„Ja. Ich bin gleich bei dir.“

Mit jedem Schritt spürte ich, wie meine Knie weicher wurden. Ich hatte Angst, eine falsche Bewegung zu machen. Gleichzeitig wollte ich meine Tochter einfach nur in die Arme schließen.

Als ich endlich nahe genug war, streckte ich beide Arme aus.

„Komm zu mir, mein Schatz.“

Mila machte einen kleinen Schritt in meine Richtung.

Rex bewegte sich sofort mit ihr.

Er blieb zwischen ihr und dem Graben, bis sie weit genug von der gefährlichen Stelle entfernt war. Erst dann trat er zur Seite.

Ich hob Mila hoch und drückte sie fest an mich.

Sie legte ihren Kopf an meine Schulter.

„Mama, Rex böse?“

Diese Frage traf mich mitten ins Herz.

Ich sah zu unserem Hund.

Er stand einige Schritte entfernt. Seine Haltung war noch immer angespannt, aber sein Bellen hatte aufgehört.

„Nein, mein Schatz“, flüsterte ich. „Rex ist nicht böse. Er wollte auf dich aufpassen.“

Mila betrachtete ihn.

„Rex passt auf?“

„Ja. Das hat er getan.“

Ich trug sie ins Haus, setzte sie auf das Sofa und kontrollierte, ob sie sich irgendwo verletzt hatte. Zum Glück war alles in Ordnung. Sie hatte nur große Angst bekommen.

Doch ich konnte mich nicht beruhigen.

Immer wieder ging ich zum Fenster und sah hinaus.

Rex war nicht weggelaufen. Er lag auch nicht in seiner gewohnten Ecke unter dem Baum.

Er saß weiterhin in der Nähe des Grabens.

Seine Augen waren auf den Boden gerichtet.

Als würde er darauf warten, dass wir endlich verstehen, was er uns zeigen wollte.

Ich nahm mein Handy und rief meinen Mann Daniel an.

„Du musst nach Hause kommen.“

„Was ist passiert?“

„Es geht um Mila. Sie ist in Sicherheit, aber im Garten stimmt etwas nicht.“

Seine Stimme wurde sofort ernst.

„Ist sie verletzt?“

„Nein. Rex hat sie aufgehalten. Ich dachte zuerst, er würde sie angreifen, aber er hat versucht, sie von einer gefährlichen Stelle fernzuhalten.“

„Was für eine Stelle?“

Ich erklärte ihm alles so ruhig wie möglich.

Daniel sagte, dass er sofort kommen würde.

Während ich wartete, setzte ich mich neben Mila. Sie hielt ihren Stoffhasen fest und schaute immer wieder zur Terrassentür.

„Mama, Rex kommt?“

„Rex bleibt draußen, mein Schatz. Wir lassen ihn jetzt erst einmal in Ruhe.“

Ich wusste, dass ich ihn nicht einfach wieder in den Garten lassen durfte, als wäre nichts passiert. Die Stelle musste zuerst untersucht und abgesichert werden.

Wenige Minuten später hörte ich ein leises Winseln.

Rex stand vor der Schiebetür.

Ich öffnete sie vorsichtig und blieb mit Mila im Haus.

„Na, mein Junge?“

Er kam nicht sofort näher.

Stattdessen blickte er wieder in Richtung des Grabens.

Ich folgte seinem Blick.

Jetzt sah ich, dass sich an einer Stelle sogar ein kleines Stück Erde gelöst hatte. Es rutschte langsam nach unten und verschwand in der dunklen Vertiefung.

Mir stockte der Atem.

Rex hatte nicht übertrieben.

Der Boden war tatsächlich instabil.

Ich schloss die Tür wieder und rief Daniel erneut an.

„Bitte beeil dich. Ich glaube, der Graben ist teilweise unterspült.“

Als Daniel schließlich eintraf, stieg er kaum aus dem Auto, bevor er mich fragte:

„Wo ist Mila?“

„Drinnen. Ihr geht es gut.“

Er atmete erleichtert aus und ging mit mir zum Fenster.

Als er den abgesackten Boden sah, veränderte sich sein Gesichtsausdruck.

„Das sieht nicht normal aus.“

„Ich weiß.“

„Wir müssen den Bereich absichern und jemanden kommen lassen, der sich damit auskennt.“

Er holte einige Absperrungen aus der Garage und stellte sie in sicherem Abstand um die gefährliche Stelle. Danach rief er einen Fachbetrieb an, der sich mit beschädigten Wasserleitungen und abgesackten Gartenflächen auskannte.

Während wir warteten, setzte sich Daniel neben mich auf die Terrasse.

Rex lag inzwischen in einiger Entfernung.

„Du hast gesagt, du dachtest zuerst, er würde Mila angreifen?“, fragte Daniel.

Ich nickte und senkte den Kopf.

„Als ich seine Zähne gesehen habe, bekam ich solche Angst. Ich habe ihn angeschrien. Ich wollte nur noch zu ihr.“

Daniel nahm meine Hand.

„Du hast dein Kind in Gefahr gesehen. Natürlich hattest du Angst. Du konntest nicht sofort wissen, was Rex wahrgenommen hatte.“

„Aber er hat die ganze Zeit versucht, sie aufzuhalten.“

„Ja. Und wir sollten froh sein, dass er so aufmerksam war.“

Ich sah zu unserem Hund.

„Ich hätte beinahe vergessen, wie gut er auf sie aufpasst.“

Daniel lächelte schwach.

„Du hast es nicht vergessen. Du hast dich nur erschrocken.“

Einige Zeit später traf der Fachmann ein. Er betrachtete den Garten zunächst aus der Entfernung und ging anschließend mit Daniel die abgesicherte Stelle durch.

Er untersuchte die Umgebung und stellte fest, dass die Erde nicht einfach durch den Regen abgesackt war.

Unter dem Rasen verlief eine alte Wasserleitung.

Sie war an einer Stelle beschädigt, und über längere Zeit war Wasser in den Boden gesickert. Dadurch hatte sich unter der Oberfläche ein Hohlraum gebildet.

Der Fachmann erklärte uns, dass die Grasfläche von oben noch relativ normal ausgesehen hatte. Deshalb hätten wir den Schaden ohne eine genaue Untersuchung kaum bemerkt.