Ihre Stimme wurde leiser.
„Seit mindestens zwei Jahren.“
Ich schloss die Augen.
Zwei Jahre.
Nicht eine spontane Begegnung. Kein einmaliger Fehler. Eine Entscheidung, die offenbar immer wieder getroffen worden war.
„Claire, es tut mir leid“, sagte ich.
„Sie müssen sich nicht entschuldigen. Sie haben mir nichts angetan.“
Dann hörte ich ein leises Geräusch, als würde sie sich setzen.
„Es gibt etwas, das Sie wissen sollten. Elias hat mir vor einigen Monaten gesagt, dass er keine Kinder mehr möchte. Er wollte sogar, dass ich eine medizinische Behandlung in Betracht ziehe, damit wir uns darüber keine Gedanken mehr machen müssen.“
Ich hielt das Telefon fester.
„Hat er Ihnen gesagt, dass Sloane schwanger ist?“
„Nein.“
Sie atmete tief ein.
„Aber ich habe vor drei Wochen eine Nachricht auf seinem Tablet gesehen. Darin schrieb er, dass er sich um die Angelegenheit kümmern werde, sobald Sie aus dem Weg seien.“
Mir wurde kalt.
„Was genau meinte er damit?“
„Das weiß ich nicht. Ich habe ihn gefragt, aber er sagte, es gehe um ein geschäftliches Problem.“
Ich blickte auf die Straße.
Elias Weston war nicht nur ein Mann, dessen Name in einem privaten Gespräch gefallen war. Er hatte auch geschäftliche Verbindungen zu meinem Unternehmen.
Plötzlich ergaben einige Dinge einen anderen Sinn.
„Claire“, fragte ich, „haben Sie noch Zugriff auf diese Nachricht?“
„Ich habe einen Screenshot.“
„Bitte verändern oder löschen Sie nichts. Sichern Sie ihn und sprechen Sie mit jemandem, dem Sie vertrauen.“
„Das werde ich.“
Dann sagte sie etwas, das mich völlig verstummen ließ.
„Beckett, es geht nicht nur um das ungeborene Kind. Ich glaube, Elias und Sloane haben schon lange geplant, dass Sie beide aus Ihrem bisherigen Leben verschwinden sollen.“
Ich stand regungslos auf dem Gehweg.
„Warum glauben Sie das?“
„Weil Elias vor zwei Wochen eine neue Gesellschaft gegründet hat. Und weil ich seinen Namen in Unterlagen gesehen habe, die mit Ihrer Firma verbunden sind.“
Ich sagte zunächst nichts.
Claire fuhr fort:
„Ich weiß nicht, was sie vorhaben. Aber ich glaube, Sie sollten Ihre Geschäftsdokumente überprüfen lassen.“
Das Gespräch endete wenige Minuten später.
Ich blieb noch lange stehen.
Dann rief ich Garrison zurück.
„Wir müssen die geschäftlichen Verbindungen von Elias Weston prüfen“, sagte ich. „Sofort.“
„Was ist passiert?“
„Claire hat mir etwas erzählt. Es könnte sein, dass die Affäre nur ein Teil der Geschichte ist.“
Garrison wurde still.
„Kommen Sie zurück in die Kanzlei.“
Ich drehte mich um und ging zurück.
Als ich dort ankam, wartete bereits eine Nachricht von meinem Finanzdirektor auf mich. Er hatte eine Liste ungewöhnlicher Überweisungen zusammengestellt, die in den vergangenen Monaten über eine Tochtergesellschaft gelaufen waren.
Der Betrag war nicht gering.
Und der Name des Empfängers kam mir bekannt vor.
**Weston Advisory.**
Ich starrte auf den Bildschirm.
Während ich geglaubt hatte, Sloane würde mich nur über die Vaterschaft eines Kindes belügen, könnte jemand gleichzeitig versucht haben, sich Zugang zu meinem Unternehmen zu verschaffen.
Doch das war noch nicht alles.
Am Nachmittag erhielt ich eine Nachricht von Wren.
*Papa, können wir heute Abend reden? Es geht um Mama. Ich habe etwas gefunden, das du wissen solltest.*
Ich las den Satz zweimal.
Dann kam eine zweite Nachricht.
*Bitte sei nicht böse auf mich. Ich wusste nicht, was ich damit anfangen sollte.*
Ich rief sie sofort an.
Sie nahm nicht ab.
Stattdessen schickte sie mir ein Foto.
Es zeigte einen alten Umschlag, den ich noch nie zuvor gesehen hatte. Darauf stand in Sloanes Handschrift ein Name:
**Elias Weston.**
Und darunter ein Datum, das mich noch mehr erschütterte.
Es lag fast genau neun Jahre zurück.
Ich sah auf das Bild und begriff, dass die Geschichte, die ich gerade zu verstehen begann, möglicherweise viel früher angefangen hatte, als ich mir je hätte vorstellen können.
Popular Posts
→- 1
- 2
- 3
- 4
Recently Viewed
Stories you read recently will appear here.



