interessante Rechtsauffassung.“

Er runzelte die Stirn.

„Was soll das heißen?“

„Nichts. Ich packe weiter.“

Er betrachtete mich misstrauisch, entschied sich dann aber, nicht nachzufragen.

„Gut. Und noch etwas: Unterschreibe die Scheidungspapiere, sobald mein Anwalt sie dir schickt. Ich will keinen Streit um Geld. Du bekommst genug, um neu anzufangen.“

„Wie großzügig.“

Er grinste.

„Du solltest froh sein, dass ich dir überhaupt etwas anbiete.“

Dann ging er.

Ich wartete, bis seine Schritte verklungen waren, bevor ich meine Anwältin anrief.

„Er will, dass ich die Scheidungspapiere unterschreibe, sobald sie eintreffen.“

„Unterschreibe nichts, bevor wir sie geprüft haben“, antwortete sie. „Und ändere keine gemeinsamen Konten eigenmächtig. Wir müssen deine Rechte schützen, ohne dir rechtlich zu schaden.“

„Verstanden.“

„Noch eine Frage, Jenna. Hast du Hinweise darauf, dass Brandon Vermögenswerte versteckt oder gemeinsame Gelder für seine Affäre verwendet hat?“

Ich dachte an die Hotelrechnungen, die ich vor Monaten in seiner Aktentasche gefunden hatte. An die merkwürdigen Überweisungen auf einen Namen, den ich nicht kannte. An die Geschäftsreisen, die immer teurer wurden, obwohl seine angebliche Beförderung nie zustande kam.

„Vielleicht“, sagte ich. „Ich werde alles sammeln, was ich rechtmäßig einsehen darf.“

„Gut. Wir arbeiten Schritt für Schritt.“

Als ich auflegte, hörte ich Tiffany im Erdgeschoss lachen.

Sie klang bereits wie die Herrin des Hauses.

Das sollte sich bald ändern.

### Der Umschlag auf dem Küchentisch

Gegen Mittag kam ein Kurier.

Brandon nahm die Sendung entgegen und riss den Umschlag auf, während Tiffany neben ihm stand.

„Was ist das?“, fragte sie.

„Unterlagen für die Scheidung.“

Er blätterte durch die Seiten und lächelte zufrieden.

„Sieh mal, wie einfach das wird. Keine Kinder, keine komplizierten Vermögenswerte. Jenna wird unterschreiben, und dann können wir endlich unser Leben beginnen.“

Ich stand auf der Treppe und hörte jedes Wort.

Keine komplizierten Vermögenswerte.

Wenn er nur wüsste.

Brandon entdeckte mich.

„Ah, perfekt. Komm her. Wir können das gleich erledigen.“

Ich ging langsam hinunter und nahm die Dokumente entgegen.

Auf der ersten Seite stand, dass ich auf bestimmte Ansprüche verzichten und das Haus nach der vereinbarten Frist verlassen sollte.

Ich las jede Zeile.

Dann hob ich den Blick.

„Wer hat diese Vereinbarung aufgesetzt?“

„Mein Anwalt.“

„Und meine Anwältin hat sie geprüft?“

„Warum sollte sie? Das ist eine ganz normale Scheidung.“

„Dann dürfte es dir ja nichts ausmachen, wenn sie sie prüft.“

Sein Lächeln verschwand.

„Jenna, mach das nicht kompliziert.“

„Ich mache gar nichts kompliziert. Ich lasse mich beraten.“

Tiffany verschränkte die Arme.

„Brandon hat mir erzählt, du seist immer so. Du würdest aus jeder Kleinigkeit ein Drama machen.“

Ich sah sie an.

„Dann hat er dir offenbar auch erzählt, dass er seine Frau verlässt, bevor er überhaupt die Scheidung eingereicht hat.“

Ihre Wangen färbten sich rot.

Brandon schlug mit der flachen Hand auf den Tisch.

„Genug! Du hast bis Sonntag Zeit. Danach will ich dich hier nicht mehr sehen.“

Ich legte die Papiere zurück.

„Dann sollten wir wohl alle hoffen, dass bis Sonntag die richtigen Menschen die richtigen Dokumente gesehen haben.“

Ich ging nach oben, ohne auf seine Antwort zu warten.

Mein Telefon vibrierte.

Es war meine Anwältin.

Wir haben die ersten Informationen geprüft. Bitte komm heute Nachmittag in mein Büro. Es gibt etwas, das du wissen solltest.

Darunter stand ein zweiter Satz:

Es geht nicht nur um das Haus.

### Eine Wahrheit hinter den Kontoauszügen

Um zwei Uhr saß ich meiner Anwältin gegenüber. Auf ihrem Schreibtisch lagen Kopien von Unterlagen, die ich ihr am Morgen geschickt hatte.

„Jenna, ich möchte vorsichtig sein, bevor wir Schlussfolgerungen ziehen“, begann sie. „Aber diese Überweisungen sind auffällig.“

Sie schob mir eine Seite hin.

Mehrere Zahlungen waren von einem Konto abgegangen, auf das wir beide während unserer Ehe Zugriff gehabt hatten. Die Empfängerfirma gehörte laut den öffentlich verfügbaren Unternehmensunterlagen einer Person namens Daniel Reeves.

„Wer ist das?“, fragte ich.

„Das versuchen wir herauszufinden. Entscheidend ist zunächst, dass du diese Transaktionen nicht selbst autorisiert hast, soweit du dich erinnerst.“

Ich schüttelte den Kopf.

„Nein.“

„Dann werden wir die entsprechenden Bankunterlagen auf rechtmäßigem Weg anfordern und klären lassen, wer die Zahlungen veranlasst hat.“

Sie blätterte weiter.

„Außerdem sollten wir deine Erbschaft von deiner Großmutter und die Anzahlung für das Haus getrennt dokumentieren. Ob und in welchem Umfang bestimmte Vermögenswerte bei einer Scheidung als gemeinschaftlich gelten, hängt von den konkreten Umständen ab. Wir werden nicht einfach annehmen, dass alles automatisch dir oder Brandon gehört.“

Ich nickte.

Zum ersten Mal seit dem Morgen fühlte ich mich nicht mehr wie eine Frau, die aus ihrem eigenen Leben vertrieben wurde.

Ich war eine Frau, die endlich die richtigen Fragen stellte.

Dann klingelte das Telefon meiner Anwältin.

Sie hörte einige Sekunden zu, stellte zwei kurze Fragen und sah mich anschließend ernst an.