„Du hast die Akten gefunden“, sagte sie ruhig.

Adrian blieb in der Tür stehen.

„Du wusstest, dass Elena lebte?“

Victoria schwieg.

„Hast du die Nachricht gefälscht?“

Sie blickte zu ihm auf. In ihrem Gesicht lag keine Überraschung, nur Erschöpfung.

„Ich habe damals eine Entscheidung getroffen, die ich für notwendig hielt.“

Adrian konnte kaum glauben, was er hörte.

„Du hast meiner Tochter ihren Vater genommen.“

„Nein“, erwiderte Victoria. „Du hast dich selbst von ihr entfernt. Ich habe lediglich dafür gesorgt, dass du nicht zurückblickst.“

Der Satz hing zwischen ihnen wie ein Urteil.

Adrian machte einen Schritt zurück.

„Warum?“

Victoria sah ihn an.

„Weil ich wusste, dass du Elena niemals vergessen würdest. Und weil ich glaubte, dass ich dich verlieren würde, wenn du sie wiederfinden würdest.“

„Also hast du eine junge Mutter und ihr Kind allein gelassen, nur um mich an dich zu binden?“

Zum ersten Mal verlor Victoria ihre Beherrschung.

„Du glaubst, ich hätte das alles allein getan? Du weißt nicht einmal, was Markus damals von mir verlangt hat!“

Adrian erstarrte.

„Was hat Markus damit zu tun?“

Victoria öffnete den Mund, schloss ihn wieder und griff schließlich nach einem Schlüsselbund.

„Wenn du die ganze Wahrheit willst, musst du mit ihm sprechen.“

„Wo ist er?“

Sie sah ihn lange an.

Dann sagte sie leise:

„Er ist seit drei Monaten verschwunden.“

Adrian spürte, wie ihm der Boden unter den Füßen wegzog.

Denn plötzlich begriff er, dass die Geschichte nicht mit dem Feuer begonnen hatte.

Und vielleicht war auch das Feuer selbst nicht das gewesen, wofür er es all die Jahre gehalten hatte.

Am nächsten Morgen würde er zu Elena fahren.

Doch bevor er das Haus verlassen konnte, erhielt er eine Nachricht von einer unbekannten Nummer.

Sie enthielt nur einen Satz:

**„Wenn du Sofia liebst, lass sie die Vergangenheit nicht allein aufdecken. Markus weiß, was wirklich in jener Nacht geschah.“**

Darunter war ein Foto.

Es zeigte Markus Reuter vor dem alten Landhaus – aufgenommen am Abend des Brandes.

Und neben ihm stand eine Person, die Adrian niemals dort erwartet hätte.

Sein eigener Vater.

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