Sie verschwieg auch nicht, dass Daniel sich anschließend von ihr entfernt hatte.

„Sind Sie sicher, dass er Sie absichtlich gestoßen hat?“, fragte die Beamtin vorsichtig.

Clara sah sie an.

„Ich weiß, was ich gespürt habe. Und ich habe gesehen, wie er mich angesehen hat, bevor er wegging.“

Die Beamtin nickte.

„Wir werden Ihre Aussage ernst nehmen und alle verfügbaren Informationen prüfen.“

Dann erzählte Clara etwas, das die Ermittlerin aufhorchen ließ.

„Es gab schon früher Situationen, in denen Daniel mich eingeschüchtert hat. Ich habe immer geglaubt, er würde sich irgendwann ändern.“

„Haben Sie jemandem davon erzählt?“

Clara schüttelte den Kopf.

„Nein. Ich wollte nicht, dass meine Familie sich Sorgen macht. Und ich hatte Angst, dass mir niemand glauben würde.“

Die Beamtin legte ihren Stift kurz beiseite.

„Sie müssen sich dafür nicht schämen. Wichtig ist jetzt, dass Sie geschützt sind und die Ereignisse sorgfältig untersucht werden.“

### Die Wanderin hatte etwas gesehen

Am Abend meldete sich Martha bei der Polizei.

Sie und ihr Sohn Jonas hatten nicht nur Clara entdeckt. Auf dem Weg hatten sie zuvor auch einen Mann gesehen, der allein in Richtung Parkplatz gegangen war.

Martha erkannte Daniel auf einem Foto wieder.

„Das ist der Mann“, sagte sie. „Ich habe ihn gesehen, bevor wir die Frau fanden.“

„Haben Sie beobachtet, was zwischen den beiden passiert ist?“, fragte der Ermittler.

„Nicht den gesamten Vorfall. Aber ich erinnere mich daran, dass er allein unterwegs war und sehr schnell ging. Er sah nicht so aus, als würde er jemanden suchen.“

Jonas ergänzte:

„Als wir die Frau fanden, fragte sie sofort nach ihrem Mann. Sie sagte, er sei weggegangen.“

Die Polizei nahm ihre Aussagen auf.

Außerdem wurden die verfügbaren Informationen über den Notruf, die Rettung und den zeitlichen Ablauf gesichert.

Daniel hatte gehofft, dass niemand seine Abwesenheit hinterfragen würde.

Doch nun gab es Menschen, die ihn auf dem Wanderweg gesehen hatten.

### Der wahre Grund für den Ausflug

Am nächsten Tag wurde Daniel zur Polizeidienststelle gebeten.

Er erschien ordentlich gekleidet und wirkte nach außen ruhig.

„Ich möchte nur wissen, wie es meiner Frau geht“, sagte er.

Der Ermittler sah ihn an.

„Ihre Frau ist medizinisch versorgt. Sie hat außerdem erklärt, dass Sie sie absichtlich in Gefahr gebracht und anschließend zurückgelassen haben.“

Daniel schüttelte sofort den Kopf.

„Das ist absurd. Wir hatten einen Streit. Sie ist ausgerutscht. Ich hatte selbst Angst und wusste nicht, was ich tun sollte.“

„Warum haben Sie keinen Notruf gewählt?“

„Ich war verwirrt.“

„Warum haben Sie nicht auf die Rettungskräfte gewartet?“

Daniel schwieg.

Der Ermittler legte ein Foto auf den Tisch. Es zeigte den Wanderweg und den Bereich, an dem Clara gefunden worden war.

„Wir möchten den gesamten Ablauf nachvollziehen. Ihre Aussage wird mit den Angaben Ihrer Frau und den Beobachtungen der Zeugen verglichen.“

Daniel verschränkte die Hände.

„Sie können mich nicht einfach beschuldigen.“

„Wir beschuldigen Sie nicht aufgrund einer einzelnen Aussage. Wir prüfen die Beweise.“

Dann stellte der Ermittler eine weitere Frage:

„Warum haben Sie Clara an diesem Tag überhaupt zu dieser Wanderung eingeladen?“

Daniel hob den Kopf.

„Weil wir Zeit miteinander verbringen wollten.“

Der Ermittler blätterte in seinen Unterlagen.

„Ihre Frau hat uns allerdings erzählt, dass Sie in den vergangenen Wochen mehrfach über eine Trennung gesprochen haben.“

Daniel wurde still.

### Das Geheimnis in Claras Tasche

Währenddessen bat Clara ihre Schwester Sophie, einige persönliche Gegenstände aus ihrem Haus zu holen.

„Bitte nimm auch die blaue Mappe aus meinem Schreibtisch“, sagte sie am Telefon.

„Welche Mappe?“

„Die mit den Unterlagen über unsere gemeinsamen Konten und das Haus.“

Sophie schwieg kurz.

„Clara, was ist los?“

„Ich wollte es dir schon länger erzählen. Daniel hat in den letzten Monaten mehrere finanzielle Entscheidungen getroffen, ohne mit mir darüber zu sprechen. Ich habe Unterlagen gefunden, die ich nicht verstanden habe.“

„Warum hast du mir das nicht gesagt?“

„Weil ich dachte, ich könnte das allein klären.“

Sophie versprach, die Unterlagen nicht zu verändern und sie für eine rechtliche Beratung bereitzuhalten.

Später stellte sich heraus, dass Daniel kurz vor der Wanderung versucht hatte, einige gemeinsame finanzielle Angelegenheiten neu zu ordnen.

Ob diese Vorgänge mit dem Vorfall zusammenhingen, musste noch geprüft werden.

Clara wollte keine voreiligen Schlüsse ziehen.

Aber sie wusste jetzt, dass sie sich nicht länger auf Daniels Erklärungen verlassen durfte.

### Die letzte Nachricht

Am dritten Tag nach der Rettung durfte Clara erstmals länger mit ihrer Schwester sprechen.

Sophie saß neben ihrem Bett.

„Die Polizei hat sich wieder gemeldet“, sagte sie. „Sie möchten dich noch einmal befragen, sobald du dich dazu in der Lage fühlst.“

Clara nickte.

Dann nahm sie ihr Handy.

Auf dem Display erschien eine neue Nachricht von Daniel.

Sie lautete:

**„Clara, bitte sag der Polizei nicht alles. Du weißt nicht, was du damit auslösen wirst. Wir können das noch unter uns klären.“**

Clara las die Nachricht zweimal.

Dann zeigte sie sie ihrer Schwester.

Sophie wurde blass.

„Das klingt nicht nach einer Entschuldigung.“