„Er heißt Herr Weber. Er war früher mein Nachbar. Er hat mir erzählt, dass er vor vielen Jahren ebenfalls einmal von jemandem Hilfe bekommen hat. Und dass dieser jemand sein Leben nie vergessen hat.“

Thomas lächelte nachdenklich.

Vielleicht war die Geschichte längst größer geworden, als er es sich jemals hätte vorstellen können.

Doch bevor er antworten konnte, reichte Leon ihm einen zweiten Zettel.

Darauf stand eine kurze Nachricht:

*Lieber Thomas, vielleicht erinnerst du dich nicht an mich. Aber ich war einer der Menschen, die damals gesehen haben, wie du dem kleinen Jungen geholfen hast. Ich habe diese Szene nie vergessen. Sie hat mich dazu gebracht, später selbst anderen zu helfen. Nun hoffe ich, dass du auch diesem jungen Mann eine Chance gibst.*

Thomas las die Nachricht zweimal.

Dann sah er zu Daniel.

Daniel nickte.

„Vielleicht sollten wir eine weitere Regel für unseren Laden aufstellen“, sagte er.

„Welche?“, fragte Thomas.

Daniel lächelte.

„Wer heute Hilfe bekommt, darf morgen selbst jemand anderem helfen. Nicht als Schuld, sondern als Möglichkeit.“

Thomas legte den Brief vorsichtig neben das gerahmte Stück Papiertüte.

Draußen begann es erneut zu regnen.

Doch diesmal stand niemand allein auf dem kalten Marktplatz.

Denn hinter der Tür des kleinen Kastanienladens brannte Licht.

Und an der Wand hing ein Satz, den Daniel gemeinsam mit Thomas ausgewählt hatte:

**„Eine gute Tat muss nicht groß sein. Sie muss nur jemanden erreichen, der sie gerade dringend braucht.“**

Was Thomas und Daniel an diesem Abend noch nicht wussten: Herr Weber hatte ihnen nicht ohne Grund geschrieben. Er besaß ein altes Foto vom damaligen Marktplatz – und darauf war neben dem kleinen Daniel noch eine dritte Person zu sehen.

Eine Person, die offenbar schon damals mehr über Daniels Familie wusste, als er selbst ahnte.

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